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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Manyoni

Teilnehmerin: Anna Kassaras
Partnerorganistion: Uvikiuta
Projekt: "Making positive change, I have a role to play"
Ort: Manyoni, Tansania
Arbeit: Konstruktion von Schulgebäude
Zeitpunkt: 30.07.-13.08.2007
Dauer: 2 Wochen

Das Camp fand im Herzen Tansanias statt, in Manyoni, einem Ort in der Nähe der Hauptstadt Dodoma, der voll kleiner Lehmhäuser, Läden und vieler staubiger Straßen war. Wir waren in der „Manyoni primary school“ untergebracht, jeder der insgesamt 22 Freiwilligen hatte eine Schlafmatte, ein eigenes Moskitonetz (falls mitgebracht) und es gab für Männer und Frauen je zwei gemeinsame WC`s (Plumpsklos), zum Waschen einen Eimer Wasser. Das war schon sehr einfach, im Vergleich zu unserem westlichen Lebensstil, aber eine enorme Erfahrung. Man lernte, dass man auch mit wenig auskommen kann und es war unglaublich, was für Einblicke wir in tansanische Lebensart und Küche bekamen- das tansanische Essen ist einfach unglaublich lecker!!!

Für das Workcamp hatte ich mich entschieden, weil ich die Kultur und Lebensweise der Tansanier kennenlernen und in Kontakt zu den Einheimischen kommen wollte- was bei herkömmlichen Pauschalreisen erschwert ist- außerdem wollte ich schon immer mal ein soziales Projekt unterstützen, bei dem man auch etwas Sinnvolles tut: in diesem Fall halfen wir beim Bau eines weiteren Schulgebäudes. Die Arbeit war relativ schweißtreibend, bedingt durch die sengende afrikanische Sonne aber auch, weil die meisten von uns Europäern diese Art von Arbeit einfach nicht gewöhnt waren. Wir hoben mit Hacken das Fundament des geplanten Gebäudes aus (75 cm tief!) und schleppten Steine, die manchmal nur durch Rollen und gemeinsames Anpacken vom Fleck bewegt werden konnten. Während der Arbeit, die wir zusammen machten, konnte man sich mit allen unterhalten und einander näher kennenlernen.

Ich fand es unglaublich, was für eine Power in den Tansaniern steckt; wir arbeiteten mit Einheimischen zusammen und viele kleine Kinder schnappten sich Werkzeuge und packten mit an, um uns zu helfen! Sie waren voller Eifer und sehr neugierig auf uns fremde Europäer (Swahili: Wazungu). Ich versuchte mich mit den Tansaniern so oft wie möglich auf Swahili zu unterhalten- es öffnete mir einige Barrieren und die Leute waren sehr freundlich zu mir und freuten sich, dass ich mich für sie interessierte. Wenn die Verständigung mal nicht so gut klappte, sprach ich Englisch oder benutzte Hände und Füße- was immer irgendwie ging. Camp- Sprache war Englisch, aber einige Tansanier, sowie einige der Freiwilligen aus Europa oder Asien hatten nur geringe Englisch- Kenntnisse, daher war die nonverbale Kommunikation oft wichtig. Das war manchmal sehr lustig, zeigte aber auch, wie schwierig es sein kann, wenn Menschen von völlig unterschiedlichen Kulturen sich etwas sagen wollen. Da braucht man viel Geduld und guten Willen. Die Camp-Leiter beherrschten Englisch sehr gut und übersetzten oft Mitteilungen für die Gruppe auf Swahili und Englisch.

Jeden Tag arbeiteten wir etwa vier Stunden auf der Baustelle, nach dem Mittagessen hatten wir etwas Zeit für uns und danach machten wir Unternehmungen. So besichtigten wir Schulen und nahmen an Unterrichts- Stunden teil, gingen auf das „Mwenge-Fest“, wo die tansanische Freiheits-Flamme vom Kilimandjaro (höchster Berg Afrikas) nach Manyoni kam und unglaublich viele Menschen sich versammelten, sangen und Politiker ihre Reden hielten. Wir konnten uns den Ort ansehen, in Cafés gehen und deckten uns mit Kangas ein (schöne bunt-gemusterte Tücher, die alle Frauen dort tragen).

