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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Denrat, Roi Et

Sawadee,

Mein Name ist Silke Bühler und ich bin 21 Jahre alt. Ich habe Juni bis Mitte September 2007, also dreieinhalb Monate, in Thailand verbracht und möchte nun gerne meine MTV Erfahrung bei Greenway (neuer Name: Pittaya Suwan) mit euch teilen.

Mein Camp befand sich im Nord Osten Thailands, in der Provinz Roi Et, das Dörfchen hiess Denrat und das Projekt trug den Namen `Kulturaustausch`. Sehr breit gefächert, das Ganze. Dementsprechend bunt gemischt waren auch meine Tätigkeiten. Bei Greenway ist es generell so, dass man sehr viel Freiheiten hat was Projektgestaltung betrifft. Die meisten Volontäre kamen damit super klar und blühten völlig auf, übertrumpften sich gegenseitig mit neuen Ideen, es war herrlich, doch leider musste ich auch sehen, wie eine Person mit dieser `Freiheit` weniger gut klarkam, da sie eher eine fest vorgegebene Struktur und einen strikten Zeitplan erwartet hatte.

Ich persönlich benötigte eine Woche um zu verstehen, wie der Hase läuft. Als ich bei jedem Projekt mal reingeschnuppert hatte entschied ich mich, an zwei Tagen der Woche beim Öko und Agrar-Projekt mit den andern Volontären mitzumachen, an den übrigen drei ging ich zu Grundschulen, wo ich den Kindern beibrachte, englische Buchstaben zu lesen, was mit einer geballten Menge Spaß verbunden war. Ich versuchte, den Kindern spielerisch näher zu bringen, welchen Zweck diese Buchstaben, die sie zwar im Alphabet auswendig rauf- und runterpredigen können, jedoch sonst rein gar nichts drüber wussten, überhaupt haben. Die Kinder schrieen nur so nach Spielen und so packte ich alles in irgendwelche Buchstaben-Zusammenfüg-Puzzle-Spiele, die ihnen solch einen Spaß bereiteten, dass ich nach jeder Unterrichtstunde darum flehen musste, mich gehen zu lassen, die Vertröstung auf Morgen half selten. Soviel pure Freude mit solch fröhlichen und ausgelassenen Kindern, die mir nicht aufs Wort sondern auf Mimik und Gestik gehorchten, machte mir erneut deutlich, dass Körpersprache so viel bewirken kann und dass Sprachbarrieren nicht zwingend eine wirkliche Barriere darstellen müssen.

Doch noch mal zurück zum Unterricht: In den drei Monaten konnte ich durchaus ein Verständnis für die einzelnen Buchstaben vermitteln, sogar einige kleine Wörtchen können die Kinder nun lesen, doch bis sich dieses neue Wissen durch Übung und Wiederholung verfestigen kann, benötigt es Volontäre, die an dieser Stelle anknüpfen möchten und weiter unterrichten, die nicht wie es viele der Thai Lehrer gerne hätten, Alltagsfloskeln lehren wie z.B. "Hello, where is the train station?", welche ohne sie nachschlagen und lesen zu können nach einer Woche sowieso wieder aus den Gedächtnissen der Kinder verschwinden. Voraussetzung für Vokabeln lernen ist die Fähigkeit, zu lesen. Und dies zu unterrichten bereitete mir einen Heidenspaß. Wer Interesse am Unterrichten hat, kann sich bei mir melden, ich gebe gerne Tipps mit auf den Weg.

Die anderen Projekte waren Umweltprojekte, in denen wir einen See von Algen befreiten (Projekt wurde allerdings bald wegen Sinnlosigkeit und fehlendem Fachwissen abgebrochen) oder die Dorfstrassen von Müll befreiten und viel Umweltschutzaufklärung machten.

Als dann mal ein neues Projekt (wie z.B. mein Lesen-Lern-Projekt) auf den Beinen stand, hatte ich auch meinen mehr oder weniger fest geregelten Zeitplan. Humane Aufstehzeiten, ein wenig mit Anpacken beim Haushalt (Arbeitsteilung) und beim Kochen sowie ausreichend Zeit um Dinge für sich selbst zu tun. Eine gute Mischung, fand ich. Die Wochenenden standen uns komplett zur freien Verfügung, wir düsten immer entweder in eine Stadt oder in einen Nationalpark, die / den wir noch nicht kannten. Huuuh, spannend!

Ich war zusammen mit den verschiedensten Leuten untergebracht. Franzosen, Iren, Finnen, auch mit einem Deutschen. Und zwei Thai Volontären. Wir waren immer zwischen 3 und 6 Leuten im Haus. Allerdings nur, wenn man die `permanent residents` zählt. Besuch hatten wir jeden Nachmittag von den Kids, mit denen wir spielten oder sie bei uns spielen ließen. Wer wollte, unternahm etwas mit den Kindern, wer lieber entspannen wollte, wurde dabei nicht gestört.

