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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Tansania 2011

Name: Philip S
Name der Partnerorganisation: Uvikiuta
Name und Ort des Projektes: UV-MTV/05 Orphanage center in Chamazi/Tansania
Inhaltliche Ausrichtung: Betreuung von Waisenkindern
Zeitpunkt: Juni bis September 2011
Dauer: 3,5 Monate

Wo fange ich am besten an? Nachdem ich bei der Bundeswehr ausgemustert wurde, war es für mich klar, dass ich nicht sofort anfangen werde zu studieren, sondern die Zeit bis zum Studium mit etwas Sinnvollem zu überbrücken. Ich hatte keine Lust auf 24/7 – Party machen, im Gegenteil: Ich wollte etwas Neues erleben und so kam mir der Gedanke, mich freiwillig im Ausland zu engagieren.
Ich wollte nicht nur ein bis zwei Wochen (Workcamp) im Ausland verbringen, gleichzeitig aber auch nicht den Studiumsbeginn im Winter verpassen und deshalb entschied ich mich für ein MTV (3,5 Monate). 
Die nächste Frage, die sich mich stellte, war wohin ich gehen sollte. Schnell entschied ich mich für den Kontinent Afrika und zudem wollte ich in ein englischsprachiges Land – also blieben als Optionen Ghana, Kenia oder Tansania.
Nachdem sehr viele Freiwillige auf dem Vorbereitungsseminar nach Ghana oder Kenia wollten, stand meine Entscheidung fest: Ich werde mich für Tansania bewerben.
Die Vorbereitungen erwiesen sich als nicht ganz einfach, weil ich zu diesem Zeitpunkt gerade mein Abi machte und danach erst einmal etwas Ruhe brauchte. Zudem gab es etliche Probleme mit dem Visum und ich wusste nicht, ob ich in Tansania tatsächlich ankommen werde und auch bleiben darf oder ob ich sofort wieder zurück nach Deutschland fliegen muss, da ich ohne Visum abreisen musste.
Am 4.6.2011 ging es dann endlich los. Mit meinem vollgestopften und total übergewichtigen Rucksack machte ich mich auf den Weg nach Daressalam. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was auf mich zukommen würde und das machte das Ganze so interessant und spannend. Viele Fragen schwirrten mir durch den Kopf: Wird es fließend Wasser oder Strom geben, wo werde ich untergebracht sein, wie reagieren die Einheimischen auf Ausländer etc.?
Um 6 Uhr morgens kam ich dann endlich in Daressalam an und warte vergeblich auf mein Taxi, das mich, wie mir mitgeteilt wurde, eigentlich vom Flughafen abholen sollte. Nach ein paar Stunden wurde ich dann doch abgeholt und endlich kam ich  auch in Chamazi (ca. 1,5 Std. vom Center entfernt) an.
Auf dem Uvikiuta „Campus“ angekommen wurde ich sofort eingeladen, an einer Kirchenzeremonie teilzunehmen. Es war ein überwältigendes Erlebnis, die Kinder tanzen und singen zu sehen und die ganzen Emotionen hautnah mitzuerleben, auch wenn die Kirche geschlagene 5 Stunden dauerte und ich noch total übermüdet vom Flug war.
Zum Zeitpunkt meiner Ankunft befanden sich ca. 15 internationale Freiwillige auf dem Campus. Die Anzahl variierte aber stark und es gab auch Zeiten, bei denen sich 93 Freiwillige auf dem Gelände tummelten. Dies war nach einiger Zeit sehr nervig für mich, da ich wusste, dass die meisten Freiwilligen in wenigen Wochen wieder zurück in die Heimat fliegen würden (Work Camps) und deshalb konnte ich auch keine Freundschaften schließen. MTVs waren drei bis vier auf dem Campus.
Die Unterbringung war auf diesem Art „Campus“ von Uvikiuta, auf dem sich auch die Büros, die Küche, die Räume zum Unterrichten und die Youth Hostels befanden, in denen die Freiwilligen geschlafen haben. Die Unterbringungen waren einfach, aber ausreichend. Geduscht wurde mit dem Eimer und Becher und das Stehklo gab es direkt neben dem Haus.
Das Essen war wirklich super, zwar nicht besonders abwechslungsreich, aber immer sehr lecker.
Nach ein paar Wochen bin ich dann zu einer Gastfamilie gekommen, die mit sieben weiteren Familien (alle Mitglieder und Mitarbeiter von Uvikiuta) das Eco Village, ca. 15. Minuten vom Campus entfernt, bildeten. Die Gastfamilie war sehr freundlich und ich bin wirklich gut mit ihnen ausgekommen.
Mir wurde gesagt, dass mein eigentliches Projekt erst eine Woche nach meiner Ankunft beginnen würde und deshalb entschied ich mich, an den Vormittagen in zwei verschiedenen Kindergärten Englisch zu unterrichten und an den Nachmittagen Kinder im Waisenhaus zu betreuen. In Deutschland habe ich auch kurz mit dem Gedanken gespielt, Englisch zu unterrichten, aber den Gedanken dann schnell wieder verworfen, da ich dachte, dass man perfekte Englischkenntnisse oder sonstige Erfahrungen mit dem Unterrichten haben muss. Meine Bedenken waren unnötig – es hat total viel Spaß gemacht und ich hätte auch gerne weiter unterrichtet, aber leider haben die Ferien nach dieser einen Woche angefangen.
