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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Kenia (CIVS)

Zwischen Windeln und Regenwald

Mein MTV in Kenia

von Laura K.

 

Organisation:  CIVS Kenya

Verschiedene Projekte in Kenia: Waisenhaus, work camps, Umweltschutzprojekt

5 Monate: 1. Dezember 2008 – 30. April 2009

 

Nachdem ich im Sommer 2008 mein Abitur in der Tasche hatte, wollte ich nicht gleich studieren, sondern mir erst mal noch ein bisschen von der Welt ansehen. Deswegen begab ich mich zunächst sechs Wochen lang auf eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg durch Spanien. Danach wollte ich etwas Gemeinnütziges tun und entschied mich deswegen für ein MTV in Kenia, weil mich Afrika insgesamt schon immer fasziniert hatte.

Über ijgd wurde ich problemlos vermittelt und bekam schon vorab hilfreiche Infos. Da ich allerdings genau einen Tag nach dem Vorbereitungsseminar schon abreisen wollte, musste ich mich eben schon vorher um Flug, Visum und Impfungen kümmern. Trotzdem fand ich die Gespräche mit den Rückkehrern und den Kenianern auf dem Seminar sehr bereichernd.

Der ursprüngliche Plan umfasste fünf Monate in einem Waisenhaus in der Hauptstadt Nairobi, doch dann kam alles anders:

 

Die ersten zwei Monate arbeitete ich tatsächlich im Imani children’s home mit etwa zehn weiteren Freiwilligen aus Kenia, Island, Polen, Italien und Deutschland. Da hieß es morgens um halb sechs aufstehen, weil ich die Frühschicht bevorzugte, mit dem Matatu, dem kenianischen öffentlichen Verkehrsmittel Nummer eins, eine knappe Stunde in den Bezirk Kayole fahren und „meine“ zehn Babys wecken. Zusammen mit einer anderen Freiwilligen half ich der zuständigen Kinderschwester, die Kleinen zu wickeln, zu füttern, zu baden, umzuziehen, zu verarzten und ihnen eben einfach ein bisschen Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Die Nachmittage nach der Arbeit verbrachte ich mit anderen Freiwilligen in und um Nairobi, zum Beispiel im Elefanten-Waisenhaus, im Giraffenpark, im Museum, im Theater oder verschiedenen Parks. Recht bald gingen mir jedoch die vollgestopften Straßen, der tägliche Stau, der Dreck, die Abgase, sprich die Großstadt Nairobi ziemlich auf die Nerven. Deswegen nutzte ich die Möglichkeiten bie CIVS und gestaltete meinen Restaufenthalt neu.

 

Ich nahm am Februar-work-camp in Luanda teil, bei dem zwanzig Freiwillige aus Kenia, Deutschland, Japan, den Niederlanden und Finnland mit einer Gruppe von etwa sechzig Witwen ein braches Feld umgruben, Saatbeete anlegten und bepflanzten und ein Hühnerhaus aus Erdziegeln bauten,  um der Gruppe zu einer nachhaltigen Einkommensmöglichkeit zu verhelfen. Außerdem setzten wir ein Zeichen, indem wir Interesse für die Schicksale der Frauen zeigten, die aufgrund ihrer Weigerung, erneut zu heiraten, bei ihren Nachbarn nicht sehr hoch angesehen und stigmatisiert sind. Der Alltag im camp setzte sich also aus landwirtschaftlicher und sozialer Arbeit zusammen, aber neben all den Bewässerungsdiensten, dem Küchendienst und den Besuchen bei den Frauen blieb immer noch Zeit für das ein oder andere Lied am Lagerfeuer.

 

Um nach dem camp nicht wieder nach Nairobi zurückkehren zu müssen, hatte ich mein Projekt geändert und konnte so den März im Regenwald bei Kakamega verbringen. Dort wohnte ich erneut bei  einer sehr netten  Gastfamilie und arbeitete im Kakamega Environmental Education Program (K.E.E.P.) mit, wo ich mit einem weiteren Deutschen alternatives Brennmaterial herstellte, mich um die Bäume in der Baumschule kümmerte und den Gruppenmitgliedern ein wenig bei der Bedienung des Internets half. Gegen Ende begaben wir uns in die Gehege des neuen Schlangenparks hinab, die natürlich noch leer waren und gestrichen werden mussten. Trotzdem hatten wir dort  genügend Freizeit, um den exotischen Regenwald zu erkunden.

