MTV in Kenia 2011
Magdalena H
CIVS/MLTV/19/2011 Tunza Children’s Home in Kibiko, nahe Ngong Town im Hinterland von Nairobi, Kenia
Waisenhaus: v. a. Teaching
Juni-Juli 2011
2 Monate
Nach dem Abitur wollte ich nicht nur einfach so herumhängen, sondern etwas Sinnvolles tun und Afrika war ein Land, das ich schon immer einmal bereisen wollte. Also beschloss ich einen Freiwilligendienst in Kenia abzuleisten.
Nach einem Vorbereitunsseminar, das von der ijgd durchgeführt wurde und sich im Nachhinein als sehr nützlich erwies, da die unterschiedlichsten Situationen, wie z. B. mögliche Sichten der Einwohner des Gastlandes auf Weiße angesprochen wurden, durchschritt ich dann Anfang Juni mit einer Mischung aus Vorfreude, Neugier, Aufgeregtheit und Angst die Sicherheitskontrolle am Flughafen. Nach einigen Stunden war es dann so weit und ich kam in Nairobi an, wo mich zu meiner Freude ein Fahrer der Organisation abholte. Ich hatte mich nämlich schon auf den schlimmsten Fall vorbereitet, dass ich verloren am Flughafen stehe und alleine mit einem 18 Kilogramm schweren Backpack auf den Schultern den Weg zur Organisation finden mus.
Zunächst warteten auf mich zusammen mit sechs anderen Freiwilligen ein dreitägiges Vorbereitungsseminar im Hostel von CIVS, in dem wir auch untergebracht wurden. Dieses war nicht besonders informativ, da es sich um zum Teil aus Wikipedia vorgelesene Artikel handelte, die keinen persönlichen Bezug zu Kenia herstellten. Dennoch gestaltete sich das Vorbereitungsseminar als durchaus sinnvoll, da man andere Freiwillige kennenlernte, mit denen man Kontaktdaten austauschen konnte, um sich während des Freiwilligendiensts zu verabreden.
Ich wurde dann gegen einen Aufpreis zu meiner Einsatzstelle, dem Tunza Children’s Home in Kibiko gebracht, das ca. 130 Kindern im Alter von 1-17 Jahren ein Zuhause gibt. Tunza war nicht nur meine Arbeitsstelle, sondern auch meine Unterkunft für die Dauer meines Freiwilligendiensts. Ich bekam ein kleines Zimmer zugeteilt, in dem außer einem Bett noch ein kleines Tischchen und ein Stuhl stand und 20 Liter Kanister, die ich mit Wasser füllen konnte, um mich morgens zu duschen oder die Wäsche zu waschen. Zusätzlich zu meinem Schlafzimmer gab es im Eingansbereich eine kleine Nasszelle mit Toilette, in der ich in den nächsten zwei Monaten mehr oder weniger erfolgreich versuchte mich sauber zu halten, was sich mit Eimern und Schüsseln gerade in der Anfangszeit sehr schwierig gestaltete. Die ersten Tage fühlte ich mich etwas verloren, da es keine/n Freiwilligen außer mir gab und Tunza so abgeschnitten lag, dass man sogar ein Motorbike nach Ngong nehmen musste, um einige Lebensmittel und Trinkwasser zu kaufen, doch dank der Waisenkinder dauerte die Eingewöhnungsphase nur sehr kurz an.
