MTV mit KEEP in Kenia
Simon Schäfer
KVDA – Kenia
KEEP (Kakamega Environmental Education Program), Isecheno – Kakamega
Ökologie + Unterrichten + Verwaltung
August - Dezember 2007
3,5 Monate
Erst „Hui“, dann „Pfui“ und dann doch wieder „Hui“. Das trifft das Ganze dann doch wohl am besten.
Ich wollte mich nach Kenia aufmachen, da ich zwischen Freiwilligem Sozialen Jahr und meinem Studium eine Pause von Deutschland und unserem „Luxus“ hier brauchte und Erfahrungen an der Überlebensgrenze sammeln wollte. Mein Plan war es in einem kenianischen Krankenhaus zu arbeiten um zu sehen, wie dort alles abläuft, Also bewarb ich mich nach den Vorbereitungsseminaren, die mich hervorragend auf das „Projekt Kenia“ vorbereitet hatten, über die ijgd bei der kenianischen KVDA für ein Krankenhausprojekt KEEP. Im „Programmheft“, das wir bei den Seminaren erhalten hatten, hatte ich gelesen, dass es dort ein Krankenhaus im Regenwald gibt. Mir ging es hauptsächlich darum neue Erfahrungen zu sammeln und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
So machte ich mich dann also Ende August auf das „Schlimmste“ vorbereitet mit wenigen Erwartungen an den Lebenskomfort auf den Weg nach Kenia. Am Flughafen angekommen verlief alles besser als erwartet. Ich wurde direkt von einem freundlichen Taxifahrer in Empfang genommen und in das YMCA-South Hostel etwas außerhalb der Stadt gebracht. Dort habe ich dann einige Stunden auf einen KVDA-Coordinator warten müssen und hatte die ersten Zweifel, ob das wirklich die richtige Entscheidung war, also wohl die üblichen Gedanken, die jedem Volontär früher oder später durch den Kopf gehen.
Nachdem ich einen halben Tag in Nairobi verbracht habe, ging es dann am nächsten Tag mit dem Nachtbus nach Kakamega in den letzten verbleibenden Teil des kenianischen Regenwaldes. Dort angekommen, bezog ich mein Zimmer, erhielt Infos von den anwesenden Volontären und einen Überblick über die Aufgaben, die ich übernehmen könne. Da ich nach meiner Abreise etwas im Regenwald hinterlassen wollte, entschloss ich mich eine Powerpoint Präsentation über Erste Hilfe zu erstellen, zumal ich in meinem freiwilligen sozialen Jahr als Erste-Hilfe-Ausbilder gearbeitet habe. Dies war nur möglich, da KEEP über einen Laptop verfügte, der über eine Solaranlage betrieben wurde. Nach einigen Wochen war dieser Laptop jedoch mit einen bösartigen Virus infiziert, sodass ich nicht mehr mit dem Laptop arbeiten wollte ohne ein Antivirusprogramm in Kakamega herunterzuladen, um den Laptop nicht mehr als nötig zu beschädigen. Aber ich hatte meine Rechnung ohne die Kenianer gemacht, die den Laptop weiter benutzten und dadurch ruinierten, sodass mir nichts anderes übrig blieb als den Laptop zu formatieren. Meine Initiative war dahin. Da ich nicht gewillt war, dies alle paar Wochen zu wiederholen, beendete ich die Arbeit am Laptop und entschied mich mit einer amerikanischen Volontärin ein Tree Nursery Projekt zu starten und ein wenig „Aufforstungsarbeit“ zu leisten. Unsere Arbeit bestand darin, kleine Setztöpfe mit Erde zu befüllen, Setzlin-ge aus dem Wald zu sammeln, einzupflanzen und zu pflegen. Leider waren unsere Ansichten ein wenig zu unterschiedlich, sodass ich erneut nach einigen Wochen aus dem Projekt ausstieg und mir eine andere Arbeit suchte. Ich habe also begonnen ein Computersystem für die dortige Bücherei erstellt. Dieses habe ich dann auch bis zum Ende meiner Zeit im Regenwald durchgehalten und mein Projekt fast beenden können. Die Wochenenden waren natürlich frei und standen für viele Ausflüge zur Verfügung. Wenn man mal einen Tag länger Pause brauchte, war auch dies kein Problem. Im Nachhinein bereue ich es nicht, nicht im Hospital des Regenwaldes gearbeitet zu haben, sondern all die anderen Aufgaben erledigt zu haben.
Auch das Leben in der Gastfamilie war sehr durchwachsen. Am Anfang war natürlich alles neu und aufregend teilweise etwas seltsam, aber ich hatte mich schnell an das „Eimern“ (du-schen), das Loch im Boden und zwei nicht variierende Malzeiten (Ugali und Sukumawiki) das Leben im Regenwald umringt von Affen, Schmetterlingen und Vögeln gewöhnt. Im Ge-gensatz zu der Volontärin, die mit mir auf dem Compound lebte, hatte ich keine Petroleum-lampe, sondern musste mir mit Taschenlampe und Kerze Licht in meiner Lehmhütte verschaffen. Ich hätte eine Petroleumlampe bekommen können, für die hätte ich jedoch erst ein Glas kaufen müssen und so entschied ich mich für die günstigere Variante: Kerzen. Nach einer Weile gab es deutliche Anzeichen, dass meine Gastfamilie nicht an mir, sondern eher an meinem Geld interessiert war. Als ich das Spiel, den kleine, dummen Deutschen, von dem man mal kurz das Handy ausleiht, satt hatte und aus der Familie raus wollte, bot sich mir die Chance mit einer anderen Volontären aus den Niederlanden gemeinsam in ein leer stehendes Haus einzuziehen und dort alleine den kenianischen Lebensstil zu leben. Wir mussten keine Miete bezahlen und bekamen sogar einige Möbel gestellt. Worum wir uns allein kümmern mussten, waren Wasser und Verpflegung. Das war zwar ein wenig mehr Arbeit als in der Gastfamilie aber es war gut zu schaffen.
Es waren bei weiten nicht alle Kenianer nur hinter meinem Geld her. Ich habe auch sehr viele Kenianer kennen gelernt, die an mir als Person interessiert waren, die dann auch recht gute Freunde wurden und wir haben gemeinsame Wochenendausflüge unternommen.
Das mag sich leider jetzt ein wenig negativ anhören aber wenn ich jetzt auf meine Zeit in Kenia zurückblicke, würde ich es jederzeit wieder tun und nichts anders machen. Es war eine schöne Erfahrung, die mein Leben bereichert und viele neue Eindrücke gebracht hat. Ich kann diese Möglichkeit jedem empfehlen, der an einer anderen Kultur interessiert ist und den kenianischen Lebensstil kennen lernen möchte.
Simon Schäfer