Im Mai nahm ich dann nochmal an einem work camp teil, diesmal in Emining. Knapp zwanzig Freiwillige aus Kenia, Japan, Finnland, England, den Niederlanden und Deutschland halfen dort einer Gruppe von Farmern auf deren Feldern und in der gemeinschaftlichen Baumschule. Aufgrund der Trockenheit gab es nicht so viel zu tun, weil der Regen noch auf sich warten ließ, und so verbrachten wir viel Zeit lesend oder Karten spielend auf dem Grundstück unserer Gastfamilie, wo diesmal nicht so sehr der Austausch zwischen Einheimischen und Freiwilligen, sondern vielmehr zwischen den Freiwilligen selbst stattfand.

 

Hilfreich waren deswegen natürlich gute Englisch-Kenntnisse, doch ich habe auch gelernt, mich auf japanisch zu bedanken, was Gesundheit auf holländisch heißt und wie man eine gute Nacht auf finnisch wünscht. Fast alle Kenianer sprechen Englisch, die Geschichten der Witwen wurden uns aus deren Stammessprache übersetzt. Mit Älteren lässt es sich besser auf Kiswahili unterhalten, oder aber, wenn man das nicht kann (so wie ich), mit Händen und Füßen. Doch auch Freiwillige, die nur einen minimalen englischen Grundwortschatz beherrschten, kamen mit der Hilfe von Zeichen oder freiwilligen „Übersetzern“ ganz gut zurecht.

Auch ich habe mich oftmals an andere Freiwillige oder Kenianer gewandt, weil ich recht wenig Kontakt zu meinen sogenannten „Ansprechpartnern“ hatte. Doch ich sah mich nie vor unlösbaren Problemen stehen und habe viele Dinge einfach selbst organisiert. Auch mit CIVS stand ich nicht gerade in regem Austausch, doch vor allem bei der Vermittlung in die camps und bei meinem Projektwechsel waren sie sehr kooperativ und ich wurde sehr freundlich empfangen und in der ersten Woche recht aufschlussreich in die kenianischen Verhaltensweisen eingeführt. 

 

Besonders geprägt hat mich dabei der Respekt, den die Menschen mir in Kenia entgegengebracht haben, mit dem sie sich aber auch untereinander behandeln. Ein Besucher wird als Segen betrachtet und wie ein Prinz empfangen und umsorgt, und wenn die Menschen noch so wenig hatten, wurde auch das Wenige noch mit mir geteilt. Auch habe ich die sehr wichtige Erfahrung der anderen Hautfarbe gemacht, wie es ist, anders zu sein und aufzufallen, und zwar ständig, wo man geht und steht. Ich habe teilweise sehr einfach gelebt, ohne Strom und fließend Wasser und aufgrund der Trockenheit ohne viel  Abwechslung bei den Mahlzeiten, und dabei keinerlei Schwierigkeiten gehabt und gemerkt, mit wie wenig man eigentlich auskommen kann. Gleichzeitig lernte ich den europäischen Lebensstandard schätzen und ich habe erkannt, wie viel wir eigentlich haben und wie wenig wir davon brauchen.

Ich bin freigebiger geworden und nehme Dinge nicht mehr einfach so hin. Und eins steht definitiv fest: Ich werde noch mindestens einmal nach Kenia reisen; nicht zuletzt, weil ich dort auch zwei Projekte gefunden habe, die ich gerne unterstützen möchte: den Bau eines kleinen Krankenhauses und einer Berufsschule, für die ich nun Spenden sammeln werde. Ich lernte die Gruppen bei einer meiner außer-organisatorischen Touren kennen und war begeistert von deren Engagement. Noch während meiner Zeit in Nairobi habe ich gedacht, dazu würde es nie kommen, doch als ich mehr von diesem wunderbaren Land kennenlernte, wurde ich infiziert – mit dem Kenia-Virus.