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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Kenia 2009

Ann– Kathrin G

KVDA

Kathuni youth Development Club nahe Machakos (1 Stunde südlich von Nairobi)

Organic farming, Feldarbeit, Konstruktion, Wassertankprojekt

September 2009 – Dezember 2009 (3 Monate)

Mit 16 Jahren begann mein Herz für Kenia zu schlagen. Ich kann nicht erklären warum; das Land und die Leute faszinierten mich einfach.

Als es dann endlich September wurde, stieg die Vorfreude aber auch die Angst auf das Unwissende. Unter anderem freute ich mich auf das ‚Helfen’ und auf den neuen Lebensstil, den ich in Afrika übernehmen würde.

Nach der Ankunft und der tollen Vorbereitungswoche, ging es dann in mein erstes Projekt: ‚Bible Baptist school’ in Kawangware. In dieser Schule sollte ich die erste Klasse unterrichten. Die Schule und die Klasse waren echt super jedoch brach ich nach einem Monat ab. Die Gründe für den Abbruch ergaben sich aus folgenden; Erstens war es für mich sehr schwierig, da die Schulkinder in der Schule (in der ich unterrichtete) geschlagen wurden, und ich davor nie mit ’so einer Gewalt’ konfrontiert worden bin. Zweitens hatte ich Probleme mit meiner Gastfamilie. Sie waren sehr behütend und wollten nicht, dass ich deren Grundstück verlasse oder an Wochenende Ausflüge machte. Ich konnte verstehen, dass sie Angst um mich hatten, da ich in einem Slum wohnte, jedoch waren die Restriktionen für mich sehr schwierig zu akzeptieren und mit meinem Bedürfnis nach individueller Freiheit und der Möglichkeit auch das Land zu erkunden nicht vereinbar. Auch fühlte ich mich mit meinem jüngeren Gastbruder unwohl, da dieser mir gegenüber aufdringliche Kommentare machte und ich nicht wusste wie ich damit umgehen sollte.

Ich wechselte zu einem Projekt namens: ‚Kathuni youth Development Club’ in Machakos nahe Nairobi. Um genauer zu sein, lebte ich in Kathuni. Kathuni ist ein Dorf mit ca. 100 Einwohnern und ist 18km von Machakos entfernt.

Auf meiner Reise von Nairobi nach Machakos, war ich fasziniert von der schönen Landschaft und den Tieren, die ich auf dem Wege sah (Giraffen, Zebras, Gnus). Als ich dann endlich nach 1 Stunde ‚ruckel- Fahrt’ durchgeschüttelt in Machakos stand, kam schon mein Gastvater mit einem anderen Freiwilligen aus Deutschland auf mich zu gerannt um mich zu begrüßen. Nach dieser sehr herzlichen Begrüßung fuhren wir weiter nach Kathuni. Diese Fahrt dauerte auch noch um die 30 Minuten. Danach mussten wir noch mein ganzes Gepäck eine halbe Stunde den Berg hoch tragen um zu dem Haus des Gastvaters zu gelangen. Als wir das Haus schnaufend und total erschöpft erreichten, gab es erst einmal essen (Ugali und squma wiki). Da ich das Essen schon von meiner ersten Familie kannte, war der Geschmack für mich nicht neu; aber dafür die Gastfreundschaft und die Interesse der Gastfamilie.

Das Haus an sich war total gemütlich aber leider sehr klein. So kam es dann auch, dass ich mir das Zimmer mit Max (einem anderen Freiwilligen aus Deutschland) teilen musste, was aber zum Glück kein Problem für uns Beide darstellte. Das Haus bestand aus einem Zimmer für den Gastvater, dann das Zimmer für Max und für mich und dann gab es noch einen etwas größeren Raum der als Wohnzimmer, Esszimmer und Aufenthaltsraum genutzt wurde. Gekocht wurde bei uns in einem anderen Haus (in einer Nische), geduscht in einem leerstehenden Haus und für den täglichen Bedarf hatten wir ein Plumsklo 100 m von unserem Haus entfernt. Nach dem Rundgang ging es dann auch gleich ins Bett, da das Dorf keine Elektrizität besitzt, meine Gastfamilie nur eine kleine Öllampe hat und es schon ab halb 7 richtig dunkel wurde.

