Workcamp in Marokko
Name: Sophia-Helena Zwaka
Name der Partnerorganisation und Ort: CSM, Marokko
Tätigkeitsfeld: Teaching French (Rabat)
Zeitraum: 05.07-05.08.2008
Dauer: 4 Wochen
Workcamp Marokko
Mein letzter Tag in Berlin, oder eher meine letzten 20 Minuten am Berliner Flughafen bevor mein Flieger nach Rabat, Marokko abhebt.
Mir schießen alle möglichen und unmöglichen Gedanken durch den Kopf. Wird mich jemand abholen kommen, wird meine Gastfamilie nett sein und wie und was soll ich unterrichten?
Im Flieger versuche ich mich verzweifelt auf Marokko vorzubereiten; pauke noch Arabischvokabeln und versuche mich an dem tiefgekühlten pseudomarokkanischen Fliegermenü.
Der dreistündige Aufenthalt in Paris trägt nicht grade zu meiner Beruhigung bei. Ich gehe noch mal die Verhaltensregeln der ijgd durch: 'Kein Essen ablehnen, nicht mit der linken Hand essen und - nichts ist so wie es scheint.'
Schließlich zwinge ich mich dazu jeden Gedanken über Marokko, oder den kommenden Monat aus meinem Hirn zu verbannen und trinke mehr oder weniger gelassen meinen Kaffee aus.
Endlich bin ich in Rabat angekommen. Der Flughafen ist wirklich winzig. So kommt es, dass ich innerhalb von 10 Minuten mein Geld getauscht und die Taxis ausfindig gemacht habe. Leider hatte mir CSM eine ungefähre Preisvorgabe für die Taxifahrt zum Treffpunkt geschickt, so dass ich, nachdem die Taxifahrer meinen Preisvorschlag gehört hatten, mehr oder weniger alleine da stand.
Letztendlich komme ich doch noch zum Treffpunkt, und um mein Geld. Wie verabredet holt mich Izzat (von CSM) ab und bringt mich zum Büro der Organisation. Dort sitze ich also mit zwei Mädchen (einer Deutschen und einer Holländerin) und warte darauf jemandem zugewiesen zu werden. Ich mache den Fehler nachzufragen. Es bringt nichts. Man bekommt keine Antwort. Das einzige Intelligente ist: Abwarten und heißen Minztee trinken.
Auf jeden Fall bin ich erstmal erleichtert. Die Marokkaner-ausschließlich Männer- sehen nicht aus wie Usama Bin Laden und sind ziemlich lustig. Die beiden Mädchen sind supernett, so dass sich die Stunden dort ohne Probleme totschlagen lassen.
Langsam kommen wir dahinter, dass wir jetzt endlich jemandem zugewiesen wurden. Wir drei machen uns mit unseren Gastbrüdern langsam auf den Weg. Der Rest der Marokkaner wartet auf den Rest der Neuankömmlinge. Auf dem Weg übertrumpfen Carina und ich uns mit unseren Befürchtungen: Wie wird die Gastfamilie sein, die Schule, die Schüler, die Toiletten? Beide haben wir von Zuhause marokkanische Gruselgeschichten mitgenommen. Glücklicherweise ist alles nur halb so schlimm. Die Familie ist nett, die Schüler, wie ich später mitbekomme, meistens auch und ich habe sogar mein eigenes Zimmer. Bevor der harte Lehreralltag anfängt haben wir aber erstmal drei Tage frei.
In den drei Tagen lernen wir die CSMler, Rabat und die anderen Workcampler kennen. Wir unternehmen jeden Tag etwas und behalten das auch nach Schulanfang bei. Vier Wochen lang haben wir nach dem Unterricht Programm und verreisen jedes Wochenende. So kommt es, dass die Gruppe zusammen und Marokko uns ans Herz wächst.
Natürlich war nicht alles immer super. Nach zwei Wochen fiel mir das Unterrichten immer schwerer. Ohne Unterlagen und Arbeitsmaterialien blieben mir bald die Ideen aus und ich erquengelte mir schließlich ein Buch von einem der Marokkaner, so dass ich wenigstens etwas zur Hand hatte. Außerdem gab es auch kleine Probleme, weil, auch wenn sie superfreundlich und lustig waren, der Großteil der Marokkaner die Europäerinnen als 'willig' wahrnehmen. 'Cultural Sexperience' zum Beispiel ist ein Running Gag unter ihnen. Folglich wechselt ein Mädchen, das sich in ihrem Haus unwohl fühlt in der ersten Woche die Gastfamilie. Aber auch sie hat beim Abschied Tränen in den Augen.
Wir sind zu einer Familie zusammengewachsen, die sich manchmal nervte, manchmal stritt, aber umso öfter lachte und sich gut verstand.
Ich habe Leute aus Italien, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Japan, Marokko, Serbien, der Slowakei, den Niederlanden und Spanien kennen gelernt. Es gab Unterschiede zwischen uns, natürlich, aber die waren meist so gering, dass sie einer Freundschaft überhaupt nicht im Weg standen.
Das Workcamp hat, auch wenn ich es manchmal verflucht habe, Spaß gemacht und ich habe neues Selbstvertrauen gewonnen. Sich einem neuen Land, neuen Leuten und zwei Klassen von 30 11- 18 Jahre alten marokkanischen Schülern zu stellen erfordert Mut und den habe ich glücklicherweise gehabt. Denn sonst wären mir neue Erfahrungen und Freunde entgangen.

