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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV mit MAXFACTA in Kayole, Nairobi

Name: Silvia Ohms

Name der Partnerorganisation: KVDA

Name und Ort des Projektes: Maximizing facts on HIV/AIDS (MAXFACTA) in Kayole, ein Vorort von Nairobi

Inhaltliche Ausrichtung:

Beratungsgespräche mit Jugendlichen, vergewaltigten Frauen und HIV-Opfern; Besuch von HIV-Opfern und vernachlässigten AIDS-Kranken, um im Haushalt zu helfen; Versorgung von HIV-Waisen Hilfestellung sowie Ermutigung, das Leben trotz Krankheit zu bewältigen; Einkommen beschaffende Aktivitäten, wie Schmuckherstellung und Verkaufsveranstaltungen

Zeitpunkt: Ende April bis Ende Juni 2008

Dauer: 2 Monate

 

Beweggründe, warum ich an einem MTV teilgenommen habe gibt es einige. Vor allem wollte ich im Laufe meines Studiums praktische Auslandserfahrung sammeln und meine Sprachkenntnisse verbessern. Fremde Länder und Kulturen haben mich schon immer interessiert. Da ich sehr begeisterungsfähig und aufgeschlossen für Herausforderungen bin, war es mein innerer Wunsch, das Leben anderer Menschen in mir vorher fremden Kulturen kennen zu lernen und einen interkulturellen Austausch durch gegenseitige Wissensvermittlung zu fördern. Durch Kommunikation und offene Gespräche wollte ich etwas über die prekären Situationen der Menschen vor Ort erfahren und ihnen im Gegenzug mitteilen, wie es hier bei uns in Deutschland aussieht. Vor allem entwicklungspolitische Zusammenhänge sowie einerseits die finanzielle als auch andererseits die praktische Umsetzung von Maßnahmen im jeweiligen Land wollte ich verstehen lernen und während meines MTV – Einsatzes dabei mitwirken, sie zu verwirklichen. Ich wollte den Menschen dazu vor allem durch eine Tätigkeit im Bereich des Umweltschutzes helfen, als auch durch Aufklärungsarbeit über ökologische Folgen und das Thema Nachhaltigkeit. Weiterhin sah ich Aufklärungsarbeit im Bereich HIV und AIDS als wichtig an und wollte, wenn möglich, ebenso dieses Thema mit den Menschen zusammen erörtern und ihnen helfen, mit der Krankheit besser umzugehen bzw. vorzubeugen und alle Übertragungswege, diese zu bekommen, zu vermeiden.

 

In diesem MTV Projekt habe ich vor allem mit dem Basiskern an Aktiven zusammengearbeitet, der aus 3 Frauen und mir bestand, von denen eine bereits nach 3 Wochen zu ihrem Mann nach Australien nachgezogen ist und wir dann insgesamt nur noch zu dritt waren. In der Mitte meiner Projektzeit kam noch eine andere KVDA Freiwillige aus Japan zu uns, allerdings nur für 2 Wochen und die gemeinsamen Aktivitäten mit ihr hielten sich begrenzt, da sie überwiegend krank war.

 

Die Unterbringung war in meinem Fall sehr speziell. Da ich einen kenianischen Freund habe, der nur 15 Gehminuten vom Projekt entfernt in einer netten Wohnung lebt, habe ich meine Organisation vor Ort gebeten, dass ich mich dort einquartieren darf, was letztlich auch mit ijgd in Ordnung ging.

 

Die Arbeit im MTV gestaltete sich als sehr vielfältig. So gab es immer was zu tun, auch wenn nicht wirklich etwas Besonderes anstand: Perlenschmuck herstellen. Das war eine meiner ersten Aufgaben und somit habe ich gelernt, eigene Ringe, Armbänder und Halsketten zu basteln.

 

Des Öfteren gab es im Internet etwas zu erledigen. Da das Projekt nicht über einen eigenen Computer verfügt, waren wir immer auf das Internetcafe angewiesen und waren gezwungen, eine Menge Projektgelder dort für die Nutzung auszugeben. Ich konnte aber alleine dadurch helfen, dass meine Tippgeschwindigkeit doch um einiges schneller ist, als die der Aktiven. Dadurch konnten wir z.B. Projekt-E-Mails um einiges zeit- und dadurch kosteneffizienter beantworten. Das Projekt hat eine eigene E-Mail-Adresse, die wir benutzt haben.

