Workcamps in Nakorn Ratchasima und Chiang Mai
Erfahrungsbericht über gleich zwei Greenway-Workcamps
Nakorn Ratchasima
Schon eine Stunde zu früh standen wir wartend an dem Treffpunkt unseres ersten Workcamps. Nach Nakorn Ratchasima wollten wir. Ein ökologisches Workcamp in einem der größten Nationalparks Thailands, circa 2 Stunden nordöstlich entfernt von Bangkok- viel mehr wussten wir auch nicht. Wir, das sind Julia und ich. Wir haben uns auf den Vorbereitungsseminaren kennen gelernt und da Interesse und der richtige Zeitpunkt so gut zusammen passten, waren wir bereits eine Woche zusammen unterwegs und warteten nun gespannt auf die ersten Mitteilnehmer. Die kamen allerdings nicht. Etwa zwei Stunden später haben wir dann zumindest schon herausgefunden, dass wir an dem falschen Treffpunkt standen. Einen halben Tag später saßen wir dann mit den restlichen circa 20 Teilnehmern, einem Haufen Gepäck und unglaublich viel Essen in einem thailändisch Bus-Taxi auf dem Weg zur Substation Number 9- unsere Unterkunft.
Die befand sich in einer Siedlung für Waldarbeiter und deren Familien, mit denen wir auch die nächste Woche zusammen arbeiten sollten. Am Abend wurden wir dann vom Chef „Pi Sakon“ über seine Ziele und die des Nationalparks aufgeklärt: Aufgrund der Armut wird viel gewildert. Durch Aufklärung über den Sinn einer intakten Natur und Arbeitsplätze im Nationalpark sollen die Menschen lernen mit und nicht gegen die Natur zu leben. Wir sollten deshalb die nächste Woche Erde in Plastiksäcke füllen, aus denen dann irgendwann mal Bäume rauskommen, eine Informationshütte bauen, einen Weg und einen Campingplatz schaffen. Die Arbeit war also okay, bis auf das mit dem Campingplatz, das war verdammt anstrengend. Dafür aber haben wir merkwürdigste Insekten und Schlangen gesehen und gelernt, wie man Ameisennester ausräuchert. Dieselbe Nacht haben wir den Platz (mitten im Wald an einem kleinen Wasserfall) dann aber auch eingeweiht. Die Gruppe war relatief gut gemischt- ein deutsches Filmteam, die grad an einer Reportage über Greenways (also der thailändischen Partnerorganisation) gearbeitet haben, Österreicher, Dänen, Franzosen, ein Spanier, ein 50-jähriger Lehrer aus Hawaii, zwei Koreanerinnen, zwei Japanerinnen, die beiden thailändischen Campleiterinnen, der Chef und die Dorfbewohner.
Kommunikationsprobleme unter den Teilnehmern gab es weniger. Dafür aber zwischen Teilnehmern und Leitung. Der Chef hat seine Pläne selten der Campleitung mitgeteilt und die konnte uns dann auch fast immer erst zu spät erzählen, was wir nun vorhaben und tun müssen. Trotzdem war das gesamte Camp doch gut organisiert. Wir wurden gut untergebracht, das Essen war unglaublich lecker, abends wurde viel mit den Thais unternommen, niemals mussten wir auch nur zehn Meter zu Fuß gehen, denn immer wurden wir auf Pick-Ups geladen und es gab sogar ein Wochenendprogramm. Also das Wochenende begann mit einer verdammt verregneten Nachtsafari, Rafting am nächsten Tag und Nationalparkprogramm am Sonntag.
Von Montag bis Donnerstag ging es dann in die Schule ins nächste Dorf. Die Schule war eine ganz neue interessante Erfahrung. Erstens wurden wir unglaublich freundlich begrüßt, danach waren wir bei der allmorgendlichen Zeremonie in der Schulaula-Mehrzweckhalle zugegen und dann ging es in die Klassen. Kommunikation mit den Schülern war nur über ein Gemisch von Zeichnungen, Pantomime, Vormachen, Geräuschen und Basic-Englisch möglich, denn obwohl die Schüler schon früh mit Englisch beginnen, verstehen sie auch nach sechs Jahren kaum etwas. Das kommt wohl daher, dass auch die Lehrer kaum Englisch sprechen. Am Abend zuvor haben wir alle gebrainstormt und uns Spiele, Spiele, Spiele ausgedacht. Thailändische und deutsche Schüler sind absolut nicht vergleichbar. Thailändische Kinder sind echt interessiert und aufmerksam… kommt aber vielleicht auch daher, dass sie manchmal noch „körperlich gezüchtigt“ werden. Wir haben jeden Tag untereinander Klassen gewechselt, mal alleine, mal zu zweit unterrichtet und so eine ganze Menge schöne und anstrengende Stunden gehabt. Das lustigste aber ist, dass die Kinder am Beginn der Mittagspause ihre Tupperdosen aus der Tasche hohlen und da dann statt Brot Reis drinnen ist.
