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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Togo

Lea N.

ASTOVOT

MTV 3 ASSISTANCE DES PROFESSEURS DES COLLEGES ET LYCEES

Kpalime – Togo

Unterrichten, Nachhilfe

02.10.08 – 04.02.09

4 Monate

 

Nachdem ich ein Jahr in einer Organisation gearbeitet hatte und vorerst genug Schreibkram erledigt hatte, wollte ich ganz unbürokratisch ein wenig von der Welt sehen und meinen Horizont erweitern, bevor ich mit einem Studium anfange. Da mir die Sprache Französisch lag, entschied ich mich letztendlich für Togo.

Meine Ankunft war schon äußerst turbulent und nachdem ich zunächst auf dem Flughafen vergessen wurde, brausten wir aber schon wenig später auf den Mototaxis durch die Hauptstadt Togos, Lomé. Nach diesem überwältigenden Einstieg und einigen Tage Lomé, kam ich in der Stadt an, in der ich meine nächsten 4 Monate verbringen sollte, in Kpalime.

Ich lebte in einer Gastfamilie, in der ich die erste Freiwillige war. Meine Familie bestand aus einer liebevollen Mutter, 6 Gastgeschwistern und besaß eine Argutisfarm. Im Laufe meines Aufenthalts wurde noch ein Baby direkt auf unserem Hof geboren. Kuriose Situationen und Überraschungen hielt wirklich jeder Tag für mich bereit. Obwohl ich doch gut auf die veränderte Situation vorbereitet war, kam mir zunächst doch der Gedanke auf, hier für mehrere Monate zu leben sei fast unmöglich. Doch es ist schon fast erschreckend, wie schnell ich mich an meine neue Umgebung, lange Pläuschchen am Straßenrand und Wasser holen am Brunnen gewöhnt habe. Versuche, meiner Familie bei der Essenszubereitung oder alltäglichen Aufgaben zu helfen, scheiterten anfangs und schon fast mit Durchsetzungsvermögen musste ich den Besen an mich reißen, denn ich wollte nicht wie ein Hotelgast wohnen, sondern mit der Familie leben. Wir stellten uns aufeinander ein, lernten uns kennen und ich genoss wirklich die sonnige entspannte Atmosphäre auf unserem Hof. Leider wurde in meiner Familie viel Ewé gesprochen, doch auf Nachfragen meinerseits übersetzte mir immer jemand den Sachverhalt.

Meine Einsatzstelle für das MTV war das Collège in meiner Nähe, welches auch zwei meiner Gastgeschwister besuchten. Hier assistierte ich zusammen mit einer anderen deutschen Freiwilligen den Deutschlehrer für die Klassenstufen 11. und 12. Klasse. Bei dieser Tätigkeit war jedoch nicht allzu viel Hilfe nötig, so suchte ich mir eine Beschäftigung. In unserem Collège gab es einen Teil für blinde SchülerInnen, die auch im regulären Unterricht integriert wurden. Während des Unterrichts begleitete ich diese SchülerInnen, half ihnen bei Schreibübungen und Verständnisfragen. 2 mal pro Woche fand am Nachmittag die Nachhilfe statt, bei der ich in Deutsch und Englisch half und schon bald einen Sprachknoten im Kopf hatte. Bei dieser Aufgabe fühlte ich mich wohl, da ich den persönlichen Kontakt zu meinen Schülern hatte, woraus sich Freundschaften bildeten und ich mich gebraucht fühlte. Leider sehe ich keine Nachhaltigkeit in meinem Projekt, da mit meinem Abflug die SchülerInnen wieder auf sich allein gestellt, teilweise sogar völlig ignoriert von den Lehrern, den Unterricht nicht folgen können. Mir half aber auch sehr weiter, dass ich nicht die einzige Freiwillige in dem Projekt war, sondern noch ein deutsches und ein französisches Mädchen mit von der Partie waren. Gegenseitige Motivationsstützen und lange philosophische Gespräche waren oft nötig und manchmal fällt es doch leichter den Menschen sein Herz auszuschütten, die in derselben Situation sind. Nichtsdestotrotz sorgten vor allem die Pausen für gute Stimmung mit den aufgeschlossenen Lehrern, die meist ein Liedchen auf den Lippen haben.

 

Neben meiner Gastfamilie war der Sitz von ASTOVOT, meiner betreuenden Organisation vor Ort, Anlaufstelle für Ideenaustausch oder Probleme. Zum Weltaidstag haben alle ASTOVOT Freiwillige eine Aids-Sensibilisierung durch die Dörfer gemacht und auch zum Weltfreiwilligentag gab es eine große Tanzparade durch die Stadt. Zum Glück waren zu meiner Zeit viele Weltwärts- Freiwillige in Togo, sodass wir zusammen Reisen in den Norden oder an die Wasserfälle unternehmen

ASTOVOT zeigte immer Interesse an den Freiwilligen, auch wenn ich manchmal den Eindruck hatte, dass wenn sich Probleme ergeben, die Kommunikation nicht immer reibungslos von statten ging. Trotzdem war vor allem der Kontakt zu den togolesischen Freiwilligen von ASTOVOT hilfreich und freudige Partys und lange Diskussionen nicht die Seltenheit. Hier gab es auch keine sprachlichen Verständigungsprobleme und Gegebenheiten wie sich ein Mototaxi zu schnappen, um seine Freunde besuchen zu können, vermisse ich hier in Deutschland. Das fröhliche Miteinander, das große Interesse an meiner Beschäftigung seitens der Obstfrau bis zum Taxifahrer und die vielen kleinen Gespräche bei Besuchen und in der Familie füllten meinen Alltag und ließen mich immer leichten französisch sprechen. Nach einigen Wochen hatte sich ein Netz aus Freunden, Familien und Freiwilligen aufgebaut und langsam fand ich meine Schneiderin, meinen Schuster und freute mich über die herzlichen Begrüßungen, wenn man nicht mehr als Tourist angesehen, sondern wiedererkannt und eingeladen wird. Ich war ganz froh, dass mein Projekt nicht zu viel Zeit meines Tages einnahm und ich somit viel Zeit hatte meine Umgebung zu entdecken und andere Projekte wie die taub- stummen Schule oder das Waisenhaus zu besuchen.

Ich habe auch gelernt, dass wenn mensch ein Projekt starten will sehr viel Energie, Durchhaltevermögen und Nerven haben muss, denn schneller als gewollt fällt man in Resignation und Motivationsverlust, denn nicht alles läuft so glatt in Togo, wo Stromausfall, keine Internetverbindung oder andere Hindernisse sind. An dieser Stelle habe ich andere Sachen gelernt wie Ruhe bewahren, dass es immer eine Lösung gibt und dass das, was da ist genutzt wird, anstatt es bis zur Unbrauchbarkeit aufzusparen. Manchmal fiel es mir auch schwer mich meiner Gastfamilie anzupassen und anstatt des gewohnten selbstbestimmten Lebens in Abhängigkeit der Familie zu leben, doch genau diese Familienbande sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens dort. So kann ich rückblickend sagen, dass ich viele interessante Charaktere kennengelernt habe und wirkliche Einblicke in verschiedene Lebensalltage hatte. Schon wenn ich einen Text lese, lese ich ihn aus mehreren Perspektiven heraus und hoffe mich einem eingeschränkten Tunnelblick zu entfernen. Diese 4 Monate in Togo haben mich Dinge subjektiv erfahren lassen, die sonst oft nur kurzes Thema in einem Gespräch sind. Ich habe Eindrücke gewonnen, die mich weiterhin begleiten und meinen Horizont ein ganzes Stück erweitert haben.