Warum wollte ich so etwas machen? Das ist eine Frage, die im Nachhinein und nach so vielen gemachten Erfahrungen und Eindrücken, die auf mich eingewirkt haben sehr schwer zu beantworten ist. Was bei mir auf jeden Fall im Vordergrund stand, war der Traum, einmal in meinem Leben Afrika zu sehen.Hinzu kam dann später mein Studium (Ethnologie), in welchem ich mich regional auf Afrika spezialisieren möchte. Der erste Schritt dorthin war der Sprachkurs in Kiswahili (Landessprache in Tansania) den ich über vier Semester belegte. Dadurch wuchs in mir immer mehr das Gefühl, endlich mal dort hin zu müssen, wo diese Sprache gesprochen wird. Zudem hatte ich auch nach der ganzen Theorie in meinem Studium das Bedürfnis, endlich mal raus aus Europa zu kommen und einer anderen Kultur ganz real zu begegnen. Da ich nicht als faule Touristin am Strand schwitzen und geführte Touren mitmachen wollte, sondern vielmehr selbst etwas tun und bewegen wollte, entschied ich mich für ein Workcamp. Außerdem dachte ich mir, dass dies der beste Weg sei um mit der Kultur der Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen, da man ja mit ihnen zusammen lebt und arbeitet.
Die Vorbereitung auf das Camp hat mich viel Zeit gekostet, da ich so etwas noch nie gemacht hatte und mich daher intensiv informieren und mir verschiedene Dinge erst kaufen musste. Vor allem bin ich noch nie in einem außereuropäischen Land gewesen und war daher auch erst etwas geschockt von der Größe der Reiseapotheke und den Impfungen die für ein solches Land empfohlen wurden. Im Nachhinein finde ich es aber sehr wichtig sich auch über diesen Bereich gut zu informieren, damit man die Gefährdungen realistisch einschätzen kann.
Das Vorbereitungsseminar von ijgd finde ich sehr sinnvoll (auch wenn es mir aufgrund meines Studiums nicht soo viel gebracht hat), da schwierige Situationen beim Zusammentreffen von verschiedenen Kulturen oder auch im Zusammenleben einer Gruppe angesprochen wurden und man so schon vorher für solche Themen sensibilisiert wird. Was ich sehr gut und am hilfreichsten fand waren die Gespräche mit Rückkehrern/innen und Immigranten.
So nun geht’s aber los. Nach einer anstrengenden Reise kamen Heidrun (wir haben uns über ijgd kennen gelernt und uns entschieden ein Camp zusammen zu machen) und ich in Dar es Salaam, der größten Stadt in Tansania, an. Am Flughafen sahen wir sofort Leute der Partnerorganisation UVIKIUTA, sowie andere Freiwillige. Obwohl wir nicht ausdrücklich gewünscht hatten, vom Flughafen abgeholt zu werden, wurden wir von ihnen zum YWCA gefahren, wo am nächsten Tag auch gleich der Treffpunkt war. Zuerst ging es dann am nächsten Tag zum UVIKIUTA-Gelände in der Nähe von Dar es Salaam, wo wir noch mal etwas vorbereitet wurden und uns alle näher kennen lernen konnten. Nachdem unser zu Anfang „gebuchtes“ Camp (mit ökologischer Ausrichtung) schon gestrichen war und wir uns für ein anderes entscheiden mussten, erfuhren wir hier nochmals, dass nun alle geplanten Camps, aufgrund der zu geringen Teilnehmerzahl, zu einem zusammengelegt wurden. Früh morgens ging es dann zwei Tage später mit dem Dalla-Dalla Richtung Busbahnhof und mit dem Bus weiter bis nach Mwanga, wo unser Camp stattfinden sollte (liegt in der Region des Kilimandscharo).