Auch die Tatsache, dass in Tunza nur sehr wenige MitarbeiterInnnen aus der lokalen Bevölkerung angestellt sind und es mit 130 Kindern immer etwas zu tun gibt, hielt mich derart auf Trab, dass ich mich schnell eingliedern konnte und keine Langeweile aufkam. So unterrichtete ich morgens Kinder im Alter von 5-6 Jahren in der Pre-Unit Class von 8 Uhr bis 12 Uhr mittags in den Fächern Englisch, Mathematik, Sozialkunde und Science, half bei den Essensausgaben mit und betreute die älteren Kindern aus der Primary und Secondary School abends zwischen 19-22 Uhr bei ihren Hausaufgaben, besonders diese Zeit schätzte ich sehr, da sie mir ermöglichte auch eine persönliche Bindung zu den Älteren aufzubauen, die sich ja tagsüber nicht im Waisenhaus aufhielten. Die Verwalterin Tunzas erlaubte mir, mir meine Tätigkeitsfelder selbst auszusuchen und mir meinen Tag selbst zu gestalten, so dass ich nachmittags entweder mit den jüngeren Kindern spielte, meine Wäsche wusch oder eine kleine Pause einlegte, um abends für die Hausaufgabenbetreuung fit zu sein.
Manchmal bedauerte ich es wirklich aufgrund der Aufgabenfülle ohne weitere Freiwillige im Projekt gelandet zu sein, aber Im Juli kam Abhilfe: Nach und nach trafen weitere Freiwillige aus Kanada und Österreich im Projekt ein und wir waren schlussendlich dann insgesamt zu fünft, was sich gemessen an den Arbeitsfelder, jedoch dann als zu viel herausstellte. Jaja manchmal weiß ich halt nicht so recht was ich will...
Ich nahm dann ein ausstehendes Angebot in der Primary School an, um die fünfte und siebte Klasse in den Fächern Englisch, Mathematik und Sport zu unterrichten. Hier wurde ich herzlichst von meinen neuen SchülernInnen mit Applaus begrüßt und zugleich bot mir die Primary School eine gelungene Abwechslung und auch die Möglichkeit mehr mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten, da ich mich mit meinen neuen KollegenInnnen austauschen konnte und mich außerdem nun viele Leute einfach so auf der Straße ansprachen, um sich nach mir zu erkundigen. Besonders die Primary School vermittelte mir ein Gefühl wirklich dazuzugehören, was in Tunza seitens der Angestellten im Waisenhaus und durch die Gründerin Mama Tunza leider nicht geschah, da sie sich fast ausschließlich in Kiswahili verständigten und auch nach der Bitte um eine Übersetzung nicht bereit waren mit mir zu kommunizieren.
Im Projekt selbst kam es zu Problemen mit dem Essen und auch mit der Unterkunft, da es siebenmal in der Woche das Gleiche gab, das zu unserem Leidwesen nur aus Kohlenhydraten ohne jegliche Art von Vitaminen bestand und uns auch kein Trinkwasser zur Verfügung gestellt wurde. Mit der Unterkunft an sich war ich ja sehr zufrieden, aber nur solange wie sich die Ratten, die im Dach genau über den Zimmern der Freiwilligen hausten, nicht meldeten. Zum Glück war auf CIVS verlass, die man jederzeit telefonisch kontaktieren konnte und die zumindest die Probleme mit dem Essen lösen konnte.
Während meines Freiwilligendiensts habe ich gelernt, dass es nicht schlecht ist Problemen gelassener gegenüber zu treten, aber auch Entwicklungsarbeit kritischer zu hinterfragen. Da es nicht Sinn und Zweck dieser sein kann nur Geld in Projekte zu stecken ohne den Verwendungszweck zu überprüfen.
Mein MTV gehört zu einer der schönsten, wenn nicht der schönsten Erfahrung/-en, die ich bisher erleben durfte und wird immer einen Platz in meinem Herzen und Gedächtnis einnehmen, da sie mir gezeigt hat, dass man auch in anderen bzw. schlechteren Lebensbedingungen sehr gut zurecht kommen kann und dass ich mir ruhig mehr zutrauen darf, da ich die ein oder andere Situation - zu meinem persönlichen Erstaunen ganz gut gemeistert habe. Also allen, die nun meinen Bericht bis zum Schluss gelesen haben, kann ich einen Freiwilligendienst nur empfehlen: Ihr könnt nur gewinnen und über euch selbst hinauswachsen!





