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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Workcamp in Hanyigba

Schon lange hegte ich den Wunsch irgendwann einmal nach Afrika zu reisen. Im Sommer 2003 hatte ich über IJGD schon an einem Workcamp in Süditalien teilgenommen und so entschloss ich mich, diesen Sommer an einem Camp in Afrika teilzunehmen, was möglich war, da ich im gleichen Jahr endlich auch 18 wurde. Für ein Workcamp entschied ich mich, da man so einen Einblick in die Kultur des Reiselandes bekommt und auch Kontakt mit der Bevölkerung hat. Nachdem ich mich im Herbst bei IJGD angemeldet hatte, folgten an Ostern und Pfingsten die beiden verpflichtenden Vorbereitungsseminare. Durch diese Seminare hab ich die Möglichkeit bekommen mich auf das Workcamp in Afrika vorzubereiten und hab außerdem noch viele andere nette Leute kennen gelernt, die das gleiche vorhatten wie ich.

Ende Juli ging es dann endlich nach langer Vorbereitung los und ich saß im Flugzeug nach Accra, Ghana. In Accra traf ich mich mit Franziska, die ich beim Vorbereitungsseminar kennen gelernt hatte und die am gleichen Camp teilnahm wie ich. Zusammen machten wir uns auf den Weg nach Kpalimé, wo das Büro der togolesischen Organisation ASTOVOCT liegt. Wir waren die ersten und lernten erst einmal wie es ist mehrere Stunden zu warten, was wir später noch öfters erleben sollten. Aber auch die Zeit des Wartens war irgendwann vorbei und wir, 2 Deutsche, 4 Französinnen und 7 Togolesen machten uns auf nach Hanyigba, einem kleinen Ort, der ungefähr 3 Kilometer von Kpalimé entfernt liegt. Schon auf der kurzen Busfahrt bekamen wir das „afrikanische Leben“ zu spüren. Es wurde getrommelt, gesungen und geklatscht, so dass der Bus noch mehr schwankte als nur durch die Schlaglöcher in der Straße.

Unser vorläufiges Zuhause war bei einer afrikanischen Familie, die uns sehr herzlich empfang und uns 5 Räume zur Verfügung stellte. Hier erlebten wir auch zum ersten Mal den afrikanischen Alltag hautnah: Fufu stampfen, Wasser vom Fluss holen und auf dem Kopf nach Hause tragen und bei Dunkelheit draußen duschen und dabei von Moskitos zerstochen werden. Zu unseren ersten Aufgaben gehörte, dem Dorfchef zu salutieren und auf ihn ein Glas Togo-Gin zu trinken. Die erste Woche konnten wir leider nicht viel arbeiten, da Ende der Woche die Beerdigung der Mutter des Dorfchefs stattfinden sollte. Wir säuberten den Ort von Abfällen, hängten Mülleimer auf und gruben einen Graben neben einer Straße, damit das Wasser in der Regenzeit ablaufen kann und die Straße (die übrigens zum Haus des Dorfchefs führte) befahrbar bleibt.

Am Ende unserer ersten Woche nahmen wir dann an der Beerdigung der Mutter des Dorfchefs teil und bekamen so einen ersten Einblick in die Kultur. Nach der Beerdigung mussten wir unser erstes afrikanisches Zuhause verlassen und in das Gästehaus des Dorfchefs ziehen, das jedes Jahr den Workcampteilnehmern zur Verfügung steht. In der ersten Woche wurde es noch von den Gästen, die zur Beerdigung angereist waren belegt. Für afrikanische Verhältnisse eröffnete uns dieses Haus einen großen Luxus: fließendes Wasser dank Wassertank, eine schöne Veranda, mehrere Zimmer mit richtigen Betten und einem großen Garten.

Nachdem die Beerdigung nun vorbei war, hofften wir endlich richtig mit der Arbeit anzufangen, aber leider wurde daraus nichts. Wie sich später herausstellte gab es in dem Dorf einen Konflikt zwischen dem Dorfchef und der Bevölkerung, was sich auch auf uns auswirkte, da wir so vom örtlichen Entwicklungskomitee keine Arbeit zugewiesen bekamen. So verbrachten wir die nächsten zwei Wochen damit mit den Kindern zu spielen, zu Batiken oder etwas beim Aufbau des „centre culturel“ zu helfen. Mittags liefen wir sehr oft nach Kpalimé um dort einzukaufen, Fan Milk zu essen oder im Internet zu surfen. Am Wochenende machten wir alle zusammen einen Ausflug zur „cascade de Kpimé“. Auch hier wurden wir allerdings wieder mit stundenlangem Warten konfrontiert, das sichtlich an unseren Nerven zehrte. Insgesamt betrachtet hab ich in diesen 3 Wochen sicherlich ein anderen Verhältnis zur Zeit bekommen und es fällt mir um einiges leichter lange zu warten (so was kann man anscheinend auch üben). Am meisten Kontakt hatten wir in „unserem“ kleinen Dorf Hanyigba zu den Kindern, die uns täglich besuchten und uns ständig mit einem uns entgegenschallenden ’’Yovo! Yovo! Bonsoir! Ca va bien! Merci!’’ willkommen hießen.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich 3 sehr erlebnisreiche Wochen in Hanyigba verbracht habe, in denen mir einige Menschen sehr ans Herzen gewachsen sind. Es gab zwar einige Probleme (zum Beispiel, dass wir nie richtig gearbeitet haben), aber doch war das Workcamp eine tolle Chance um mehr vom Leben der Togolesen und ihrer Kultur zu erfahren und auch um Kontakte zu knüpfen. Wer also mehr will, als nur von einem Ort zum anderen zu Reisen und Einblick in das Leben in einem kleinen Dorf bekommen will, ist hier gut aufgehoben.