Nicht nur bei solchen Fragen sondern immer, rund um die Uhr, klappte es mit der Verständigung unter uns Volontären prima. Mit der anfänglichen Hausbesatzung lief es noch eher distanziert und sachlich, jedoch trotzdem freundlich und nett, in den letzten zwei Monaten hatte sich die Hausbesatzung zu einer großen `Happy Family` entwickelt, wir entfernten sogar die Vorhänge, die unser großes Schlafzimmer im Dachgeschoss in kleine Einzelzimmerchen unterteilten, damit wir gemeinsam in einem Raum schlafen konnten. Wir unterstützten uns gegenseitig und wann immer ich einen neutralen Beobachter und Berater für meine Unterrichtsmethoden brauchte, kam jemand mit mir zur Schule um mir mit seiner Kritik weiterzuhelfen.

Wie bereits beschrieben, verbrachten wir die Nächte oben, tagsüber hielten wir uns unten im kühleren `Wohnzimmer` auf. Aber wenn´s euch genauer interessiert, ich hänge noch einige Fotos an, wo auch das Badezimmer, das schon mal ein Abenteuer für sich ist, zu sehen sein wird.

Die saftig grünen Bananenstauden und Reisfelder, das gesunde Essen und die tropische Wärme müsst ihr euch allerdings selber vorstellen, denn kein Foto bringt das rüber.

Was ich auch noch erwähnen möchte auf die Gefahr hin dass mein Bericht zu lang wird, ist das Dorfgeschehen. Auch in Zeiten als wir keine Thai Volontäre im Camp hatten und somit keinen Schimmer hatten, was die Leute auf Thai so zu uns sagten, wurden wir zu diversen Festen eingeladen und stets nur mit dem Besten vom Besten versorgt. Von Mönchszeremonien über eine Hochzeit, Kochen für Mönche bis hin zur Totenfeier durfte ich alles miterleben. Außerdem wurden wir öfters mal von Lehrerinnen bekocht, hmmm. So passierte es auch fast wie von selbst, dass man immer mehr Thai Wörter aufschnappt und sich sogar ein wenig verständigen kann.

Mit der Betreuung während des MTV von Seiten Greenways lief es so, dass ca. ein Drittel der Zeit Thai Volontäre vor Ort im Camp lebten, die restliche Zeit kümmerten wir uns eigenständig um Einkauf oder Kontakt zu den Dorfbewohnern (was oftmals eine kleine Herausforderung war). Betreuung von Seiten der ijgd war gegeben, vor allem als eine Greenway Koordinatorin durch ein Missverständnis und mangelnde Kommunikation ein schlechtes Bild von mir bekam, ohne mich persönlich darauf anzusprechen. Lourens De Jong nahm dann Kontakt zu mir auf, daraufhin klärte sich alles.

Ich schätze, dass eigentlich jeder, der sich die Zeit nimmt, sich diesen Bericht durchzulesen, auch generell Interesse an einem MTV hat und wahrscheinlich schon eins vorhat ;-). Im Nachhinein kann ich nur sagen, waren alle Bedenken, die ich während der Entscheidungsphase hatte, absolut umsonst. Wir wurden auf den ijgd Seminaren bis aufs kleinste Detail vorbereitet, was sich nicht ausschließlich positiv auf mich auswirkte, sondern entwickelte ich in mir auch kleine Zweifelchen ob ich diesem Kulturschock überhaupt gewachsen bin oder ob ich wirklich nur Reis mit Gemüse essen kann drei Monate lang [...]. Aber nun kann ich sagen, dass all diese mentale Vorbereitung, die man auf den zwei Seminaren kriegt, perfekt ist, man ist auf den `worst case` vorbereitet und nimmt nämlich den Aufenthalt nicht einfach wie einen Urlaub auf die leichte Schulter, weiß, dass möglicherweise nicht alles so laufen wird wie man sich vorher ausgemalt hatte, vor Ort ist man dann umso entspannter weil man merkt, solange man eine Aufgabe zu erfüllen hat fühlt man sich super, tja, wie in einem sinnvollen Urlaub. Also glaubt mir, egal was ihr schreckliches über das Land eurer Wahl vernehmt, es liegt auch immer ein wenig an euch selbst, was ihr draus macht. Auf keinem Fall aber solltet ihr euren Plan abblasen. Eine solche MTV Erfahrung bringt nicht nur einem selbst sehr, sehr viel. Auch den Leuten, mit denen man am MTV Ort zusammenarbeitet, schenkt man viel Freude.

Ich durfte viel Freude schenken - und überwältigend viel Freude kam an mich zurück. Dieses `Naturgesetz` möchte ich auch in meinem weiteren Lebensverlauf immer anwenden, also werde ich mir eine Ausbildung in dieser Richtung suchen. Ich habe vor, Sozialpädagogin zu werden. Ausserdem denke ich darüber nach, ein Workcamp in Deutschland zu leiten und zu gegebener Zeit ein weiteres MTV zu machen - gerne auch über ijgd.


Silke Bühler