Von unserer Unterkunft waren alle begeistert. Wir bewohnten ein recht großes Haus mit drei kleineren Schlafzimmern (für uns Frauen) und einem großen Wohnzimmer (für die Männer). Wir schliefen zum größten Teil auf dünnen Schaumstoff-Matratzen, da nur 7 Betten zur Verfügung standen. Zudem gab es zwei Badezimmer mit Dusche (die sogar funktionierte…fließendes Wasser und wenn man schnell war sogar warm!!!). Gekocht wurde draußen auf offenen Feuern.
Unser Projekt bestand aus dem Bau einer Tribüne für ein Fußballfeld (siehe Fotos). Zu Beginn jedoch konnte sich niemand so recht vorstellen wie das, was wir da „bauten“ am Ende eigentlich aussehen sollte. Der Ablauf unserer Arbeit sah jeden Tag gleich aus. Von 8 bis 12 Uhr: Berg roter Erde => in Eimer und leere Zementsäcke schippen => volle Eimer und Zementsäcke in einer langen Menschenreihe weitergeben => der letzte schüttet die Erde dann in ein Loch, hinter treppenförmigen Aufmauerungen, auf der „Tribüne“. Wenn dann endlich ein Berg Erde weg war, kam schon wieder ein Laster mit neuer Erde und alles ging von vorne los. Einmal war an einem Tag kein Erdberg da und es kam auch keine Laster. Also sind wir eher abgehaun was uns aber auch ganz recht war. Die einzige Abwechslung: einmal durfte ich einen Baum pflanzen und ein anderes Mal eine Wasserleitung ausgraben. Unser Beitrag zu dieser Tribüne, war im Prinzip auch nicht sehr groß. Die meiste Arbeit leisteten die Einheimischen. Aber immerhin haben wir mit angepackt und es war am Ende auch ein bisschen unsere Tribüne auf der wir dann bei der Einweihung saßen. Wir durften zum Schluss nämlich bei dem Lauf für die Freiheitsfackel und den Festivitäten, die deswegen auch in Mwanga veranstaltet wurden teilnehmen. Die Freiheitsfackel „Mwenge“ wird alle paar Jahre durchs Land getragen und am Ende auf dem Gipfel des Kilimandscharo aufgestellt um ihr Licht über ganz Afrika erstrahlen zu lassen. Kurz: die Arbeit war körperlich sehr anstrengend (da die Säcke teilweise sehr schwer waren) und es war ziemlich demotivierend immer dasselbe zu machen. Weil aber die Arbeitszeit recht kurz war konnte man es alles in allem gut aushalten.
Am Nachmittag und am Wochenende waren dann in der Regel Aktivitäten geplant, die wir als Gruppe selbst zusammenstellen durften, es war aber nicht Pflicht mitzumachen. Es wurde u.a. angeboten eine Taubstummenschule, ein Projekt für Aidsaufklärung, die Regierung in Mwanga, eine Kaffeefabrik, den Fuß des Kilimandscharo, den Arusha Nationalpark, den Ngorongoro-Nationalpark zu besuchen und in den umliegenden Pare-Bergen wandern zu gehen.
Alles in allem kann ich die Teilnahme an einem Workcamp nur empfehlen. Es ist einfach eine super Erfahrung mit so vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft (bei uns: Tansania, Spanien, Italien, Portugal, Süd-Korea, Japan, Irland, Frankreich, Finnland und Deutschland) unter einem Dach zu leben und zu arbeiten. Vor allem ist es interessant festzustellen wie viele Gemeinsamkeiten (wie Werte, etc.) man mit Menschen hat, die doch irgendwie ganz anders sind als man selbst. Diese Erfahrung war für mich an diesem Workcamp am wichtigsten und ich denke, dass man sie in jedem Land dieser Welt machen kann. Für mich persönlich war aber die Zeit nach dem Camp am beeindruckendsten, in der ich ein wenig herumgereist bin und am Ende noch eine Woche bei der Familie eines der Workcampteilnehmer aufgenommen wurde. So bin ich insgesamt ca. 6 Wochen dort gewesen und kann auch jedem nur empfehlen, wenn möglich über das Workcamp hinaus noch ein wenig im Land zu bleiben.
Anne-Katherine Hein