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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Amnat Charoen

Endlich sollte es losgehen! Am Morgen des ersten Camptages war ich zusammen mit einer anderen Teilnehmerin aus Deutschland per Nachtzug in Ubon Ratchathani eingetroffen. Dort hieß es dann, erfolgreich mit den Taxi und Tuk-Tuk Fahrern zu verhandeln, die sich alle um uns drängten und wissen wollten, wo wir hin wollten. Schließlich landeten wir auf einem Pickup, der uns zum weiter entfernt gelegenen Busbahnhof bringen sollte. Im Bus nach Amnat Charoen stieg dann ein weiterer „farang“ zu- ein Mitteilnehmer aus Holland. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir dann den Busbahnhof von Amnat Charoen, wo und bereits ein weiterer Teil der Gruppe erwartete und wir beschlossen, die Wartezeit erst einmal durch ein Frühstück zu verkürzen. Um ca. 11 Uhr war dann auch der größte Teil der Gruppe versammelt und es konnte losgehen zum Camp. Ein Teil der Teilnehmer kam aber erst im Laufe des Tages an. Wir Neuankömmlinge wurden also samt Gepäck mehr schlecht als recht auf einen Pickup verfrachtet und zum Tempelgelände etwas außerhalb des Dorfes gefahren, wo wir die kommenden 2 Wochen verbringen sollten. Der erste Tag verging damit, erst einmal die anderen kennen zu lernen und die Umgebung kennen zu erkunden (viele rote Wege, Reisfelder und Kühe). Wir waren eine sehr internationale Gruppe von ca. 16 Leuten mit Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien, der Schweiz, den USA und sogar Korea und Malaysia.

Wie die Campregeln es wollten, wurden Jungen und Mädchen in getrennten Gebäuden untergebracht. Das Schlafen auf dem Boden sollte sich die ersten Tage als –im wahrsten Sinne des Wortes – hart herausstellen, aber durch etliche Matten und Decken war es dann doch erträglich. Allerdings machten die Mücken uns trotz Moskitonetz sehr zu schaffen und am ersten Abend hatten wir Besuch von einer Riesenspinne. Ansonsten war die Unterkunft aber ganz in Ordnung. Der Schlafraum für uns Mädchen war sehr groß und auch das Toiletten-und Duschhaus war ok. Und Duschen mit kaltem Wasser war bei den Temperaturen auch nicht unbedingt schlecht.

Unser Tagesablauf war ungefähr folgendermaßen (dabei gab es allerdings ständig spontane Änderungen, denn wie wir noch lernen sollten, ist ja nichts im Leben permanent): morgens mussten wir meistens um 6.00 aufstehen; wenn wir Glück hatten auch mal um 7.00, aber auch gerne mal um 5.00. Den ersten Tag hielten sich alle noch daran, die täglichen Arbeiten wie Klo putzen oder fegen zu erledigen; an den anderen Tagen nahm man das dann nicht mehr so genau. Bevor wir frühstücken konnten, ging es erst zur morgendlichen „presenting food to the monks“ Zeremonie in den Tempel. Dazu beluden wir gemeinsam mit den Nonnen einen Essenswagen und auch weitere Dorfbewohner kamen zum Tempel, um den Mönchen Essen anzubieten. Da die Mönche nur einmal am Tag eine Mahlzeit einnehmen durften, war diese morgendliche Zeremonie sehr wichtig und zog sich leider auch meistens 2 Stunden hin. Das Warten wurde besonders durch die unbequeme Sitzposition, in der wir ausharren mussten, etwas erschwert. Der persönliche Höhepunkt war jedoch, wenn man einzeln dem Abt Essen anreichen durfte und er versuchte, sich mit uns in einem Thai-Englisch-Mix zu unterhalten. Nach ein paar Tagen wusste er bemerkenswerter weise auch alle unsere Namen und dass wir im Laufe der Zeit zumindest ein paar Wörter Thai lernten, machte die Kommunikation etwas leichter.

