Workcamp im Zambesi National Park
Mein Name ist Janek Hüßon und es ist jetzt vier Wochen her, dass ich an einem Workcamp in Victoria Falls, Zimbabwe teilgenommen habe. Die Zeit, auch wenn von kürzerer Dauer, hat zweifellos eine eindrucksvollen Erinnerungen hinterlassen. Aber der Reihe nach.
Nachdem ich das Abitur 2005 abgeschlossen hatte und auch klar war, dass ich weder zum Wehrdienst noch zum Zivildienst herangezogen werde, beschloss ich mich für ein Workcamp bei IJGD zu bewerben. Zum einen brauchte ich den Abstand zwischen Schule und UNI, zum anderen wollte ich die Zeit nutzen, in ein Land zu reisen, was man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Verbunden mit dem Kontakt zur örtlichen Bevölkerung stellte dieses Workcamp also eine super Vorraussetzung. Meine Wahl fiel schließlich auf Zimbabwe, aus reiner Intuition heraus, was sich später als wahrer Glücksfall bewieß.
So kam, dass ich am 11.August 2005 in freudiger Erwartung, aber auch mit sehr viel Respekt in Stuttgart in den Flieger stieg. Zimbabwe war die ganzen Wochen zuvor nicht aus den Schlagzeilen herausgekommen, angesichts von Präsident Mugabe, welcher beschlossen hatte, sogenannte „illegale Siedlungen“ dem Erdboden gleich zu machen. Außerdem war das Land durch Sanktionen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Also erwartete ich einfach mal das Schlimmste...
In Harare, der Hauptstadt, angekommen, fand ich anfangs aber ein ganz anderes Bild vor. Eine geschäftige Stadt, mit vielen Menschen auf der Straße, welche einen freundlich annickten oder aber schwer beschäftigt an einem vorbeirannten. Ein Land im Bürgerkriegszustand, so wie ich es mir vorstellte, sah anders aus. Zugegeben, man muss sich sehr daran gewöhnen, ein Weißer unter sehr sehr vielen Schwarzen zu sein. Obwohl es das natürlichste der Welt ist, war es doch ein komisches Gefühl gewesen, und es dauerte eine Weile bis ich mich daran gewöhnt hatte.
Da es noch einige Tage bis zum Start des Workcamps zu überbrücken galt, wurde ich von der örtlichen Organisation bis zur Weiterreise in das Haus des Deutschen Entwicklungsdienst untergebracht. Zwei Tage stieß dann noch eine Italienerin, Eleonora, dazu. Meine Hoffnung, dass noch weitere Teilnehmer von „Overseas“ dazu kommen, wurde dann aber leider nicht bestätigt. Also machten Ele, ich und fünf weitere Teilnehmer, welche aus Harare kamen, uns nach fünf Tagen auf den Weg ins weit entfernte Victoria Falls, um das Workcamp zu beginnen.
Die Strecke von Harare nach Victoria Falls erwies sich als ziemlich rau, die Straßen sind nicht besonders gut ausgebaut, aber die lange Fahrt bot eine sehr gute Möglichkeit, die anderen Teilnehmer sowie die Landschaft kennen zu lernen. In Victoria Falls angekommen, Spötter nennen diese Stadt das Las Vegas Zimbabwes, bezogen wir unser Camp. Und was für ein Hammer: Es war mitten im Zambesi National Park, umgeben von den ganzen Tieren die man sonst nur auf dem Discovery Channel zu sehen bekommt. Außerdem stießen weitere 18 Campteilnehmer, welche aus Victoria Falls kamen, dazu.
Nachdem wir uns kennen gelernt hatten und die Campregeln festgelegt wurden, wurde die Art der Arbeit vorgestellt. Und ich war überrascht: Die Sache schien gut organisiert zu sein, wo man von Ehemaligen schon ganz andere Dinge gehört hatte. Dass die Arbeit, vor allem von den Locals, später nicht so ernst genommen wurde, ist eine andere Sache. Unser Job bestand also darin, sogenannte Fishcamps in dem Nationalparks wieder brauchbar zu machen, d.h. von Müll oder anderem Unrat zu befreien. Außerdem wurden wir dazu beauftragt, eine Pflanze, die wohl als Unkraut zu bezeichen ist und anderen Pflanzen keinen Raum zum leben lässt, zu entfernen. Weiterhin sollten wir in einem benachbartein Nationalpark, dem Victoria Falls National Park, einen Zaun zu errichten. Die Arbeit, die zweifellos vorhanden war, wurde aber nicht annäherungsweise fertiggestellt. Es wurde immer ca. 3 Stunden am Morgen gearbeitet, Nachmittags war frei. Die meisten Locals verließen aber nach ungefähr 30 Minuten die Lust am arbeiten, was den Fortschritt der Tätigkeiten nicht unbedingt beschleunigte.
Trotzdem wuchs die Gruppe erstaunliche gut zusammen, und die kulturellen Unterschiede stellten sich als gar nicht mal so riesig heraus. Zugegeben, an manche Speisen musste ich mich gewöhnen (Fische, die aussehen wie Aquariumfische mit Haut und Schuppen essen???) aber gleichzeitig waren die Zimbabwer mir und Ele gegenüber aufgeschlossen, was insgesamt ein gutes Klima erzeugte.
Weil wir mitten im Nationalpark waren und aus Sicherheitsgründen nur mit einem bewaffneten Ranger das Camp verlassen durften, kam nach einer Weile ein wenig Langeweile auf. Irgendwann verlieren auch Affen, Paviane, Nilpferde und Giraffen ihren Reiz (auch wenn das anfangs richtig geil ist). Auch wenn man immer bemüht war, Unternehmungen zu machen, drehte man hin und wieder Däumchen. Nachdem wir den Bürgermeister und den sogenannten Chief getroffen hatten, was scheinbar eine große Ehre ist, entschloss ich mich noch den welthöchsten Bungee-Jumping Sprung von einer Brücke zu wagen. 111 Meter freier Fall, einfach der Wahnsinn!!!
Nachdem das Workcamp beendet war (*Abschiedsschmerz*) fuhr ich nochmals zurück nach Harare, um einen Freund zu besuchen, den ich im Workcamp kennen gelernt hatte. Dies bot mir nochmals die Möglichkeit, das alltägliche Leben einer solchen Familie zu begleiten, was sehr interesssant war. Nachdem wir noch einen Gottesdienst besucht hatte, besuchten wir noch das Fußballländerspiel Zimbabwe vs. Ruanda, was eine sportliche Katastrophe war, aber einfach einmalig, weil 70 000 Menschen die Stimmung anpeitschten. Außerdem glaube ich, dass ich der einzig Weiße in diesem Stadion war, was zur Folge hatte, dass mir die ungeteilte Freude über den späteren Sieg sehr nahe gebracht wurde. Sehr unterhaltsam, wenngleich leicht beängstigend!
Tags darauf ging es dann zum Flughafen, der Abschied nahte. Doch ich war zur Erkenntnis gekommen, dass nicht alles so ist, wie man es anfangs erwartet. Man wird mal positiv, mal negativ überrascht sein, aber es ist auf jeden Fall eine Erfahrung, die so nur ein Workcamp bieten kann. Just do it!