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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Kenia 2011

Ina S

CIVS

Emining/Kenia

Ökologie

Februar bis Juni 2011

5 Monate

 

Nach Afrika getrieben haben mich ein grundständiges Interesse an afrikanischen Kulturen und Mentalitäten, aber auch der Wunsch, einem im Vergleich zu Deutschland wirtschaftlich schlechter gestellten Land zumindest ein kleines bisschen von meinem „Reichtum“ abzugeben, indem ich meine Arbeitskraft zur Verfügung stelle. Außerdem habe ich gehofft, besser zu verstehen, mit welchen Problemen sich „Staaten im Aufbruch“ konfrontiert sehen, die Potential haben, dieses jedoch noch nicht ausreichend nutzen. Dass ich schließlich in Kenia gelandet bin, lag hauptsächlich daran, dass ich in eine ökologische Einsatzstelle wollte, um auch meine eigene Berufswahl hier in Deutschland zu überdenken. Und so kam ich zur Small Scale Farmers’ Group nach Emining im recht trockenen und heißen Rift Valley.

In meiner Gastfamilie habe ich in einem traditionell gebauten mudhouse ein eigenes Zimmer bekommen, das mit einem Bett, einem Tisch und zwei Stühlen ausgestattet war. Die Tür konnte man nur mittels eines Nagels verriegeln und zwischen dem Wellblechdach und der Mauer war ein breiter Spalt, sodass ich mich anfangs wie beim Camping gefühlt habe – aber auch die kleinsten Kinder der Familie haben meinen Raum als „meinen“ respektiert. Meine Familie besaß einen Wassertank, sodass ich kein Wasser tragen musste, aber Strom gab es nur sehr wenig über eine Solarzelle – und nur für den Fernseher. Mein Handy bin ich also im Dorfzentrum aufladen gegangen. Emining ist ein klein erscheinendes, aber gar nicht so kleines Dorf, die nächste größere Stadt mit großen Supermärkten, Museen und Internetcafés - Nakuru - ist ab der Bushaltestelle von Emining eine Stunde entfernt. Der provinzhafte Eindruck entsteht v.a. dadurch, dass das Dorf sehr zersiedelt ist. Von meiner Gastfamilie zum Dorfkern (mit Geschäften und der Möglichkeit, nachmittags Tee oder Limo zu trinken) musste ich eine Dreiviertelstunde laufen, teils über eine felsige, ungeteerte Straße. Die einzige andere Freiwillige in Emining war in einer Gastfamilie untergebracht, die 25 Minuten entfernt von meiner wohnte, und angesichts der täglich anfallenden Aufgaben am Nachmittag (Wäsche waschen, Duschen und Schuhe putzen, VOR Einbruch der Dunkelheit gegen 18.30h) war es uns nicht allzu oft möglich, uns außerhalb der Arbeit zu treffen. Nach Einbruch der Dunkelheit gab es in meiner Gastfamilie kaum noch Licht, und also keine Möglichkeit, die nachmittäglichen Dinge abends zu erledigen – und als Frau verlässt man dann in Emining  das Haus nicht mehr. Obwohl ich keine Angst gehabt hätte, habe ich mich an die Regel, abends nicht auszugehen, gehalten, weil meine Gastfamilie ein Abweichen unmöglich gefunden hätte – außerdem wollte ich den vielen Kindern in der Familie kein schlechtes Vorbild sein, und der Weg ins Dorf war auch wirklich weit und unbeleuchtet.

So kam es, dass ich den Großteil meiner Freizeit mit den zahlreichen Mitgliedern meiner Gastfamilie verbracht habe. Dies waren meine 8 Gastgeschwister im Alter von 0 – 18 Jahren, von denen die vier Älteren nur am Wochenende aus dem Internat kamen, das Hausmädchen und der Feldarbeiter und meine reizenden Gasteltern. Meine Gastmutter war mit zwei Kindern unter 3 Jahren zu Hause und nur selten z.B. zum Feuerholzholen weg. Mit ihr habe ich meist den späten Nachmittag und Abend verbracht. Wir haben uns unterhalten, Essen gekocht, gegessen und ferngesehen, manchmal, gegen Ende des Aufenthalts, habe ich noch absolut freiwillig bei kleineren Arbeiten auf dem Hof mitgeholfen. Meinen vielbeschäftigten Gastvater habe ich eher nur abends und am Wochenende gesehen, aber auch er hat sich immer wieder Zeit für lange interessante Gespräche mit mir genommen. Ich war die erste Freiwillige, die diese Familie aufgenommen hat, und so wussten sie ein paar Dinge nicht, wie z.B. dass ich nicht einfach so ihr Wasser trinken kann. Allerdings ließ die Familie in allem mit sich reden. Und ich bin dankbar, dass alle sich sehr bemüht haben, mit mir Englisch zu reden, was auch gut geklappt hat. Ein bisschen Kiswahili und Kalenjin habe ich aber auch gelernt, und mit der ein oder anderen älteren Nachbarin habe ich mich auch mit Händen und Füßen, meinen Kiswahili-Brocken und viel Lachen unterhalten.

Die Arbeit in der Farmers Group war in meinem Fall recht gut organisiert, was anscheinend eine Neuerung gegenüber früher war: Der Arbeitstag begann um 9 Uhr und endete zwischen 12 und 14.30 Uhr, Mittagessen gab es danach. Je nach Witterung habe ich zwischen 1 und 3 Mal die Woche in der Baumschule gearbeitet und dort hauptsächlich die Pflanzen bewässert und sie nach Qualität sortiert – dort war ich dann meistens alleine, was ein bisschen schade war, denn einige Arbeiten fielen mir auf, die angestanden hätten, die aber eine Person allein nicht verrichten kann, wie z.B. die Sonnensegel für die Setzlinge zu reparieren. Obwohl ich dieses Problem zur Sprache gebracht habe, habe ich dort nur eher selten mit einem Mitglied der Gruppe gearbeitet und z.B. Wasser aus dem Fluss in einen Tank gepumpt, eine Mauer gebaut, und einmal waren einige Mitglieder anwesend und wir haben gemeinsam das Gewächshaus bepflanzt. Die Tage, die ich nicht in der Baumschule war, ging ich zu verschiedenen Bauernhöfen und habe beim Tagesgeschäft mitgearbeitet. So habe ich fast alle Höfe und damit Mitglieder der Gruppe, und verschiedene Herangehensweisen an die Landwirtschaft kennengelernt und auch darüber diskutieren können, von ökologisch bis intensiv. Ich war 5 Monate im MTV und habe einen Monat davon nicht in Emining, sondern in einem Workcamp verbracht. Obwohl es mir in Emining gut gefallen hat, würde ich doch diese Dauer als die maximale ansetzen, da die Arbeit gegen Ende etwas eintönig wurde und Emining nun nicht der Ort ist, um auszugehen, Party zu machen – kurz, ein „junges“ Leben zu führen. Das wurde mir bei jedem Besuch in Nairobi wieder bewusst.

Da ich Lehramt studiert habe, hat mir die Farmers Group ermöglicht, ein paar Mal an die örtliche High School und die Grundschule zu gehen, die Lehrer kennenzulernen und Fragestunden über Deutschland mit den Schulkindern zu veranstalten. Diese Erlebnisse waren, denke ich, für beide Seiten sehr bereichernd und überraschend. 

Natürlich habe ich einige klischeehafte kulturelle Unterschiede zwischen Kenia und Deutschland bemerkt, wie den Umgang mit Pünktlichkeit oder Ordnung; ich habe aber auch weniger Offensichtliches erfahren und z.B. mit Erstaunen festgestellt, wie herzlich und großzügig Kenianer sind, obwohl sie doch so wenig besitzen und angesichts des Betrugs der Politiker an den Menschen viel frustrierter sein müssten. Von meiner Gastfamilie habe ich mich aufs herzlichste aufgenommen gefühlt. Das hatte ich so nicht erwartet und es hat mich berührt. Diese Menschenfreundlichkeit und Großzügigkeit hat mich tief beeindruckt und meinen Blick auf das Leben verändert. Ich werde sie mir zum Vorbild nehmen.

Mit den Mitarbeitern von CIVS in Nairobi, die alle recht jung sind, hatte ich ein gutes, aber nicht besonders enges Verhältnis. Sie haben alle bereitwillig ihre Handynummern verteilt und hatten immer ein offenes Ohr, wenn es Probleme gab. Allerdings wurde ich nicht von CIVS angerufen und gefragt, wie es mir ginge – was sie angekündigt hatten. Auch gab es leider Schwierigkeiten mit der pünktlichen Bezahlung meiner Gastfamilie, so habe entweder ich oder mein Gastvater ab dem zweiten Monat jeweils telefonisch nachhaken müssen, bevor das Geld überwiesen wurde. Auch schien meine Gastfamilie nicht klar darüber informiert worden zu sein, dass ihr monatlich ein fester Betrag zusteht – die Informationspolitik von CIVS ließ also etwas zu wünschen übrig... Die Abholung vom Flughafen, die Reise in die Einsatzstelle und eine Safari, die ich über CIVS gebucht habe, verliefen allerdings reibungslos.