An einem Tag haben wir aus gesponserten Chemikalien selber Waschmittel hergestellt, so dass ich lernen konnte, wie so etwas funktioniert. Wir haben alles in gewisser Reihenfolge zusammengemischt und später roch das Endprodukt wirklich wie Flüssigreiniger aus dem Supermarkt. (Fotos zu detergent production)

An einem anderen Tag haben wir den Slum „Soweto“ besichtigt, der sich in unmittelbarer Nähe zum Projekt befindet. (Foto Soweto)

 

Eine weitere Eintagesaktivität war es, brennbare Materialien aus Holzkohleresten herzustellen, die draußen am Wegrand überall herumlagen. Nachdem wir einige Reste gesammelt hatten, mischten wir sie mit Wasser und etwas Sand, bis sie eine feste Konsistenz hatten und ließen sie 2 Tage an der Sonne trocknen. Danach konnten sie als Brennmaterial für Holzkohlekocher verwendet werden. Sie zeigten sich als genauso effektiv wie richtige Holzkohle, konnten aber kostenlos hergestellt werden, wodurch sich wiederum viel Geld einsparen lässt. (Fotos zurcharcoal production)

 

Des Weiteren hatte ich mit den aktiven Mitgliedern ausgemacht, mein eigenes Umweltprojekt zu gestalten und zu versuchen, ein eigenständiges Recyclingsystem in Kayole zu beginnen. Dazu stattete ich an einigen Tagen verschiedenen Recyclingfirmen einen Besuch ab, um herauszufinden, wie weit bereits Pläne und Strukturen in Nairobi vorhanden sind, damit ich das Rad nicht neu erfinden musste. Mir wurden verschiedene Informationsmaterialien zum Lesen mitgegeben und ich habe eine Führung in einer Firma bekommen, in der ich sehen konnte, wie aus alten Plastiktüten wieder Neue produziert wurden. Aus Zeitgründen konnte ich diesen Prozess leider nicht wie geplant fortführen und mit einzelnen Haushalten über das Müllproblem sprechen, um ein weiteres Bewusstsein für diesen wichtigen Lebensbereich zu schaffen. (die Menschen dort leben regelrecht im Müll!!!) (Foto Soweto)

 

Durchgehend kam es immer mal wieder vor, dass sich Besucher ankündigten, die an der Projektarbeit interessiert waren und entweder Geld oder Essen für die Hilfsbedürftigen spendeten. An einem Tag ist eine sich aus verschiedenen afrikanischen Ländervertretern zusammen setzende Gruppe aufgetaucht, der wir nach einer kurzen Vorstellungsrunde auf dem Dach einige selbst produzierte Filme über die HIV-Problematik und rechtlose Frauen gezeigt haben (Fotos visitor day) und später versuchten, unseren Schmuck zu verkaufen.

In den letzten Wochen haben wir zusammen mit einer Kirche und mit Unterstützung der Barcleys Bank einen Aktivitätstag geplant und organisiert, um für das Projekt Gelder zu akquirieren. Dort fanden dann Aktivitäten wie Auto waschen, Zuckerwatteverkauf, Hüpfburg für Kinder, Gesichtsbemalung für Kinder, Verkauf von Schmuck und anderen selbst produzierten Dingen, wie Waschmittel, Taschen etc. statt. (Foto zu activity day)

Der alltägliche Ablauf war im Projekt zwar immer ganz unterschiedlich, dennoch galt es meistens um 9 Uhr dort zu sein (wenn nicht gerade Aktivitäten in der Stadt geplant waren) und bis um 16 Uhr zu arbeiten. In der Mittagszeit gab es normalerweise Mittagessen, wenn im Projekt genug Geld vorhanden war, um für alle Aktiven etwas zu besorgen. Des Öfteren wurde Mais und Bohnen organisiert, an anderen Tagen gab es Brei oder Reis mit Bohnen, manchmal aber auch nichts und vom Morgen bis zum Abend musste ich ohne Essen auskommen, was dann aber auch in Ordnung war. Manchmal bin ich dann auch einfach los und hab für alle etwas Obst eingekauft, was nicht allzu teuer war.

 

Die Verständigung im Projekt lief sehr gut, wenn mal einzelne Wörter nicht verstanden wurden, was eher die Ausnahme war, wurde auf Nachfragen dasselbe noch mal in anderen Worten ausgedrückt. Rückblickend betrachtet war die Verständigung überwiegend sehr gut und verlief problemlos.

 

Das Projektteam empfing mich offen, freundlich und voller Tatendrang und Neugier auf meine Ideen. In verschiedenen brain stormings wurden meine eingebrachten Ideen sehr gewertschätzt und es wurde versucht, sie in das Projekt mit einzubauen. Da ich auch mein eigenes Recyclingprojekt hatte und somit eigene Interessen verfolgen durfte, war ich insgesamt wirklich sehr zufrieden mit meinem Projektaufenthalt.