Nach der Zeremonie durften wir dann auch endlich frühstücken. Das Essen erschien zuerst abwechslungsreich, allerdings gab es dann 3 mal am Tag ungefähr das gleiche und nach einer Woche konnte ich den Reis morgens, mittags und abends nicht mehr sehen. Da war es ein Highlight, am Wochenende endlich ins Dorf zu einem 7-11 zu kommen. Nachmittags oder abends waren wir dann meistens wieder im Tempel zur Meditation. Allerdings bekamen wir anfangs recht wenig Anleitung und teilweise war es schwierig, den Erklärungen trotz unseres Übersetzers zu folgen. Jeden Tag Tempel wurde auf die Dauer auch etwas viel. Allerdings gaben sich die Mönche viel Mühe mit uns und hatten einige Ausflüge geplant. Am Samstag machten wir vormittags einen Ausflug zu einem anderen Kloster und einer Art Kulturzentrum. Sonntagmorgens mussten wir dann sehr sehr früh aufstehen, um den  Mönchen beim Almosengang durch das Dorf zu folgen. Das war eine interessante Erfahrung, wenn auch sehr früh am Morgen. In der buddhistischen Kultur haben die Mönche einen sehr hohen Stellenwert und so stehen des morgens viele Leute an der Straße, die den Mönchen Essen anbieten, was man so vielleicht nicht direkt erwarten würde.

Leider blieb uns am Wochenende insgesamt sehr wenig Freizeit für eigene Unternehmungen. Allerdings nutzten ich und einige andere den Sonntagnachmittag, um nach Ubon- der nächstgelegenen größeren Stadt - zu fahren, wo es sogar ein recht großes Einkaufszentrum gab. Eine besonders beeindruckende Erfahrung war der Besuch im internationalen Kloster zu Beginn der zweiten Woche. Die Mönche dort stammten u.a. auch aus Australien und Deutschland. Dadurch, dass es also keine Sprachprobleme gab, konnten wir auch einiges mehr über den Buddhismus erfahren und alle Fragen stellen. Ein Workcampler aus Belgien entschloss sich sogar, im Anschluss an das Camp einige Tage dort zu verbringen.

Besonders die Freundlichkeit der Leute in der Provinz Amnat Charoen war faszinierend. Normalerweise ist Amnat Charoen alles andere als eine touristische Provinz, sodass wir eine Riesenattraktion waren; auch wenn das auf Dauer etwas anstrengend werden konnte. Insbesondere die Kinder in den Schulen waren nach der anfänglichen Scheu sehr anhänglich und wollten sogar Autogramme von uns. In der ersten Woche durften wir 2-3 Tage in den nahegelegenen Schulen Englisch unterrichten. Erst war es ein Sprung ins kalte Wasser, da uns nur gesagt wurde, dass wir am nächsten Tag unterrichten sollten. Allerdings hatten wir keine Vorstellung davon, wie alt die Kinder waren und ob sie überhaupt Englisch konnten. Zu unserer Erleichterung durften wir dann jedoch teilweise zu zweit in eine Klasse und es hat wirklich Spaß gemacht. Die Kinder konnten zwar kaum Englisch, dafür waren sie sehr lieb und haben sich für alle Spiele wie Hangman und Musical Chairs begeistert. Deshalb fand ich es schade, dass der Abt Ende der ersten Woche entschied, dass wir in der zweiten Woche einen Wasserfall auf dem Tempelgelände reparieren sollten, anstatt zu unterrichten.

Im Allgemeinen hatte die tatsächliche Arbeit jedoch wenig zu tun mit der Programmbeschreibung, die vor allem Waldarbeit angekündigt hatte. Im Grunde war dort auch kein „Wald“, außer dem kleinen Wäldchen um den Tempel. Die Arbeit am „Nam Tok“ (Wasserfall) bestand weitgehend darin, die Erde von links nach rechts zu schaufeln. Ob das wirklich Sinn machte, sei an dieser Stelle dahin gestellt. Allerdings mussten wir verhältnismäßig wenig arbeiten, da auch in der zweiten Woche volles Programm war. Neben dem Besuch im internationalen Kloster wurden wir vom Governor der Stadt empfangen und durch diverse Abteilungen der Provinzverwaltung geführt. Ein bisschen kamen wir uns vor wie wichtige Staatsgäste jeder bekam sogar ein regionales Produkt wie eine Matte, eine Decke oder eine Tasche geschenkt.

