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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Thailand 2010

Erfahrungsbericht Lara E.
Name der Partnerorganisation: Greenway
Thailand
Name und Ort des Projektes: GW 09-08 Inbur Village – Social, Singburi,
Inhaltliche Ausrichtung: Teaching
Zeitpunkt: Januar 2010 – März 2010


Hallo, mein Name ist Lara E. und ich habe von Januar bis März 2010 ein MTV bei Greenway in Thailand gemacht. Genauer gesagt war ich in Singburi, einem kleinen Dorf zwei Stunden nördlich von Bangkok. Dort habe ich zwei Monate lang mit den anderen Freiwilligen in einer Schule gearbeitet, die gleichzeitig auch ein Waisenhaus war. Wir haben sowohl Englisch unterrichtet als auch Wände gestrichen, Fliesen gelegt usw.

Bevor ich Mitte Januar ins Flugzeug nach Bangkok stieg hatte ich die Vorstellung im Kopf dass das Leben in Thailand etwas chaotisch aber die Menschen auch sehr hilfsbereit seien. Bei meiner Ankunft am Flughafen bestätigte sich beides.
Greenway hatte mir zugesichert, dass mich jemand abholen würde, doch als ich abends in Bangkok landete, war niemand von ihnen da. Also lief ich mit meinem schweren Wanderrucksack im Flughafengebäude auf und ab und stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch, als mich ein Mann von der Security  ansprach. Ich schilderte ihm mein Problem und zeigte die Telefonnummern von Greenway, die ich dabeihatte, und er verstand mich offenbar, denn er brachte mich zu einem Infostand. Hier bemühten sich die Mitarbeiterinnen vom Flughafenpersonal  darum, jemanden bei Greenway zu erreichen. Außerdem hatten sie auch noch aufmunternde Worte und das typische thailändische Lächeln für mich übrig. Wären sie nicht gewesen - ich wäre vermutlich in den nächsten Flieger nach Hause gestiegen. So aber wartete ich, bis ein Greenway-Koordinator kam, um mich abzuholen.
Am nächsten Tag war ich dann im Greenway-Camp in Singburi: ein großer Aufenthalts- und Essbereich am Eingang, dahinter viele kleine Bungalows mit geräumigen Vier- oder Sechsbettzimmern zwischen Sträuchern, Bäumen und Rasenstücken. Ich fühlte mich sofort wohl.
Ein thailändisches Ehepaar wohnte in dem Camp und kümmerte sich um uns Freiwillige. Sie kochten für uns, putzten unsere Zimmer und bemühten sich trotz ihres eher dürftigen Englisch nach Kräften, uns alle Fragen zu beantworten und alle Wünsche zu erfüllen.
Die ersten Tage waren voller neuer Eindrücke und vergingen wie im Flug. Die Schule, die Kinder und die wortlose Kommunikation mit ihnen, das Arbeiten mit den sechs anderen Freiwilligen, die gemeinsamen Abende im Camp – das alles gefiel mir sehr Als ich das erste Mal alleine vor einer Klasse stand, fühlte ich mich dagegen leicht überfordert. Und mein erstes Wochenende in Singburi war geprägt von Langeweile und Heimweh.