Mit der ijgd – Vorbereitung in den Seminaren vorher war ich sehr zufrieden und es wurden dort auf jeden Fall alle wichtigen Situationen und Probleme, die man erwarten konnte, angesprochen und durchdiskutiert. Es war für mich eher der umgekehrte Fall, dass viele Situationen, auf die ijgd vorbereitet hatte, glücklicherweise gar nicht eintrafen. Von daher kann ich nur sagen: Weiter so!

 

Die Betreuung von Seiten der Partnerorganisation zeigte sich durch einen Besuch meines Ansprechpartners aus der Partnerorganisation, mit dem ich über Wünsche an das Projekt und Ideen diskutiert habe und der mir einige hilfreiche Tipps bezüglich der Recyclingfirmen geben konnte. Für mich war dieser eine Besuch völlig ausreichend, da es keinerlei Probleme gab. Eine weitere Betreuung durch E-Mails oder Telefonanrufe fand in diesem Sinne nicht statt, was für mich allerdings in Ordnung war.

 

Meine wichtigste Erfahrung in diesem Projekt war es vor allem, zu merken, wie wichtig und hilfreich meine Arbeit für das Projekt war. Ich konnte weiterhelfen durch meine Tippgeschwindigkeit beim E-Mail-Verkehr, ebenso konnte ich deutsche Stiftungen an-mailen und nachfragen, ob es noch Fördergelder für das Projekt gibt. Weiterhin  konnte ich mit der deutschen Botschaft in deutscher Sprache in Kontakt treten und hilfreiche links zu Förderanträgen, die dem Projekt weiterhelfen können, erhalten. Ebenfalls konnte ich einen Kontakt zu meiner Universität nach Deutschland aufbauen und die Herstellung bestimmter Perlanstecker veranlassen, die ich dann mit nach Deutschland nehmen konnte. Für mich handelt es sich vor allem dann um wichtige Erfahrungen, wenn ich selber sehen kann, dass meine Zeit dort einen Eindruck hinterlassen hat und ich wirklich helfen konnte.

 

Die Konsequenzen für mich und mein weiteres Leben hier, die sich durch die Teilnahme am MTV ergeben haben, sind verschiedener Art. Zunächst werde ich einen Vortrag über meine Projekttätigkeiten an meiner Universität halten und etwas Werbung machen, damit möglichst viele Leute Lust bekommen, ebenso als Freiwillige/r im Ausland mitzuarbeiten. Ich möchte außerdem versuchen, gemeinsam mit meiner Afrika AG an der Uni einen Diskussionsabend über Afrika zu gestalten mit einem bestimmten Thema (z.B. welche Vorurteile gibt es und wie können sie abgebaut werden?) o.ä. und dann eben dort auch oder in einer gesonderten Veranstaltung von meinen gesammelten Erfahrungen und Eindrücken berichten, insbesondere auch wie es mir beispielsweise während der Unruhen ging und wie ich diese Situation persönlich miterlebt habe. Das MTV hat mich sogar so geprägt, dass ich am Überlegen bin ggf. meine Diplomarbeit in Kenia zu schreiben, das werde ich die nächsten Wochen über in Erfahrung bringen.

 

Mein Leben hier nehme ich bedingt durch das MTV bewusster war und schätze es einfach viel mehr. Wir haben doch alles, nun habe ich den leibhaftigen Beweis: durchgehend Wasser in den Leitungen, sogar heiß und kalt einstellbar und die Toilettenspülung funktioniert überall einwandfrei, Elektrizität rund um die Uhr, gute und gepflegte Schnellstraßen sowie ein gut organisiertes Eisenbahnnetz, jede Familie hat mindestens 1 Auto und auch der Ärmste in Deutschland hat mehr zum Leben als die Ärmsten in Afrika. Das Leben hier hat so viele Vorteile, vor allem das politische System, sei es im Gesundheitssektor oder in der sozialen Absicherung, ist deutlich fortschrittlicher als der vorrangig „korruptions-durchtränkte“ kenianische Staatsapparat.

Ich überlege mir durch dieses gesteigerte Bewusstsein mittlerweile 3-mal, welche Klamotten ich wirklich brauche oder ob das Eis nun wirklich nötig ist zu essen. Ich denke oft an die Massen an armen Menschen in Kenia zurück und fühle mich manchmal wirklich schlecht, dass wir hier alles haben und die dort haben nichts, wenn sie nicht zufällig und glücklicherweise aus reichem Elternhause stammen.

 

Ich kann euch nur sagen: Traut euch auch, die Welt kennen zulernen, es bringt Euch weiter!                   

 

Eure Silvia Ohms