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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

"Proyecto de Verano" in Mexiko

Partnerorganisation :  SEDEPAC
Projekt :   „Proyecto de verano “ in Puebla, México 
Inhalt :   Interkultureller Austausch und Konstruktion von ökologischen Herden, Kräuterbeeten, dem Dach der Dorfkirche
Zeitraum:  1. Juli – 18. August 2007


Arriba Kuwikchuchut !

Wie es so vielen geht hatte ich zwischen Zivildienst und dem Anfang des Studiums noch einige Monate Freiraum und wollte diesen sinnvoll nutzen. Klar war nur, dass ich eine anderes Land kennen lernen wollte und dass ich das Leben unter einfacheren Bedingungen als hier in Deutschland kennen lernen wollte.
Nachdem ich im Internet auf IJGD gestoßen bin und mich zum Vorbereitungsseminar angemeldet habe ergab sich der Rest von selbst.
So stand ich also Mitte Juni vor dem Flughafen der größten Stadt der Welt – Mexiko City –  in Smog und Verkehrschaos und wusste nichts von alldem was es in diesem wunderschönen Land zu entdecken gibt.
Zunächst habe ich zwei Wochen an einer Sprachschule in Cuernavaca verbracht, da ich praktisch keine Spanischkenntnisse hatte .
Das Camp begann dann am 1. Juli mit der Busreise nach Puebla, wo das Camp stattfinden sollte.
Nach der siebenstündigen Busfahrt auf der ich schon denen einen oder anderen Campteilnehmer kennen gelernt habe, konnte ich bereits das wunderschöne, durch und durch grüne, nördliche Gebirge des Bundesstaates Puebla von den gewundenen Gebirgsstraßen aus bewundern.
In einem kleinen viertausend Seelen Dorf namens Zapotitlan de Mendez kam die gesamte Gruppe zum ersten mal zusammen.
Die circa fünfigköpfgige Gruppe von Jugendlichen bestand  aus  Amerikanern (USA),  Mexikanern, einigen Peruanern und Puertoricanern, sowie einer Inderin, einem Engländer und mir. Wie das so meistens der Fall ist wurde auch im „proyecto der verano“ die Gruppe von Frauen dominiert.
Wir verbrachten vier Tage zusammen in Zapotilan, an denen wir im Workshopmarathon, wie man sie von den Vorbereitungsseminaren von ijgd kennt, auf das bevorstehende Projekt vorbereitet wurden. Durch meine damals sehr bescheidenen Spanischkenntenisse habe ich bestenfalls die Hälfte verstanden, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern war ich durch Ijgd schon in Deutschland  gut vorbereitet worden.


Am Abend des fünftenTages wurden wir vom Organisationsteam in Gruppen eingeteilt und am nächsten Morgen haben sich die fünf Gruppen zu den einzelnen Dörfern, quer im Gebirge verstreut, aufgemacht.
Jeden Gruppe bestand aus zwei Leitern, selbst freiwillige mit mehr Erfahrung auf dem Gebiet, und acht Teilnehmern.


Nach der vierstündigen holprigen Busfahrt in den manchmal „chicken busses“ genannten Vehinkeln, in denen ununterbrochen Musik lief, welche Stark an deutsche Volksmusik erinnert und deren ursprünge auch daher kommen, kamen wir in Kuwikchuchut an.
Wir wurden an der Kirche von der versammelten Dorfgemeinschaft empfangen. Nachdem zunächst alle ein wenig ratlos und schüchtern dastanden  begann eine Gruppe der unglaublich kleinen und  stämmingen Frauen in einer Prozession an uns vorbei zu marschieren und uns Blumenketten als Willkommensgruß zu überreichen.

Kuwikchuchut ist Totonacu und bedeutet „Hügel mit Wasser“ , das trifft es eigentlich ganz gut.
Es ist dort sehr warm, aber es regnet auch so gut wie jeden Abend für einige Stunden. In unserem Sinne kann man nicht von einem Dorf sprechen, es handelt sich dabei um 120 Häuser die quer über den Berg verteilt im Wald liegen und einen zentralen Platz mit einem kleinen Laden als Treffpunkt. Die Einwohner stammen von dem Volk der Totonaken ab, sehen sich auch heute noch als „Totonacu“ und die gleichnamige Sprache ist auch die Dorfsprache. Spanisch lernen die Kinder erst  in der Schule und viele ältere Menschen sprechen  kaum oder gar nicht Spanisch.
Naja machte ja nichts, da ich zu anfangs sowieso kaum Spanisch sprach und im Kommunizieren „mit Händen und Füßen“ geübt war.

Wir verbrachten zunächst drei Tage in Kuwikchuchut, um das Dorf kennen zu lernen.
Jeder wurde in einer Gastfamilie untergebracht, mit der wir drei ganze Tage Leben sollten.
„Drei Tage“ - das hört sich wenig an, es war allerdings das intensivste Erlebnis meines ganzen Aufenthaltes in Mexiko. Ich konnte mich mit niemandem in der siebenköpfigen Familie Bernabe richtig verständigen und so habe ich ihnen einfach bei der täglichen Arbeit geholfen. Alles war sehr befremdlich anfangs.
Es liefen ständig Hühner, Küken, Katzen, Hunde oder Welpen im Haus zwischen meinen Beinen umher und die Küken waren der Meinung, dass meine Zehen genauso aussehen wie ihr Futter und haben ständig versucht mich zu essen.
Die Menschen sind sehr schüchtern und so wurde ich zunächst nur neugierig beobachtet.
Gerade angekommen habe ich nach einer Beschäftigung gesucht und dann den Frauen beim schälen des Mais geholfen.
Was sofort zur Folge hatte, dass sich der Rest der Familie versammelte um herzhaft darüber zu lachen was für verrückte Sachen der „gringo“ denn da macht.
Ich glaube die Kinder hat das ernsthaft verwirrt, sie wussten nicht so recht ob sie lachen sollten.
Das Bad bestand nur aus einer Porzelanschüssel ohne Abzug, die Feldarbeit in der Mittagshitze machte mir zu schaffen und das Bett,welches nur aus einem Holzbrett bestand, war für mich viel zu kurz, so dass meine Füße praktisch schon im Bett meines Gastvaters waren. Dies sind nur einige Eindrücke aus dieser Zeit, die sicherlich befremdlich wirken, aber auch sehr schön waren.