Weiter haben wir noch eine ökologische Pilzfarm kennen gelernt und da gearbeitet. Abends gab es International Food, Karaoke im Wohnzimmer einer Familie aus dem Dorf, Lagerfeuer, Abschiedsfest und zwar immer mit den Dorfbewohnern. Die Kommunikation ging auch immer besser, zumindest mit Händen und Füssen. Am Freitag waren wir mit unserer Schule in zwei Tempeln und haben bei Zeremonien mitgemacht, sehr interessant und sehr schön. Mit dem Ende des Workcamps hab ich dann beschlossen, dass ich doch noch ein zweites machen will. Und zwar weil mir das erste wirklich sehr gut gefallen hat.
Chiang Mai
Ich wollte in den Norden, Richtung Chiang Mai. Ich wusste, dass dieses Workcamp, dass es auf jeden Fall kleiner sein wird, schlechter organisiert ist und über die Arbeit wusste ich so gut wie gar nichts. Aber zu diesem Moment fand ich es schöner länger an einem Platz zu sein und echt einen Einblick in das Leben der Locals zu kriegen, statt als Tourist rum zu reisen. Das schöne am nächsten Workcamp war, dass Lim, die auch das erste Workcamp geleitet hat, diesmal wieder mit dabei war.
Unser Camp befand sich im „Forest-development-village“, eine Stunde nördlich von Chiang Mai. Wir wohnten in einem Haus mitten in dem Dorf. Anfänglich bestand die Gruppe aus drei Koreanerinnen, zwei Japanerinnen, einem Japaner, zwei Thais, einem Holländer und mir. Aber: Nachdem die Koreanerinnen das Klo gesehen haben, waren wir nur noch zu siebt. Danach habe ich dann den Sinn und Zweck der Vorbereitungsseminare begriffen.
Das Ziel des Camps war, der lokalen Bevölkerung eine Art Umweltbewusstsein bei zu bringen. Wie das nun geschieht, war noch kaum vorgeplant. Das gesamte Camp würde ich als äußerst familiär beschreiben. Nach zwei Tagen hatten wir sogar unseren eigenen Hund. Am ersten Abend gab es eine Begrüßungszeremonie, die dort für „Farangs“ so üblich ist. Am zweiten Tag haben wir das Dorf entdeckt, Nachbarn kennen gelernt, waren am See und am Wasserfall ein bis zwei Kilometer entfernt. Der Wasserfall ist übrigens einer der schönsten Orte, die ich je gesehen hab. Dort waren wir ungefähr jeden zweiten Tag schwimmen. Die Arbeit in diesem Camp war teilweise gut, teilweise schwachsinnig, obwohl wir ja auch selbst darüber entschieden haben. Wir haben einen Klassenraum renoviert, ein bisschen unterrichtet, haben mit den Waldarbeitern gearbeitet (die anstrengenste Arbeit, die ich je gemacht hab), Müll gesammelt und probiert eine Mülltonne zu bauen. Kommunikationsprobleme gab es nur mit den beiden Japanerinnen, die konnten einfach so gut wie kein Englisch und waren auch noch recht jung.
Das Wochenendprogramm haben wir uns selbst zusammengestellt, waren Boot fahren und in Chiang Mai und Chiang Rai, haben das Wochenende auch verlängert, bedingt durch zu wenig Arbeit. Ganz besonders schön war, dass wir das Dorf und deren Leute sehr, sehr gut kennen gelernt haben. Das kam einfach daher, weil sämtliche Kinder aus dem Dorf quasi bei uns gewohnt haben und wir abends immer bei den Nachbarn Whiskey getrunken und Karaoke gesungen haben. Der Unterschied zwischen den beiden Camps war enorm. Im ersten hatte ich mehr Spass, wir haben viel Programm gehabt, konnten aber kaum selbst entscheiden. Das zweite Workcamp würde ich als sehr nett beschreiben, ruhig, aber mit tiefem Einblick in den thailändischen Alltag. Auf jeden Fall war die Erfahrung insgesamt unglaublich schön und interessant mit vielen neuen Einblicken in mich, in die Unterschiede zwischen beiden Kulturen und in die Unterschiede zwischen reisen als Workcampler und Touri. Ich habe einen Haufen nette und teilweise sehr interessante Menschen und Sichtweisen kennen gelernt und werde sicher wiederkommen und eventuell mal wieder bei einem Workcamp mitmachen!!!
Ann-Kathrin Neugebauer


