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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

Der 12. Juli 2006 – das erste Mal, dass meine Füße afrikanischen Boden unter sich spüren. Anne, die ich auf dem Vorbereitungsseminar kennen gelernt habe, und ich sind bereit für knappe 4 Wochen Workcamp in Togo. Zunächst einmal landen wir jedoch in Accra, der Hauptstadt von Ghana, und werden auch direkt von Godsway empfangen. Unsere Befürchtung, um elf Uhr abends alleine am Flughafen zu stehen und unser 48 Stunden Transitvisum für Ghana dahinfließen zu sehen hat sich zum Glück nicht bewahrheitigt.

Nach einer Nacht in einem, wie uns später klar werden sollte, sehr luxuriösem Hotel mit echtem Bett, Dusche, Toilette und sogar mehr oder weniger funktionierendem Fernseher, machen wir uns schon um 8 Uhr morgens auf den Weg nach Kpalimé/Togo, wo wir die restlichen 2 Tage bis zum Beginn unseres Workcamps in Agripatodzi im Sitz von ASTOVOT verbringen werden. Nach Stationen in Hoo und Nyivé und den ersten Eindrücken, erreichen wir schließlich gegen 17 Uhr unser Ziel. Und hier ein ganz wichtiger unbedingt zu beachtender Hinweis: nehmt keinen Koffer mit!!! Auch wenn euch das in Deutschland aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen praktisch erscheinen sollte oder euch so verrückte Gedanken wie: „Ich schaff das schon“, „soo schwer ist der Koffer ja gar nicht“ oder „Rollis kann man ja auch ziehen“ durch den Kopf gehen sollten – bloß nicht. Ich habe es bitter bereut, allerspätestens als mich Marie-Ange von Astovot fragte, warum ich Steine aus Deutschland mitbringe – und mich von diesem Tag an nur noch die „Steinfrau“ nannte.

Nachdem das Gepäck in den von Astovot für Freiwillige angemieteten Zimmern verstaut waren, wir die ersten Authanwolken über uns ausgebreitet sowie unsere erste Begegnung mit afrikanischen Kakerlaken hinter uns gebracht hatten, wurden wir von Sylvestre, dem Generalsekretär der Organisation Eli, einem Mitarbeiter und Georges, unserem Campleiter, empfangen. Wichtige Dokumente konnten wir in ihrem Büro einschließen lassen, sodass wir uns nicht ständig darüber Gedanken machen mussten, wo unsere Travellercheques oder Flugtickets verstaut sind. Bereits in Kpalimé gab es ein deutsch.deutsches ijgd-internes Wiedersehen: Franziska, deren Workcamp ausgefallen war und die nun bei uns mit von der Partie war, war ebenfalls dort. Und auch die fränzösische Fraktion unseres Workcamps lernten wir bereits vor dem eigentlichen Beginn kennen: Emilie, Cécile, Maude und Gautier.

Was soll man sagen, die Tage bis zum Workcampbeginn vergingen schnell, es wurden Rastas geflochten, das hiesige Essen, Liam und Maniok, gekostet und einen Tag verbrachten Anne und ich in der eigentlich nur ca. 2 Autostunden entfernt liegenden Hauptstadt Lomé, um unser Geld und unsere Travellercheques in cfa umzutauschen. Am Samstag, den 15.7. ging es dann los: Der gelbe Astovotbus stand bereit um uns – insgesamt 18 – Workcampler, darunter 4 Franzosen, 1 Holländer, 3 Deutsche und 10 Togolesen, zu unserem circa 20 Minuten entfernt liegendem Dorf zu bringen: Agripatodzi.  
 