Ein „spiritueller Höhepunkt“ war der Mittwoch der zweiten Woche, an dem wir den Tag als „fast echte“ Novizen im Tempel verbringen sollten. Alle trugen weiß und wir bekamen wie die Mönche und Nonnen morgens auch nur eine Mahlzeit. Jungen und Mädchen durften sich gegenseitig nicht berühren und wenn man sich gegenseitig etwas geben wollte, musste man den Gegenstand erst auf den Boden stellen. Darüber hinaus durfte man nicht singen oder Musik hören und wenn man etwas trinken wollte, musste man das im Sitzen tun. Morgens um halb zehn genug für den ganzen Tag zu essen, war jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Den Großteil des Tages verbrachten wir im Tempel mit verschiedenen Meditationstechniken (e.g. walking meditation etc.). Unglaublich, wie müde man am Abend von einem Tag sitzen sein kann! Die Jungen durften an diesem Tag im Tempel übernachten und 3 von ihnen sogar wie die Mönche jeder in seiner eigenen Hütte im Wald.

Am Donnerstag fuhren wir dann mit den Mönchen zu einer Hauseinweihungszeremonie, wo es wieder viel zu essen gab und danach wurden wir dann von unseren Homestay-Eltern abgeholt, bei denen wir einen Tag und die folgende Nacht verbringen sollten. Ich wohnte bei einer Lehrerin, die ich bereits aus der Schule kannte. Da ihre Tochter jetzt in den USA lebt und ihr Mann tot ist, hat sich mich quasi als ihre Ersatztochter behandelt. Ich bin also mit ihr in die Schule gefahren zum Unterrichten und danach hat sich mich zum essen eingeladen (Hamburger und Eis; eine Sensation nach 2 Wochen Reis!). Abends kamen dann noch eine Freundin und ihre 12-jährige Tochter zu Besuch. Nach dem Abendessen fuhren wir dann mit ihnen auf den Markt und zu deren Haus. Danach kam das Mädchen wieder mit zu uns zurück, um bei uns zu übernachten. An dem Abend habe ich sogar noch ein paar weitere Wörter Thai gelernt.

Am Morgen des nächsten Tages, dem letzten Tag, haben wir dann zusammen mit den Homestay-Familien draußen vor dem Tempelgelände den Mönchen das Essen angeboten. Danach haben wir dann den Tag damit verbracht, Bäume zu pflanzen und zusammen mit den Mönchen am Wasserfall zu arbeiten. Abends mussten wir dann internationales Essen für die Abschiedsparty vorbereiten. Mangels einer größeren Auswahl gab es im Endeffekt allerdings Kartoffeln und Gemüse in allen denkbaren Variationen. Die Abschiedsparty, die in einem anderen Gebäude im Dorf statt fand, war wirklich eine Überraschung. Die Homestay-Familien waren auch da (und hatten zum Glück auch noch Essen mitgebracht) und die Mädchen haben sogar einen Tanz für uns aufgeführt. Dann gab es noch weitere Zeremonien: u.a. bekam jeder von uns von Leuten aus dem Dorf weiße Glücksbändchen umgebunden, sodass jeder von uns am Ende bestimmt 20-30 Stück hatte. Nach dem internationalen Essen mit den Familien fand noch eine Art Disco für uns statt. Das war auch schon das Ende des Camps… am Samstagvormittag wurden wir per Pickup wieder zur Busstation gebracht und es hieß dann sawadee-kah und khop khun kha für tolle 2 Wochen! Besonders durch die Freundlichkeit der Menschen und die Vielfalt der Eindrücke war es ein unvergessliches Erlebnis!