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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV mit SHIFOGA in Kwale

Name: Silvia O.

Name der Partnerorganisation: KVDA

Name und Ort des Projektes: Shimba Hills Forest Guides Association (SHIFOGA) in Kwale

Inhaltliche Ausrichtung:

A) Ökologie/ Erhaltung der Umwelt durch 1. Aufklärungsarbeit in Schulen, 2. Verschönerung des Naturpfades, 3. Mithilfe in der Baumschule, 4. Führungen durch den Naturpfad mit Touristen, 5. Übersetzungen ins Deutsche

B) Lehren der deutschen Sprache für die Tourguides, um Führungen durch den Naturpfad in deutscher Sprache zu fördern

Zeitpunkt: Ende Januar bis Ende März 2008

Dauer: 2 Monate

 

 

Beweggründe, warum ich an einem MTV teilgenommen habe gibt es einige.

Vor allem wollte ich im Laufe meines Studiums praktische Auslandserfahrung sammeln und meine Sprachkenntnisse verbessern. Fremde Länder und Kulturen haben mich schon immer interessiert. Da ich sehr begeisterungsfähig und aufgeschlossen für Herausforderungen bin, war es mein innerer Wunsch, das Leben anderer Menschen in mir vorher fremden Kulturen kennen zu lernen und einen interkulturellen Austausch der gegenseitigen Wissensvermittlung zu fördern. Durch Kommunikation und offene Gespräche wollte ich etwas über die prekären Situationen der Menschen vor Ort erfahren und ihnen im Gegenzug mitteilen, wie es hier bei uns in Deutschland aussieht. Vor allem umwelt- und entwicklungspolitische Zusammenhänge sowie einerseits die finanzielle als auch andererseits die praktische Umsetzung von Maßnahmen im jeweiligen Land wollte ich verstehen lernen und während meines MTV – Einsatzes dabei mitwirken, sie zu verwirklichen. Ich wollte den Menschen dazu vor allem durch eine Tätigkeit im Bereich des Umweltschutzes helfen, als auch durch Aufklärungsarbeit über ökologische Folgen und das Thema Nachhaltigkeit.

 

In meinem MTV Projekt habe ich in den ersten 4 Wochen mit einer Japanerin namens Chiaki zusammen gearbeitet, die dann fertig war und wieder in ihr Heimatland zurückgeflogen ist. Die letzten Wochen habe ich im Projekt als einzige „weiße“ Freiwillige mitgewirkt. Die Anzahl aller Mithelfer/Innen im Projekt schwankte täglich zwischen 4 und 8 Leuten, manche davon kamen täglich, d.h. zu viert waren wir immer, die anderen kamen oft und versuchten, sich Zeit zu nehmen und aufzutauchen, was nicht immer möglich war. Die Arbeit aller Beteiligten in diesem Projekt wurde ehrenamtlich durchgeführt.

 

Untergebracht war ich in der Gastfamilie des Projektgründers, der ca. 15 Minuten zu Fuß vom Projekt entfernt sein Lehmhaus stehen hatte. Das Haus befand sich etwas weiter weg vom Ortskern, so dass keine Elektrizität sowie Handyempfang vorhanden waren. Da ich mit der Japanerin zusammen in derselben Gastfamilie wohnte, bekam ich zunächst einen recht kleinen Raum, lediglich mit einer Matratze am Boden und einer Petroleumlampe für die Nacht zum Leuchten. Nach Abreise der Japanerin konnte ich in ihren Raum rüberwechseln, der größer und mit einem richtigen, allerdings quietschendem Bett ausgestattet war. Beide Räume waren für mich allerdings absolut in Ordnung, denn ich hatte mich auf solche Bedingungen gut vorbereitet. Die Gastfamilie habe ich sehr in mein Herz geschlossen, es sind sehr freundliche, umgängliche und zuvorkommende Menschen, mit denen ich mich sehr gut unterhalten und verständigen konnte. Sie haben mich wie eine Tochter aufgenommen und behandelt, Frühstück und Abendbrot wurden jeden Tag in ausreichender Menge für mich mit vorbereitet.

 

Die Arbeit im Projekt war sehr vielfältig, d.h. es gab eigentlich täglich wechselnde Aufgaben. So fielen immer zwischendurch Reinigungsarbeiten an, wie z.B. Säubern des Naturpfadweges für die Besucher, Unkraut jäten in der Baumschule sowie der öffentlichen Toilette sowie auch die Reinigung der Toilette. Ebenso schnitten wir manchmal die Wurzeln der Setzlinge in der Baumschule zurecht und verpflanzten die kleineren Setzlinge in größere Plastiktüten mit mehr Erde, um wieder mehr Platz für die Wurzeln zu schaffen.

