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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Serbien

Stara Planina 2011

von Nico Dietrich 

 

Im August 2011 verbrachte ich mein erstes Workcamp in Cuštica (gesprochen: Tchuschtiza) in Serbien. Das kleine Dorf hat nur etwa 200 Einwohner und liegt am Fuße des Balkan-Gebirges in der Nähe der bulgarischen Grenze. Aufgrund der Abgeschiedenheit mussten wir auf Mobilfunk und anderweitige Kontaktmöglichkeiten verzichten, was aber auch mal ganz schön sein kann.

Unsere Arbeitsaufgabe bestand in der Renovierung eines Gemeindesaales, dessen Nutzung durch die (entfernte) Stadtjugend wieder frischen Wind ins Dorf bringen soll. Unsere Arbeit bestand hauptsächlich im Streichen von Innenwänden, Türen und Fenstern, also eigentlich eine schöne, nicht allzu anstrengende Arbeit. Pro Tag waren wir dann zwischen vier und fünf Stunden auf der Baustelle, die gleich neben unserer Unterkunft in einer alten Schule lag. Gearbeitet wurde jeweils zwischen Frühstück und Mittagessen, der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung.

Trotz unserer abgeschiedenen Lage kam keine Langeweile auf, zumal ständig interessante Leute (oder Tiere) in der Nähe waren. Das ganze Camp hatte das typische Jugendherbergs-Flair mit Doppelstockbetten, Universalbettwäsche etc. Wer nach Serbien möchte, sollte nicht westeuropäischen Luxus erwarten. Vieles ist sehr einfach, aber funktionell eingerichtet und Improvisationstalent kann in keinem Fall schaden.

Dafür entschädigt das Land mit seinen sehr freundlichen Bewohnern (die ständig zu Kaffee/Kuchen/Schnaps/Obst einladen) und mit einer reichhaltigen Kultur. Vor allem musikalisch hat Serbien einiges zu bieten: Vom traditionellen Volkslied bis hin zum Balkan-Rock, den wir beim Besuch eines Rock-Konzerts ausgiebig genießen konnten. Daneben besuchten wir noch die 40 Kilometer entfernte Stadt Knjaževac und erhielten einen vortrefflichen Einblick in die serbische Küche, die wirklich sehr zu empfehlen ist. Außerdem liegt das Preisniveau vor allem auf dem Land weit unter dem deutschen.

Das Zusammenleben im Camp war völlig problemlos, was mich sehr überraschte. Über die kompletten zwei Wochen hinweg gab es weder Gruppenbildung noch irgendwelche Konflikte und dabei waren Menschen aus neun verschiedenen Ländern dabei. Kleine Kommunikationsschwierigkeiten waren auch schnell überwunden und am Ende des Camps fiel es dann sogar schwer, sich mit der eigenen Muttersprache wieder anzufreunden. Wer Lust hat, sollte vor Beginn ein paar Wörter oder Sätze der Landessprache lernen. Das vereinfacht die Kommunikation und zaubert auch jedes Mal ein Lächeln auf die Gesichter der Einheimischen. Speziell für Serbien kann es auch sinnvoll sein, das kyrillische Alphabet zu kennen, es geht aber in jedem Fall auch ohne.

Letztlich kann ich sagen, dass die Zeit im Camp eine der besten Erfahrungen in meinem Leben war und kann jedem empfehlen, es einfach mal auszuprobieren. Wie so oft im Leben war alles viel zu früh zu Ende, aber man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist.