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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Hans Peter Hager gestorben



Hans Peter Hager neben seinem Nachfolger Jürgen Wittmer und den Geschäftsführern Bernd Göddertz (Hildesheim) und Torsten Schramm (Berlin) v.l.n.r.
Peter Hager zu Gast bei einem FSJ-Seminar.

Der ehemalige, langjährige Geschäftsführer der Bonner ijgd-Geschäftsstelle Hans Peter Hager ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Hans Peter war auch nach seiner Pensionierung noch für ijgd aktiv und regelmäßig im Bonner ijgd-Büro zugegen. Hagers Verdienste beschrieb sein Nachfolger Jürgen Wittmer in seiner Rede an dessen Grab:

 

Liebe Familie, liebe Weggefährten Hans Peters, lieber Hans Peter,

Ludwig Wittgenstein hat 1918 in seinem Buch Tractatus den Satz geschrieben:
In der Welt ist alles wie es ist und geschieht alles wie es geschieht.

Dieser Satz beleuchtet zumindest einen Teil Deiner Persönlichkeit.

Vor allem im letzten schweren Jahr Deines Lebens, in dem Du mehr und mehr von Deiner Krankheit gezeichnet warst, hast Du aus diesem Satz Stärke gezogen und hast Dich ihr gestellt. Der Satz steht für Deinen Realismus.

Aber er gibt nicht wieder, mit welcher Kraft und Beharrlichkeit Du die Herausforderungen Deines Lebens gemeistert hast.

Dein Hauptamtlichkeit begann 1948 als Kaufmannsgehilfe bzw. Angestellter in einer Papierfabrik. Aber schon 1950, also mit 19 Jahren, bist Du zu den ijgd gestoßen.
Zuerst als ehrenamtlicher Gruppen- und Seminarleiter, später als Mitglied des Vorstandes.

Mindestens diese pädagogischen und politischen Einflüsse brachten Dich dazu, Dich Anfang der 60er Jahre zum Wohlfahrtspfleger ausbilden zu lassen. Dem folgten Tätigkeiten als Politischer Bildner, zuletzt 1964 / 1965 beim Jugendhof Dörnberg. In dieser Zeit ( 1959 bis 1966 ) haben Karin und Du Eure Familie gegründet, Eure Kinder kamen zur Welt.

Zwar warst Du bis dahin bereits in einigen Zwischenphasen bei den ijgd angestellt,
doch erst 1967 begann Deine Arbeit als ijgd-Bundesgeschäftsführer. In den folgenden zwei Jahrzehnten hast Du die ijgd mitgeprägt und in den für die ijgd wirtschaftlich schweren Zeiten Mitte der 70er und Mitte der 80er Jahre den Konkurs und damit die Auflösung der ijgd verhindert. Als Du Anfang der 80er die Chance sahst, dem Verein ijgd neben den workcamps ein zweites Standbein zu geben, hast Du zugegriffen und verantwortet, dass die ijgd Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres wurden.

Anfänglich gab es im Verein große Widerstände:
Was hat diese Arbeit mit der Internationalität und dem Eintreten für eine friedlichere Welt zu tun?

Diese Bedenken sind lange ausgeräumt:
Das FSJ hat für eine Internationalisierung der längerfristigen Freiwilligendienste bei den ijgd gesorgt und die Arbeit in den Seminaren wird vom Grundprinzip der Selbstorganisation getragen wie bei den workcamps. Außerdem stabilisiert das FSJ die wirtschaftliche Lage der ijgd. Heute wäre die Existenz des workcamp-Bereiches ohne das FSJ äußerst gefährdet.

Du fülltest dieses Amt aus bis 1989.

Und ausfüllen gibt nur ansatzweise wieder, wie Du Familie und Beruf gleichzeitig meistertest. Zumindest einige Jahre haben wohl so ausgesehen:
Morgens Kinder fertig machen für Kindergarten und Schule, dann ins Büro.
Mittags Kinder in Empfang nehmen. Nachmittags und teilweise Abends wieder ins Büro.

Einmal kamst Du tagsüber nach Hause und Deine Kinder hatten im Bett ein Feuerchen gemacht. Du hast es gelöscht und das Leben ging weiter. Es kommt wie es kommt.

1989 wurde ich Dein Nachfolger und Du arbeitetest mich ein. Dein Ausscheiden aus dem Berufsleben war nicht harmonisch, aber Du bliebst den ijgd verbunden. Denn in den folgenden 19 Jahren kamst Du fast jede Woche ins Büro - Du hattest einen Schlüssel - und hast weiter ehrenamtlich mitgearbeitet und mich unterstützt.

Deine Hilfe ist nicht ersetzbar.

Im Laufe der Jahre wurden wir Freunde. Wir haben wöchentliche Rituale entwickelt, uns beim Tee oder beim Italiener über Familie, Frauen, Beruf und Politik auseinandergesetzt. Deine Gefühle äußertest Du selten.

Aber dennoch wissen wir, dass Du kein Aufhebens um Deine Person mochtest. Du warst bescheiden. Die Form war nicht wichtig. Du konntest in Sandalen zu einem Empfang erscheinen. Die Inhalte zählten.

Und lange Reden - auch noch zu Deinen Ehren - waren Dir zuwider. Darum höre ich jetzt auf.

Lieber Hans Peter,

es ist wie es ist aber es ist trotzdem sehr sehr traurig und Du fehlst uns.