Nach der Woche besuchte ich zum ersten Mal mein eigentliche Einsatzstelle: Development through sports (UV-MTV/03), eine Art Nachmittagsbetreuung für Kinder mit Schwerpunkt Sport. Allerdings entschloss ich mich schnell doch nicht in dieser Einsatzstelle mitzuarbeiten, sondern im Waisenhaus weiterzumachen.  Nachdem ich eine Woche die Kinder im Waisenhaus gesehen hatte, hatte ich das Gefühl, dass es diesen Kindern wirklich nicht gut ging, war ich davon überzeugt, dass ich die Einsatzstelle wechseln muss. Ich war der Meinung, die Kinder bei dem Sportprojekt konnten auch ohne mich glücklich Fußball spielen, aber wer sollte sich um das Baby und die vielen Kleinen im Waisenhaus kümmern? Im Waisenhaus lebten 154 Kinder und Jugendliche (davon waren aber einige nicht da, da sie Internate besuchten) und für alle gab es nur sieben Betreuer! Also entschloss ich mich, die Einsatzstelle zu wechseln und für das Waisenhaus zu arbeiten, das ca. fünf Minuten mit dem Bus entfernt war.
Mein Tagesablauf sah folgendermaßen aus: 7.00 Uhr aufstehen und Wasser aus dem Brunnen holen. Danach duschen und frühstücken. Von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr im Waisenhaus arbeiten. Von 16.00 Uhr bis ca. 18.00 Uhr Zeit zur freien Verfügung (also daheim Tagebuch schreiben, lesen oder Sport betreiben). Um 19.00 Uhr gab es dann Abendessen und dann wurde abgewaschen und oft haben wir uns bis lang in die Nacht unterhalten (nachdem es ja keinen Fernseher gab). Im Prinzip konnte ich mir die Zeiten alle selber festlegen und es hätte auch niemand bemerkt, wenn ich mal nicht zur Arbeit erschienen wäre (außer den Kindern im Waisenhaus), aber was hätte mir das gebracht?!
Im Waisenhaus waren sieben Betreuer und oft haben die älteren Waisen den Kleineren geholfen. Zudem waren ab und zu andere Freiwillige da, aber die meiste Zeit war ich der einzige Freiwillige. Nachdem mir am Anfang niemand sagte, was ich tun soll, habe ich mir selber Arbeit gesucht und habe sehr viel Zeit mit den Kleinen verbracht – sie also gewaschen, angezogen, mit ihnen gemalt und sonstige Spiele mit ihnen gespielt. Zudem Kleider gewaschen, geputzt, Holz zum Kochen gehackt und und und. Es hat mir große Freude bereitet, so viel Zeit mit den Kleinen zu verbringen, obwohl ich in Deutschland überhaupt keine Erfahrungen mit Kinderbetreuung hatte.
Die Kinder sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen und es war oft traurig mit anzusehen, wie schlecht es machen gesundheitlich ging (u.a. waren manche mit HIV infiziert). Zudem war es mir mich zu Beginn sehr schwierig, auf der einen Seite den Kindern Liebe entgegenzubringen, auf der anderen Seite aber vorsichtig mit den Krankheiten zu sein.
Von Seiten der Partnerorganisation hätte ich mir eine verstärkte Betreuung gewünscht. Eine Betreuung in der Einsatzstelle gab es direkt nicht, aber das war mir recht, denn dadurch konnte ich mir die Aufgaben selber aussuchen. Ich knüpfte schnell Kontakte mit denjenigen Personen, die mir sagen konnten, was zu tun war.
Das Einzige, was ich bis heute bereue, ist die Tatsache,  dass ich nicht richtig Swahili (Landessprache) gelernt habe. Man kommt zwar gut mit Englisch durch, aber vor allem bei den Kindern wäre es nützlich gewesen, sich mit ihnen unterhalten zu können. So war oft ein Jugendlicher dabei, der für mich übersetzt hat.
Zwischendurch und am Ende des Freiwilligendienstes bin ich noch viel gereist. Ich habe sowohl eine Safari durch Serengeti, Ngorongoro Krater und Lake Manyara mitgemacht als auch den Kilimandscharo bestiegen. Zudem war ich zwei Mal auf Sansibar, habe Udzungwa Nationalpark im Landesinneren besucht und war am Lake Victoria. Reisen hat mich ‚der Kultur’, den Menschen und dem Land noch ein Stück näher gebracht.
Die wichtigsten Erfahrungen für mich waren zum einen das Reisen und zum anderen die Erfahrung im Waisenhaus. Ich habe gefühlt sehr viel Unheil gesehen und doch sind die Kinder glücklich und fröhlich und teilen sogar ihr Essen mit einem. So etwas wird meines Erachtens niemals in Deutschland erlebt.
Die ijgd-Vorbereitung war meiner Meinung nach ausreichend, auch wenn nur ein Freiwilliger anwesend war, der über Tansania berichtet hat.
Ich rate jedem, der mit dem Gedanken eines Auslandseinsatzes spielt, dies auch in die Tat umzusetzen. Es war meine beste Zeit, die mich sehr geprägt hat und in der ich viel dazu gelernt habe. Es ist kein Zuckerschlecken und oft stellt man sich die Dinge anders vor als sie dann eigentlich laufen, aber man kann gleichzeitig helfen und sich weiterentwickeln.