Die Dorfautoritäten und Bewohner empfangen uns auf dem Dorfplatz mit herzlichen Worten auf ewe, der eigentlichen Sprache dieser Region, die für uns auf Französich übersetzt werden, Trommeln und Tanz. Danach werden wir zu unserem Haus geführt, in dem wir die nächsten 21 Tage wohnen werden. Der Hausherr, sozusagen unser Vermieter, empfängt uns mit Limonade und Togogin, einem nicht zu unterschätzenden alkoholischem Getränk, dessen Bekannschaft wir noch öfter machen werden. Die beiden „Schlafzimmer“ werden eingerichtet, nach einigen Bemühungen hängen dann doch tatsächlich alle Moskitonetze und die Gruppe nimmt ihr erstes gemeinsames Abendessen ein. Die ersten „Rituale“ werden schon jetzt eingeführt – nach dem Essen wird geklatscht: Deka éwé, éwé blao …und dann jeweils die anstehenden Dinge verkündet: Am ersten Abend erklärt uns Georges, dass es einen Ämterplan gibt, in dem jeder für die folgenden Ämter: Küche, Wasserholen, Haushalt und Spülen eingeteilt ist. Außerdem wird jeden Morgen nach dem Frühstück um 7h30 ein Bericht über die wichtigsten Ereignisse des Vortages vorgelesen, der immer abwechselnd von den Freiwilligen verfasst wird.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, arbeiten wir noch nicht, sondern richten uns noch weiter ein – gehen zum Brunnen Klamotten waschen oder Wasser zum Duschen holen, gucken uns Dorf und Umgebung etwas genauer an – und Nachmittags besuchen wir noch mal mit der ganzen Gruppe die Autoritäten des Dorfes, um uns vorzustellen und uns für ihren Empfang zu bedanken. Als Begrüßung erhalten wir in jedem Haus etwas Togogin – und in Trommeln und Tanzen neigt sich der Sonntag seinem Ende zu. Montags beginnt dann endlich die Arbeit. Wir Europäer merken sehr schnell, dass uns die Dörfler an Kraft und Ausdauer weit überlegen sind, aber wir geben unser bestes. Das 2. Schulgebäude der Dorfschule soll fertig gestellt werden: in den ersten Tagen jeder Arbeitswoche gehen wir jeder mit einer Art Eimer bewaffnet in den Wald um Sand zu holen – in der dritten und letzten Woche schaffen wir es sogar (meistens), den Eimer ohne die Hände zur Hilfe zu nehmen auf dem Kopf balancieren zu lassen. Wenn genug Sand zum Betonmischen herbeigeschafft ist, wird der vorläufige Sandboden der Schule aufgehackt und geebnet. Dann schließlich wird der Zement in Eimern in das Klassenzimmer gegossen und verteilt. Wenn wir in diesem Arbeitsrythmus gestört werden, weichen wir darauf aus, Steine zu gießen, die dann später in die nach nicht vorhandenen Längsmauern des Gebäudes eingebaut werden sollen.

Diese Arbeit füllt also die Vormittage unserer Gruppe aus, während wir uns an den Nachmittagen Theater- und Tanzproben widmen, um uns so gebührend wie möglich von den Dorfbewohnern zu verabschieden. Bereits bei den Proben, die in einem der 3 Klassenzimmer des bereits fertig gestellten Schulhauses stattfinden, werden wir von neugierigen Blicken observiert – und unsere zu anfangs zugegeben etwas ärmlichen Versuche, uns dem afrikanischen Rhythmusgefühl anzupassen, erfreuen vor allem die jungen Dorfbewohner sichtlich. In dem Theaterstück geht es darum, Hygieneregeln und Krankheitsübertragungswege näher zu bringen, in dem man eine Situation darstellt, die sich auch in diesem Dorf abspielen könnte: Es ist eine Epidemie ausgebrochen, viele Dorfbewohner sind bereits gestorben, die Symptome sind Durchfall, Erbrechen und heftige Bauchschmerzen. Die Dorfbevölkerung glaubt, in 3 ihrer Mitbewohner die „bösen Geister“, die Ursache der Todesfälle erkannt zu haben und will die 3 Männer umbringen. Doch die Direktorin der Schule kommt ihnen zuvor und stellt ihnen eine Gesundheitsagentin vor, die den zunächst kritischen Dorfbewohnern zeigt, dass sie die Epidemie nur eindämmen können, indem sie bestimmte Hygieneregeln beachten. Die Tänze sind von Georges, Kossi und Djahlil entworfen worden und klappen mit der Zeit auch immer besser. Die Aufführung am Ende des Workcamps muss zwar wegen des Regens in die Kirche verlegt erden, ist aber trotzdem relativ gut angekommen. Insgesamt hat mir der Aufenthalt im Dorf sehr gut gefallen, die Menschen waren sehr gastfreundlich und die Kinder riefen jedes Mal „Jovo, Jovo!“ – „Weiße!Weiße!“ wenn sie uns sahen.

Die Wochenenden verbrachten wir mit Einkaufsbummeln in Kpalimé – Stoffe, abgepacktes Wasser ohne Chlor und natürlich die Schokokekse warteten auf uns. Am letzen Sonntag unseres Workcamps wanderten bzw. kletterten bzw. rutschten wir zu einem Wasserfall, in dem wir dann auch schwimmen durften.

Als Fazit bleibt mir nur Folgendes zu sagen: Es ist auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung, wenn auch nur 3 Wochen „afrikanisch“ zu leben und zu begreifen, dass Dinge, die wir als selbstverständlich ansehen – wie Elektrizität oder fließendes Wasser- es eben doch nicht sein müssen, dass es auch anders geht. Aber es ist nicht das Gefühl, froh sein zu können über unsere europäischen Standards, das ich von diesem Workcamp mitgenommen habe. Vor allem wurde mir bewusst, dass wir in Deutschland bzw. Europa auch viel an Sensibilität und Interesse für unsere Mitmenschen, an Gemeinschaftsgefühl eingebüßt haben, dass unser Leben nicht nur komfortabler, sondern auch hektischer und überfluteter ist. So war der „Kulturschock“ bei der Rückkehr nach Deutschland größer als bei der Ankunft in Togo – wir wussten alle, dass wir einen EimerduschenPlumpskloIsomatten Urlaub vor uns hatten, aber erst wenn man 4 Wochen ohne großartige Medien- oder Entertainmentspektakel verbracht hat, wird einem zurück in Deutschland auf einmal die eigene und anscheinend allgemeine Abgestumftheit  bewusst.