Auch machten wir am Wochenende eine Safari in den Rungwa-Nationalpark, wo wir unzählige Tiere sahen: z.B. Büffel, Giraffen bis hin zu Elefanten. Es war unglaublich die Tiere, die man sonst nur aus Zoos oder Doku-Filmen kennt, mal „live“ zu erleben!
Jeden Abend gab es einen „Cultural evening“, wo die verschiedenen Teilnehmer ihr Heimatland mit Bildern, kulinarischen Kostproben, Liedern oder Tänzen vorstellten. Das war sehr interessant und die Tansanier stellten viele Fragen, um zu lernen, wie das Leben in anderen Ländern ist.

Besonders beeindruckte mich der „Youthday“, wo wir alle zusammen mit vielen SchülerInnen zu einer „youth-discussion“ in eine Festhalle eingeladen wurden. Vertreter des Staates berichteten über die momentane Situation von HIV, Korruption und Sicherheit im Land. Wir Freiwilligen hatten Leute neben uns sitzen, die für uns vieles ins Englische übersetzten, so dass wir uns nicht zu sehr langweilten und etwas von den Reden mitbekamen. Anschließend hatten die Jugendlichen inklusive uns die Möglichkeit Kritik auszusprechen gegenüber den Politikern und der Regierung. Das fand ich sehr demokratisch. Viele SchülerInnen nutzten diese Möglichkeit und trugen der Menge sehr lebhaft und engagiert ihre Meinung vor. Musik ist in Tansania allgegenwärtig. Selbst bei solchen politischen Veranstaltungen sorgte ein Moderator für Stimmung, indem er den Beginn bestimmter Lieder sang, zu denen die Menge dann sofort mit einstimmte. Wir sahen viele traditionelle Tänze; die Kraft und Lebensfreude der Tansanier beeindruckt mich sehr.

Bei der Zeremonie zur Beendigung des Workcamps veranstalteten wir, wie auch schon zuvor, eine große Parade mit den Teilnehmern unseres Camps und des parallelen Camps durch den Ort. Wir hielten Plakate hoch, mit Infos über die Organisation „Uvikiuta“ und sangen, klatschten, viele der Tansanier tanzten auch und es wurde getrommelt. Es entstand eine unglaubliche Stimmung, aus dem nichts war eine Party geworden! Alle machten begeistert mit, wenn es auch für so manchen Europäer wahrscheinlich etwas befremdlich war, so etwas ganz anderes. Die Parade sollte die Einwohner des Ortes auf unsere Tätigkeit und die Organisation aufmerksam machen. Viele der Einwohner kamen, sahen uns teils misstrauisch oder verständnislos, aber meist fröhlich und aufmunternd zu und viele feuerten uns an. Hunderte von SchülerInnen schlossen sich uns an und sangen aus voller Kehle.
Zu dieser Zeremonie war sogar der Prime Minister von Tansania anwesend, der uns Geschenke überreichte und seinen Dank aussprach. Es lag wohl auch daran, dass es in dieser Region das erste Camp war, und es wurden Pläne geschmiedet, weitere Camps folgen zu lassen, weil es so gut geklappt hatte. Die Regierung versprach finanzielle Unterstützung bei weiteren lokalen Projekten.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Vorbereitung durch ijgd gut war, weil ich auf mögliche Situationen vorbereitet wurde, die auch zum Teil vorkamen. Die Camp-Atmosphäre ist je nach Situation und Camp individuell unterschiedlich. Bei uns entstand am Ende des Camps eine eher negative Atmosphäre, weil zwei der Europäer sich mit der Camp-Leitung stritten, auch tendierten die Einheimischen und die „Nicht-Afrikaner“ in ihren jeweiligen Gruppen zu bleiben, wodurch die anfangs relativ gute Kommunikation verloren ging. Das war sehr schade. Die Betreuung durch den Camp-Leiter war gut, allerdings hätte ich mir in diesem Fall mehr Engagement gewünscht, in dem Gruppen-Konflikt zu vermitteln.
In diesem Workcamp habe ich sehr viel gelernt. Ich kann mir für die Zukunft eine Arbeit im entwicklungspolitischen Bereich vorstellen.