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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Moshi/ Kilimanjaro

Also ich muss sagen, dass ich gar nicht mehr genau weiß, woher meine Motivation kam ein Workcamp zu machen. Ich glaub das erste mal hatte ich vor 3 Jahren, während meinem Auslandsaufenthalt in den USA daran gedacht, weil mir dort der Überfluss in dem wir leben erst richtig bewusst wurde. Wenn man z.B. in einen Supermarkt geht und sich endlose Reihen nur mit verschiedenen Joghurtsorten vor einem aufreihen und daneben die Milch in 3liter Kanistern auf einen Käufer warten, dann fragt man sich schon mal wie das seien kann, dass gleichzeitig Menschen hungern während man sich zwischen Käsekuchen und Vanille-Maracuja Joghurt versucht zu entscheiden.

Naja, damals war ich 16 und mich hat einfach diese fixe Idee gepackt, dass ich etwas ‚ändern’ will. Im Internet hatte ich mich dann fleißig informiert und wollte eigentlich für ein Jahr nach Südamerika, aber leider mangelte es mir da an den Spanisch Kenntnissen (und auch am Geld einwenig) und dann kamen die Abivorbereitungen und ich schob diesen Plan erstmal etwas beiseite. Doch irgendwann im Frühjahr 04 las ich dann etwas über Workcamps in einer Zeitschrift und meldete mich spontan zum Vorbereitungsseminar für Afrika bei der IJGD an. Im Vorbereitungsseminar fing ich mich dann mehr und mehr an für Afrika zu begeistern und mir schien die Idee für 3 Wochen ein Projekt zu machen nicht ganz so beängstigend als gleich ein ganzes Jahr in einer fremden Kultur zu leben. Als wir dann die Projekte vorgestellt bekamen, entschied ich mich für Tanzania, weil eine Freundin von mir schon mal da war und mir vorgeschwärmt hatte wie schön es ist, und, weil ich glaubte, dass das Projekt ökologisch ausgerichtet war (naja einen Baum hab ich dann nachher schon gepflanzt, aber das wars dann auch).

Nach dem Seminar versuchte ich erstmal soviel wie möglich über Tanzania rauszubekommen (was gar nicht so einfach war) und richtig vorstellen konnte ich mir es dann immer noch nicht. Naja der Flug war schnell gebucht, das Visum war auch sofort da und nach dem 2.Seminar war der Abflug auch schon bald. Mit riesen Bammel und einem ebenso großem Rucksack stand ich dann urplötzlich am Frankfurter Flughafen und setzte mich in die Maschine nach Dubai um dort nach einem 6stündigen Aufenthalt umzusteigen und irgendwann im dunkeln anzukommen. Zum Glück waren die 2 anderen Deutschen aus dem Camp mit mir in einer Maschine (so war ich nicht ganz allein) und wir hatten auch schon vorher eine Unterkunft gebucht, die uns dann auch abholten.

Der erste Eindruck war wirklich überwältigend! Überall waren Menschen auf den Straßen mit Kerzen und Feuern und Ständen und allem. Nach ein paar Tagen im turbulenten Dar es Salaam haben wir uns dann auch endlich zum Workcamp getroffen. Es war echt spannend zu sehen was alles für unterschiedliche Leute da eintrudelten. Dann ging es etwas außerhalb zum UVIKIUTA Gelände, wo noch mal eine 2 tägige Vorbereitung stattfand (etwas zu unserem Unmut, denn wir wollten endlich loslegen).Das diskutierten wir dann auch mit den Campleitern, aber da war nichts zu machen (African way halt).

Am dritten Tag gings dann auch auf die 8 stündige Busfahrt nach Moshi (am Kilimanjaro). Die Gegend dort ist wirklich wunderschön! Und wir kamen auch in einer ziemlich luxuriösen Unterkunft untern, nämlich in dem fast fertig gestellten Haus der Patronin (naja, es herrschten verschiedene Gerüchte darüber wem nun letztendlich das Haus gehörte, irgendwer erzählte dann nachher, dass sie die Tochter des Präsidenten sei). Nach einem Tag hatten wir dann auch Strom und fließend Wasser (also nix mit Wasserschleppen und Lehmhütten, wie man uns auf dem Seminar erzählt hatte) und wir waren auch relativ zentral in Moshi gelegen.

Die Arbeit ging auch reibungslos los, am ersten Tag haben wir am lokalen Krankenhaus Gras „geschnitten“ (s.Foto) und dann eigentlich fast jeden Tag etwas anderes gemacht. Meiner Ansicht nach der schönste Tag war, als wir an der Grundschule geholfen haben ein neues Klassenzimmer zu bauen (als wir haben ganz viel Beton angemischt und dann waren aber erst 4 Schalungen fertig, naja) und dann hat noch jeder einen Baum gepflanzt und die Kinder haben sich super gefreut. Achja und am letzten Tag hatten wir dann noch einen „Workshop“ wo wir in einer Secundary school waren um mit den Schülern über verschiedenen Themen (z.B. Aids) diskutierten. Und ratzfatz waren die 2 Wochen (eigentlich viel viel zu kurz) vorbei und alle gingen mehr oder weniger ihrer Wege. Ich bin noch 3 Wochen im Land gereist, was wirklich super schön war und ich hab auch so viele nette Leute getroffen und wollt am Ende gar nicht mehr nach Hause.

Das Workcamp selber hat mir wirklich gut gefallen, aber eher wegen dem Austausch mit den anderen Freiwilligen (wir waren immerhin fast 30) und den positiven Erfahrungen die ich in der Gruppe gemacht habe. Die Arbeit dagegen empfand ich (und auch einige andere) eher unbefriedigend. Zum Teil kam ich mir fast wie bei einer Touri Veranstaltung vor, so von wegen ‚so heute schauen wir uns mal die armen Kinder im Waisenhaus an’. Leider hab ich auch erst da erfahren, dass bei UVIKIUTA die Workcamps eher etwas ‚luxuriöser’ sind als dagegen bei KVA in Kenia, aber natürlich hat etwas Luxus auch seine guten Seiten, ich mein wir konnten auch mal Abends weggehen und solche Sachen und hatten halt einfach sehr viel Spaß und so gut wie keine Konflikte, was unter „härteren“ Umständen in so einer großen Gruppe unvermeidlich gewesen wäre. Ich will hier natürlich auch keinen beeinflussen, aber für mich selber habe ich entschieden, dass diese Erfahrung unglaublich wichtig war für mich und eigentlich auch durchweg positiv, aber ich möchte in Zukunft auf jeden Fall lieber an einem Projekt teilnehmen, in dem ich meine Fähigkeiten (Studium) einbringen kann und auch lieber über einen längeren Zeitraum arbeiten möchte und ein Workcamp empfinde ich einfach als sehr guten „Einstieg“, der einem die Angst ein bisschen nimmt.

Alice Rzezonka