José, mein zehnjähriger Gastbruder ist mir auf Schritt und tritt gefolgt und ich habe von ihm viel gelernt über seine tägliche Arbeit auf den Maisfeldern und über die Natur.
Nach dem Aufenthalt in den Gastfamilien begann dann das eigentliche Projekt.

Wir haben während des Projektes 12 ökologische Kochstellen gebaut, einen Kräutergarten für die Gemeinde angelegt und das Dach der Dorfkirche zur hälfte fertig gestellt.
Unser Hauptprojekt waren die „estufas ecológicas“ -ökologischen Kochstellen . Dabei handelt es sich um Herde aus Lehm und Zement, welche einen kleinen Schornstein haben, sodass die Frauen beim kochen nicht ständig im Rauch stehen. Zusätzlich wird weniger Feuerholz benötigt, da die Hitze effektiver genutz wird.
 Traditionellerweise kochen die Frauen ausschließlich auf offenem Feuer. Alle Arbeiten wurden mit Dorfbewohnern zusammen durchgeführt, damit das Projekt fortgesetzt werden kann wenn wir wieder weg sind.
Wie wir im Nachhinein erfahren haben gab es anfänglich Gerüchte, dass wir die Kinder klauen und Gasherde anbringen wollen, sodass die Häuser der Leute explodieren würden.
Unsere Gastfamilie hat allerdings diese Gerüchte schnell zerstreuen können als wir dort eingezogen sind.
Familie García García hat uns aufgenommen, nachdem wir nicht wie eigentlich geplant, in der Grundschule wohnen konnten.
Das Haus der Familie besteht nur aus einem grossen Raum und so haben wir sehr dicht zusammen gelebt, da wir nun zusammen mit der neunköpfigen Familie insgesamt mit 19 Leuten in diesem einen Zimmer lebten.
Die beiden kleinen Energiebündel Alex (3) und Rolando (5) waren unsere ständigen Begleiter und haben unablässig mit uns gespielt und getobt, so dass wir irgendwann dazu übergegangen sind, dass jeden morgen jemand anders um 6 Uhr aufstehen musste um mit ihnen zu spielen, damit die anderen schlafen können.


Wir haben das tägliche Leben mit „unserer“ Familie geteilt und so auch drei mal täglich mit den Frauen der Familie gekocht. Da die beiden großen Töchter Mari und Lidia in unserem Alter sind und gut Spanisch sprechen haben wir sehr viel erzählt und sind mit der Zeit gute Freunde geworden.
Auch ich konnte mich gut verständigen nach einigen Wochen, in denen ich ausschließlich Spanisch gesprochen habe.
Es war zwar eigentlich nur Zufall, dass wir dort gewohnt haben, aber im Nachhinein betrachtet war es der größte Glücksfall überhaupt. So haben wir einen wirklichen Einblick in das Familienleben und die Kultur dort erhalten, was unter normalen Umständen so nicht möglich gewesen wäre.
Mir hat der ruhigere Lebensrhythmus sehr gefallen.
Neben drei Stunden kochen am Tag, einer Stunde für Wasser holen, Kochstellen bauen, interkulturellen Workshops und mit den kleinen spielen blieb kaum Zeit für andere Dinge, aber mir hat es sehr gut getan sich auf wenige wesentliche Dinge zu konzentrieren und die ganze Alltagshektik meines Lebens in Deutschland hinter mir zu lassen.
Jeden Sonntag haben wir den anderthalbstündigen Fußmarsch in die nächst größere Stadt Huehuetla auf uns genommen, um auf dem Markt Lebensmittel zu kaufen und Emails nach hause zu schicken.

Das alles war natürlich nur möglich, da wir unglaublich offen und warmherzig aufgenommen wurden vom ganzen Dorf und besonders von „unserer“ Familie García García.


Neben der Arbeit wurde in „proyecto der verano“ Projekt viel Wert auf interkulturellen Austausch gelegt.
Jeden Nachmittag, nach der Arbeit, gab es Workshops  zu verschiedenen Themen, zu denen das ganze Dorf eingeladen war. Wir haben zusammen gespielt, getanzt, gebastelt, gesungen, gekocht,  Sprachentage gemacht und vieles mehr.

Wir haben insgesamt sieben Wochen in Kuwikchuchut gelebt und gearbeitet. Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich die Menschen dort kennen und schätzen gelernt habe.
Unsere Arbeit wurde nach der anfänglichen Skepsis begeistert angenommen und für mich war das Projekt auch sonst in jeder Hinsicht ein Erfolg !!


Ich habe nach Ende des Projektes noch einen weiteren Monat in Mexiko verbracht und kann nur jedem ans Herz legen dieses Land zu erkunden und sich ohne Scheu auf die Menschen dort einzulassen.
Mexiko ist ein super Reiseland !!

  Felix