Glücklicherweise kamen eine Woche später rund 30 neue Freiwillige zu uns und die Introduction Week begann. Wir besichtigten Tempel, machten eine Bootsfahrt, lernten, thailändisch zu kochen und Thai zu sprechen und schlossen Freundschaften. Ich teilte mir mein Zimmer mit einer in England lebenden Schwedin, saß beim Frühstück neben einer Israelin, unterrichtete zusammen mit einer Finnin und einer Amerikanerin, lernte beim Mittagessen Französich und Holländisch – und verlernte fast, Deutsch zu sprechen, bis auch eine Österreicherin ins Camp kam.
Nach der Introduction Week nahm ich noch an der Culture Week teil, in der wir viel über den Buddhismus lernten und sogar bei Mönchen im Kloster übernachteten.
Dann ging es zurück an die Arbeit.
Um 8 Uhr frühstückten wir, dann wurden wir zur Schule gefahren, wo wir bis 15.30 Uhr arbeiteten, unterbrochen nur vom Mittagessen und einer kurzen Mittagspause. Aber die Arbeit machte großen Spaß. Wir konnten uns selbst Projekte ausdenken und entscheiden, wo wir arbeiteten. Als Geld gebraucht wurde, um einen neuen Fußboden für den Jungenschlafsaal zu bauen, starteten wir einen Spendenaufruf und sammelten so viel Geld, dass wir davon das nächste Projekt gleich mitfinanzieren konnten. Und als wir anfingen, uns in kleinen Gruppen zusammenzusetzen und die Unterrichtsstunden zu planen, fand ich auch Gefallen am Unterrichten.
Mittwochs hatten wir „half day“, arbeiteten also nur vormittags und verbrachten den Nachmittag im Schwimmbad. Abends gingen wir ins Internetcafe oder an die Bar, zwei Mal die Woche fuhr unser Koordinator uns in die Stadt, wo wir Einkäufe erledigen und Eis essen konnten, und außerdem gab es einen Fernseher mit DVD-Player, den wir ab und an benutzten. Das einzige Problem waren die Moskitos, die einen trotz Moskitospray und auch durch die Kleidung hindurch stachen.
An den Wochenenden machte ich gemeinsam mit ein paar andere Freiwilligen Ausflüge nach Bangkok oder zu den Wasserfälen in Kanchanaburi, nach Pattaya und einmal sogar in den Süden, zu den Traumstränden auf Koh Tao und Koh Pangan.
Einige Freiwillige blieben nur für zwei Wochen, andere waren noch da, als ich im März wieder abreiste. Mit einigen hatte ich nicht viel zu tun, mit anderen schloss ich Freundschaften, die sich sicher nicht nur auf die Zeit in Thailand beschränken werden. Aber das schönste von allem war für mich der Umgang mit den Kindern.

Die Kinder kommen aus dem ganzen Land nach Singburi, um dort eine der wenigen kostenlosen Schulen zu besuchen. Viele sind Waisen, andere haben so arme Eltern, dass diese sie nicht ernährend können. Also leben sie in der Schule, schlafen in dünnen Decken auf dem Fußboden, arbeiten am Wochenende auf dem Feld, um ein bisschen Geld zu verdienen, und lernen hoffentlich genug Englisch, um später einmal einen guten Job zu ergattern. Man könnte denken, sie führten ein tristes Leben. Aber sie sprühen nur so vor Lebensfreude! Jede Kleinigkeit kann sie begeistern, alles, was sie haben, wollen sie mit den Freiwilligen teilen, und manchmal kommen sie einfach zu einem gelaufen und wollen in den Arm genommen werden.
Die Kinder waren meine Motivation, für sie konnte ich auch bei 40 Grad im Schatten auf dem Boden sitzen und alte Farbe von einer Wand abkratzen oder von Hand den Zement mischen, bis ich Rückenschmerzen hatte. Aber auch die anderen Freiwilligen waren eine große Hilfe. Wir waren in der gleichen Situation, hatten die gleichen Pläne und Probleme und konnten uns immer gegenseitig helfen.
So kam es, dass mir der Abschied nach nur zwei Monaten alles andere als leicht fiel. Einige von den Freiwilligen werde ich wiedertreffen, das weiß ich. Aber ich werde nie erfahren, was aus in Kindern in der Schule wird, was für eine Zukunft sie haben werden.

Für meine eigene Zukunft ist mir dagegen einiges klar geworden: dass man an seinen Träumen und Idealen festhalten sollte, weil es eben doch geht, die Welt im Kleinen ein bisschen zu verbessern, dass man aber auch kleine Erfolge zu schätzen wissen und jeden Augenblick genießen sollte.
Weniger Perfektionismus und Sorgen, mehr Ruhe und Vertrauen – das ist es wohl, was die thailändische Kultur von der deutschen Unterscheidet. Und ich muss sagen, sobald man sich an diese so andere Lebensart gewöhnt hat, ist sie unglaublich angenehm.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass ein MTV immer auch ein Abenteuer ist – aber eins, das ich jederzeit wieder machen würde!