Da das Projekt glücklicherweise über einen Computer verfügt, gab es auch damit verschiedene Aufgaben zu erledigen, wie z.B. Abtippen der Sitzungsprotokolle und Informationen über Tiere und Pflanzen im Naturpfad, Fotografieren und späteres Zuschneiden von Tier- und Pflanzenbildern, Layout von verschiedenen Textdokumenten bevor sie in den Druck und später zum Laminieren raus gingen etc. Als besonders hilfreich erwies sich dann auch meine Digitalkamera, da es im Projekt keine gibt. So konnten wir viele Bilder aus Büchern, Flyern und innerhalb des Naturpfades knipsen, die für spätere Dokumentationen Verwendung fanden.

Eine fast tägliche Arbeit für mich war das Lehren der deutschen Sprache, um den Tourguides zu helfen, eine Grundlage zu schaffen, so dass sie in Zukunft (nachdem hoffentlich noch einige deutsche Freiwillige mehr dort waren, um meine  Arbeit fortzusetzen) deutschen Touristen Führungen in deutscher Sprache anbieten können.

Weiterhin half ich im Schulbildungsprogramm mit und wir statteten mehreren Schulen mit den Projektfahrrädern (2 Stück, wobei beide grad nicht in guter Verfassung sind) einen Besuch ab, um uns ein Bild über die Situation vor Ort zu verschaffen. Wir stellten den Ist-Zustand jeder Schule fest und diskutierten mit den zuständigen Lehrern und auch z.T. Schülern über Möglichkeiten der nachhaltigen Verbesserung, wie z.B. Zäune um junge Bäume zu errichten zum Schutz vor den frei umher laufenden Ziegen; Abstände zwischen neuen Setzlingen um die Schule herum groß genug zu halten, damit sie sich beim Wachstum nicht gegenseitig behindern; Müllsammel- und Unkrautzupfaktionen, bei denen wir uns anboten mitzuhelfen bei Bedarf etc. Als Hauptprobleme stellten sich beinahe in jeder Schule heraus: 1. zu trockene Böden, um mehr Bäume anzubauen, 2. Wassermangel, da Wasserquelle zu weit weg oder kein Geld in Schule, um Wasser dafür zu beschaffen, 3. Mangel an Zäunen und 4. Mangel an Schülern sowie Lehrern und generell Helfern, die sich für Naturschutz einsetzen.

Eine andere Arbeit, die ich immer fortführte, wenn grad nicht viel zu tun war, ergab sich durch die Übersetzung der Informationen, die den Touristen normalerweise verbal von den Führern im Naturpfad auf Englisch erzählt werden. Da jedoch viele deutsche Touristen kaum englisch können, kam mir die Idee, einen Reader für sie zu entwerfen, wo sie alles, was sie nicht bei der Führung verstehen, in deutscher Sprache nachlesen können.

Weitere Eintages - Aktivitäten waren a. das Zementieren der Projekttoilette, b. der Besuch bei dem Schmetterlingszüchter, was sehr informativ war, denn er hat uns alles über die einzelnen Schmetterlingsentwicklungsstadien erklärt, c. die Naturpfadwanderung mit einem Experten, der uns alle wissenschaftlichen Namen der Pflanzen sagen konnte………

 

Der alltägliche Ablauf war im Projekt zwar immer ganz unterschiedlich, dennoch galt es pünktlich um 9 Uhr dort aufzutauchen (was einigen nicht immer gelang!) und bis um 16 Uhr zu arbeiten. In der Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr wurde immer hinter dem Projektbüro auf einer kleinen Feuerstelle Reis gekocht und dazu gab es Bohnen, jeden Tag. Diese Eintönigkeit lag daran, dass dieses Essen recht billig ist und viele Leute zufrieden stellen kann. Es war letztendlich etwas schwierig für mich, damit klar zu kommen, da Reis mit Bohnen ständig Sodbrennen bei mir ausgelöst hat, weshalb ich teilweise auf die Mittagsmahlzeit verzichtet habe.

Die Verständigung im Projekt lief sehr gut, wenn mal Wörter nicht verstanden wurden aufgrund der Sprachbarriere wurde auf Nachfragen dasselbe noch mal in anderen Worten ausgedrückt oder mit Händen und Füssen erklärt, wonach es dann klar war. Das kam aber recht selten vor, rückblickend betrachtet war die Verständigung zu 95% sehr gut und verlief problemlos.

Das Projektteam empfing mich offen, freundlich und voller Tatendrang und Neugier auf meine Ideen. Da der Vorsitzende jedoch immer als einziger den Überblick über die Arbeit hatte und manchmal vergaß uns alle irgendwie einzuspannen und dann auch mal weg war, um Wichtiges zu erledigen, war es oft notwendig, sich selbst zu überlegen, was nun ansteht und eigenständig ohne Anweisungen zu handeln. Damit kam ich sehr gut klar und ich konnte so meine eigenen Ideen fast komplett in das Projekt einbringen und auch umsetzen.