Am nächsten Morgen ging es schon um 7 Uhr los. Aufstehen, sich frisch machen/ anziehen und Frühstücken. Unser Frühstück bestand aus Brot und Tee. Doch ab und zu bekamen wir sogar pan cakes oder Früchte wie Papaya oder Mango zum Frühstück, was natürlich super lecker schmeckte und einem viel Kraft für die nächsten Arbeitsstunden gab. Denn Kraft brauchte man in Kathuni. Max (der andere Freiwillige) und ich arbeiteten mit meinem Gastvater, Gastneffe und anderen Kindern auf dem Feld. Die Arbeit an sich, war für mich sehr neu, da ich noch nie davor irgendetwas mit Feldarbeit zu tun hatte. Deshalb stellte ich mich an meinem ersten Arbeitstag auch ziemlich dämlich an. Doch ich lernte schnell und hatte auch super geduldige und hilfsbereite Lehrer (Gastneffe, Max, Gastvater). So langsam fing es an richtig spaß zu machen, obwohl es schon sehr anstrengend war. Die Sonne und die Hitze trugen auch noch ihren Teil dazu und so kam es, dass ich schwitzend und schuftend auf einem Feld in Kathuni stand. Da die Sonne wirklich sehr heiß war und gnadenlos auf uns schien, konnten wir über den Vormittag nicht mehr arbeiten. Die Lage des Feldes (auf einem Berg ohne Bäume) machte die Situation auch nicht leichter. Somit konnten wir nur von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr Vormittags arbeiten. In der Zeit bearbeiteten wir die Felder mit einer Hacke, jäten Unkraut, haben Zäune mit Dornenbüschen gebaut, reparierten Wasserpipelines, haben Schutzdämme gebaut und Brunnen, pflanzten neue Bäume, Sonnenblumen, Mais, Squma wiki, Wassermelonen, Papaya, Mangos, Kürbisse, Bohnen, Spinat,….

Es war wirklich eine sinnvolle Arbeit aber auch, wie schon erwähnt ziemlich anstrengend. Zum Bauen der Brunnen und Schutzdämme mussten wir zum Beispiel 30cm lange und 30cm dicke Steine schleppen. Für die Zäune mussten wir Dornenäste den Berg hoch tragen und für das Anpflanzen mussten wir in den lehmartigen steinigen Boden Löcher buddeln. Doch die schwere Arbeit war es Wert. Es dauerte zwar ziemlich lange, bis man die Früchte und das Gemüse ernten konnte, aber bevor ich das Projekt verließ, konnte ich noch mein eigens angebautes Squama wiki mit Spinat essen. Was natürlich viel besser schmeckte als das Gekaufte. Des Weiteren nahm ich bei dem Wassertankprojekt teil, welches Max mit meinem Gastvater ins Leben gerufen hatte. Mit ihm, dem Gastvater und mit der Gemeinde wollten wir 20 Wassertanks für 20 Familien bauen; um dem Dorf bei ausfallenden Regenzeiten, Wasser zu sichern.

Nachmittags beschäftigten wir uns mit diesem Projekt, gingen die Gegend erkunden, unterhielten uns mit der Dorfgemeinde oder tanzten mit unserem Gastneffen und mit unserer Gastoma um die Wette. Es war echt total schön, vor allem weil fast alle Kinder und Frauen mittlere Alters Englisch sprachen und wir uns somit mit ihnen ausreichend verständigen konnten. Bei der älteren Gesellschaft wurde es dann schwierig bis ganz unmöglich und somit fing ich dann auch an Kamba zu lernen um mich mit meiner Gastoma besser austauschen zu können.

Ich fühlte mich ziemlich wohl und gut behütet von meinem Projekt und von meiner Gastfamilie. Für jedes kleine Problem fand ich ein offenes Ohr und Hilfe, was ich jedoch von meiner Kenianischen Organisation vermisst habe. Zwar war mir das nicht so wichtig, da es mir an nichts mangelte, trotzdem hätte ich mehr Einsatz und Interesse an ihren ‚Schützlingen’ erwartet. Vor allem hätte ich mehr Verständnis für meinen ersten Projektabbruch erwartet. Seitens KVDA gab es meines Empfindens nach zu wenig Unterstützung für den Wechsel und nur durch 5tägige ‚Verhandlungen’ und Kontakten zu einer deutschen Freiwilligen, die derzeit bei KVDA im Büro tätig ist, konnte ich wechseln. Der Direktor von KVDA ist zwar für ein Treffen zwischen mir, dem Gastvater und KVDA gekommen, jedoch hatte ich hier das Gefühl, dass meine Position nicht ausreichend nachvollzogen werden konnte. Des Weiteren blieben die monatlichen Telefonate aus, die sie uns in der ersten Woche versprachen, damit sie immer wissen wie es uns geht und was für Probleme wir haben. Auch kam das Essensgeld für meine zweite Familie nicht immer pünktlich und ich musste KVDA darauf hinweisen, ihrem Versäumnis nachzukommen.

Die Erfahrungen die ich in Kenia gemacht habe, will ich nicht missen. Es waren schöne aber auch aufregende Erlebnisse, die mich gestärkt haben und mir gezeigt haben, dass das Leben auch anderst sein kann.

Auch aus Enttäuschungen, negativen Erlebnissen und teilweiser Hilflosigkeit habe ich mich selbst und meine Interessen näher kennen gelernt. Durch Afrika wurde mir klar, dass es Menschen auf der Welt gibt die auf Hilfe angewiesen sind. Die Einen mehr, die Anderen weniger. Um Menschen in Notsituationen zu unterstützen, werde ich mir, in naher Zukunft, meinen Traumberuf im sozialen Bereich ermöglichen.

Ja, Kenia war und wird auch in meinem Herzen weiterleben und eines Tages werde ich zurückkehren. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meiner Gastfamilie und dem Land Kenia.

Karibu!

     „Eines Tages wird mein Traum wieder Wirklichkeit sein..."