deutsch  
INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Togo (Kpalimé)

Name: Marie Heyne-Pietschmann

Partnerorganisation: ASTOVOT

Projekt: Krankenhausarbeit in Togo, Kpalimé

Zeitraum: Juni-September 2008 (drei Monate)

 

 

MTV in Togo

Nach Abschluss der Schule mit dem Abitur im Frühling 2008 wusste ich, dass ich vor der Aufnahme meines Medizinstudiums noch etwas ganz anderes machen wollte: Afrika sehen und erleben, wie es schon immer einer meiner größten Wünsche war.

Durch einen Tipp meiner Schwester stieß ich auf die Internetseite von ijgd und war erstaunt humane Preise dort zu finden, im Gegensatz zu anderen Organisationen, die Freiwilligendienste im Ausland anbieten.

Denn in meinem Kopf ließ sich das nicht miteinander vereinbaren, horende Summen für eine Zeit im Ausland, in der man dort seine Arbeitskraft ohne Vergütung zur Verfügung stellt, zu bezahlen.

Im Gegensatz dazu gefiel mir das Konzept von ijgd.

Sie arbeiten mit Organisationen in den einzelnen Ländern vor Ort zusammen und vermitteln daher die Freiwilligen sozusagen nur an die jeweilige Partnerorganisation.

 

Als ich das ijgd-Vorbereitungsseminar an Ostern in Kassel besuchte, wurde ich jedoch schnell entmutigt. Zwar bereiteten die Leiter uns gut auf alle möglichen schwierigen Situationen im Gastland vor, jedoch war diese Vorbereitung meiner Meinung nach sehr negativ gefärbt.

Trotzdem beschloss ich nach längerem hin und her überlegen meinen alten Plan nicht aufzugeben und meldete mich für ein MTV in Togo für drei Monate an.

 

Losgehen sollte es schon im Juni, also musste es jetzt schnell gehen: Reisepass, Visum, Impfungen etc.

Die Zeit bis zum Abflug verging so schnell, dass ich es kaum glauben konnte, als ich im Flugzeug saß. Auf dem Flug von Marokko nach Lomé sah ich einen Sonnenuntergang, wie ich ihn noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Ich deutete ihn als ein Zeichen, dass die Zeit in Togo toll werden würde.

 

Einige Tage später lernte ich meine Gastfamilie kennen. Sie wohnt in Kpalimé, einer Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern, ca. 130 km von der Hauptstadt, Lomé,  entfernt.

Der Mann meiner Mutter war verstorben, also lebte sie im Haus mit ihren beiden Söhnen und noch drei anderen jungen Männer, die deren Freunde waren. Also war ich umgeben von meinen neuen Gastbrüdern, die zwischen 17 und 24 Jahre alt waren.

Ich hatte mein eigenes Zimmer im Haus und richtete mich dort dann so langsam ein.

Dort gab es leider keine Elektrizität, da die Familie die laufenden Kosten nicht tragen konnte.

Das Haus war jedoch für die finanziellen Verhältnisse meiner Mutter sehr groß, da es noch zu Lebzeiten des Vaters gekauft wurde.

 

Bei ASTOVOT gab es zu dem Zeitpunkt, als ich angekommen bin, noch einen anderen Volontär, einen Belgier, der jedoch zwei Wochen nach meiner Ankunft abgereist ist. Zu Beginn zeigte er mir ein wenig die Gegend und klärte mich über wichtige Dinge und Mentalitätsunterschiede auf. Nach seiner Abreise war ich dann jedoch die einzige Volontärin von ASTOVOT, was ich jedoch sehr gut hieß. Schon vor den Planungen meiner Reise, war mir klar, dass ich nicht in Projekte wollte, die volontärüberfüllt sind, da sonst meiner Meinung nach der echte Kontakt zu der Gastkultur fehlen würde.

 

So verbrachte ich also die meiste Zeit mit meinen Gastbrüdern und deren Freunden und anderen Togolesen, die ich nach und nach kennen lernte.

Die Zeit mit ihnen war wohl eine der wichtigsten Erfahrungen während meiner Zeit dort, ich war regelrecht gezwungen, all meine europäischen Ideen und Ansichten über Bord zu werfen, bzw. sie auch in Diskussionen kritisch zu betrachten und hart zu verteidigen.

 

Die Arbeit im Krankenhaus und somit auch meine Ideale, mit denen ich gekommen war, wurden schnell zweitrangig. Da es ein kleines privates Krankenhaus war, gab es nicht viele Patienten dort. Und auch die sprachliche Verständigung wurde schnell eine Belastung für die Krankenhausmitarbeiter. Die Mediziner sprachen mit ihren Patienten Ewé, wovon ich nichts verstand. Anfangs wurde mir noch jedes Wort übersetzt und jeder medizinische Sachverhalt erklärt, doch schnell merkte ich, dass diese zusätzliche Aufgabe für meine Kollegen anstrengend und belastend war. So fragte ich oft nach oder entwickelte meine eigenen Methoden, um die Krankheiten zu identifizieren.

Meine Arbeit bestand darin meistens gar nichts zu tun und, wenn es dann Patienten gab, durfte ich Spritzen setzen, Verbände anlegen etc.

Die Zeit im Krankenhaus war teilweise sehr interessant und nervenaufreibend, leider jedoch oft auch langweilig. Ich war dort jeden Tag zwischen 7 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags.

 

Die Verständigung im Allgemeinen war teilweise schwierig, wie eben schon angedeutet, da die Menschen dort Ewé und nicht Französisch sprechen. Aber so habe ich auch nach und nach einige Wörter und Ausdrücke auf Ewé gelernt. Am Anfang war auch das Französisch noch sehr schwer zu verstehen, doch nach einem Monat ging es nahezu problemlos.

 

Die Betreuung während meiner Zeit dort war ausreichend. Da ich in meiner Gastfamilie bestens aufgehoben war und auch bei jedem noch so kleinen Problem unterstützt wurde, hatte ich während der  drei Monate bis auf den Anfang und die Zwischenberichte kaum Kontakt mit ASTOVOT.

 

Zusammenfassend war es eine absolut tolle Zeit dort. Ich war wegen der Arbeit dort hingefahren, doch im Laufe der Zeit wurden der interkulturelle Austausch und der Kontakt zu meinen neu gewonnen Freunden und der Familie sehr viel wichtiger. So habe ich sehr viel von der Kultur dort gelernt, habe gelernt ihre Ansichten und Ideen durch hautnahes Miterleben nicht nur zu akzeptieren sondern auch zu verstehen. Ich habe schnell gelernt, dass das Leben dort auch mein eigenes Leben sehr prägen würde. Klischeehaft wäre es zu sagen, dass mich jetzt auch die kleinen Dinge des Lebens erfreuen und unsere Probleme ja doch so klein sind.

In Teilen stimmt dieses Klischee doch, aber die viel entscheidendere Idee, die ich von dieser Zeit mitgenommen habe, ist, dass Freundschaften ganz anders sein können. Dass man durch Liebe und Freundschaft mehr helfen kann, als mit jeder Arbeit in diesen Ländern.

Einen längerfristigen Nutzen gab es durch meine Arbeit im Krankenhaus nicht.

Ich habe den längerfristigen Nutzen dadurch geschaffen, dass ich einigen Freunden jetzt finanzielle Hilfe in verschiedenen Angelegenheiten bieten kann, wie Schulgeld, Elektrizität etc.

Das ist das, was bleibt. Die gute Erinnerung an meine Freunde und meine Gastfamilie. Sowie der Plan, sobald wie möglich wieder eine Reise dorthin zu unternehmen.