 

Mit der ijgd – Vorbereitung in den Seminaren vorher war ich sehr zufrieden und es wurden dort auf jeden Fall alle wichtigen Situationen und Probleme, die man erwarten konnte, angesprochen und durchdiskutiert. Es war für mich eher der umgekehrte Fall, dass viele Situationen, auf die ijgd vorbereitet hatte, gar nicht eintrafen. Von daher kann ich nur sagen: Weiter so!

 

Die Betreuung von Seiten der Partnerorganisation zeigte sich durch einen Besuch eines zuständigen Mitarbeiters, der sich nach meinem Wohlergehen erkundigte und sogar für 1 Nacht blieb. Da es keine Probleme gab, war nicht wirklich viel Diskussionsbedarf, ich werte das jedoch als gute Betreuung und es war völlig ausreichend für mich. Ebenso wurde ich persönlich zum Projekt begleitet und dort von meinem Ansprechpartner der Organisation vorgestellt und es wurden alle offenen Fragen im Vorhinein verbal geklärt um späteren Missverständnissen vorzubeugen.

 

Vor allem die Schulbesuche und die damit verbundene Weitergabe von Ideen und Vorschlägen zur besseren Umsetzung von Maßnahmen zur Umweltverbesserung gelten für mich als eine der wichtigsten und einflussreichsten Erfahrung, bei der ich meinen Einfluss tatsächlich merken konnte. Ebenso bewerte ich meine Lehrtätigkeit, mit der ich es letztendlich nach 2 Monaten geschafft habe, dem Projektteam ein gewisses Basiswissen der deutschen Sprache zu vermitteln. Genauso bedeutend war es für mich zu erkennen, wie sehr ich durch meine Computerkenntnisse bestimmte Programme verwenden und dem Projekt somit helfen konnte, eine Menge Geld einzusparen. Einen wirklich guten Dienst leistete dann auch meine Kamera, die das Projekt während meines Aufenthaltes um einige Schritte weiter gebracht hat, was mir klar aufzeigte, wie wichtig und auch richtig es war, dort zu sein.

 

Die Konsequenzen für mich und mein weiteres Leben hier, die sich durch die Teilnahme am MTV ergeben haben, sind verschiedener Art. Zunächst werde ich einen Vortrag über meine Projekttätigkeiten an meiner Universität halten und etwas Werbung machen, damit möglichst viele Leute Lust bekommen, ebenso als Freiwillige/r im Ausland mitzuarbeiten. Ich möchte außerdem versuchen, gemeinsam mit meiner Afrika AG an der Uni einen Diskussionsabend über Afrika zu gestalten mit einem bestimmten Thema (z.B. welche Vorurteile gibt es und wie können sie abgebaut werden?) o.ä. und dann eben dort auch oder in einer gesonderten Veranstaltung von meinen gesammelten Erfahrungen und Eindrücken berichten, insbesondere auch wie es mir beispielsweise während der Unruhen ging und wie ich diese Situation persönlich miterlebt habe. Das MTV hat mich sogar so geprägt, dass ich am Überlegen bin ggf. meine Diplomarbeit in Kenia zu schreiben, das werde ich die nächsten Wochen über in Erfahrung bringen.

 

Mein Leben hier nehme ich bedingt durch das MTV bewusster war und schätze es einfach viel mehr. Wir haben doch alles, nun habe ich den leibhaftigen Beweis: durchgehend Wasser in den Leitungen, sogar heiß und kalt einstellbar, Elektrizität rund um die Uhr, gute und gepflegte Schnellstraßen sowie ein gut organisiertes Eisenbahnnetz, jede Familie hat mindestens 1 Auto und auch der Ärmste in Deutschland hat mehr zum Leben als die Ärmsten in Afrika. Das Leben hier hat so viele Vorteile, vor allem das politische System, sei es im Gesundheitssektor oder die soziale Absicherung betreffend, ist deutlich fortschrittlicher als der vorrangig korruptions durchtränkte kenianische Staatsapparat. Ich überlege mir durch dieses gesteigerte Bewusstsein mittlerweile 3 mal, welche Klamotten ich wirklich brauche oder ob das Eis nun wirklich nötig ist zu essen. Ich denke oft an die Massen an armen Menschen Kenia´s zurück und fühle mich manchmal wirklich schlecht, dass wir hier alles haben und die dort haben nichts, wenn sie nicht zufällig aus reichem Elternhause stammen.

Traut euch auch, die Welt kennen zulernen,                   Eure Silvia Ohms