Workcamp in den USA
Concord Peacecamp 2008
von Elisabeth Werner
Nach dem Abi erstmal raus aus Deutschland, was Neues sehen und aktiv an Etwas mitarbeiten, neue Leute kennen lernen, andere Kulturen erfahren, kurz und gut: Weg vom Alltag und nicht mehr nur graue Theorie studieren, so sah der Plan aus, als ich zum zweiwöchigen Workcamp nach Concord, New Hampshire aufbrach. Letzteres passierte schneller, als ich ahnen konnte, denn bereits beim Zwischenstopp in Boston, noch auf dem Weg nach Concord, traf ich durch einen Zufall Bea, die aus Spanien für dasselbe Workcamp angereist war, und so legten wir das letzte Stückchen des Weges gemeinsam zurück. Von da an war ich von letzten Zweifeln und jeglicher Nervosität befreit, denn ich bin nicht ganz unabergläubisch und blättere in der Zeitung auch jeden Tag nach meinem Horoskop und wertete dies also gleich als gutes Omen. Nachdem wir schließlich in Concord ankamen, lernten wir schnell die anderen Teilnehmer kennen, insgesamt trafen mit uns sieben verschiedene Nationen aufeinander – Deutschland, Schweiz, Spanien, Russland, England, Südkorea und natürlich die USA – es gab also genügend neue Kulturen zu entdecken!
In den folgenden zwei Wochen lebten und arbeiteten wir nun gemeinsam und gewannen tatsächlich einen guten Einblick in die Lebensweisen und Gewohnheiten der anderen - zumeist gut, manchmal auch anstrengend oder nicht zum Nachahmen geeignet, wie die koreanische Angewohnheit sehr, sehr, sehr scharf zu essen! Da wir uns selbst verpflegten, ließen wir jeden mal den Kochlöffel schwingen und ein landestypisches Gericht kochen, damit unsere Bäuche und Gaumen auch etwas von der Multikultur unserer Gruppe zu spüren und schmecken bekamen.
Während wir Garten- und Malerarbeiten an der Kirche, in der wir untergebracht waren, erledigten, blieb immer Gelegenheit, sich zu nebenbei unterhalten und so gingen die Aufgaben in den meisten Fällen relativ leicht von der Hand, obwohl gemeinschaftliches Unkrautjäten trotzdem nie eine unserer bevorzugten Beschäftigungen war. Unsere Hauptaufgabe, die Betreuung von Kindern in einem Ferienlager ganz in der Nähe, machte großen Spaß. Unser Arbeitstag dauerte von ungefähr 9:00 Uhr morgens bis 16:00 nachmittags und es war meistens sehr heiß, da wir mit unserem Workcamp zwei sehr warme Sommerwochen erwischt hatten, sodass wir stets müde und, zur außerordentlichen Freude aller Nasen, verschwitzt zur Kirche zurückkehrten. Doch wir hatten nicht die alleinige Verantwortung für die Kinder, sondern arbeiteten mit Betreuern des Ferienlagers zusammen und das Basteln, Spielen und Singen mit den Kindern machte doch mehr Spaß als Arbeit, zumindest denjenigen von uns, die sowieso gerne Kinder um sich hatten und es genossen, mal wieder die offizielle Erlaubnis zum Spielen zu haben. Um allerdings den Campalltag nicht allzu sehr zu beschönigen, soll gesagt sein, dass das Singen eine sehr große Herausforderung darstellte – für Sänger und Zuhörer gleichermaßen.
Wer von Concord das Nachtleben oder die Aufregung einer amerikanischen Großstadt erwartet, der wird allerdings enttäuscht werden, Concord ist ein relativ kleines und beschauliches Städtchen, in unserer freien Zeit wurde es trotzdem nie langweilig, denn man hatte ein regelrechtes Freizeitprogramm für uns zusammengestellt. Wir trommelten und tanzten afrikanisch, machten einen Ausflug in die nahe gelegene Stadt Portsmouth und versuchten uns im Dichten mit der in New Hampshire sehr bekannten Lyrikerin L. R. Berger.
Um dem Namen ‚Peacecamp’ – denn so lautete die offizielle Bezeichnung unseres Workcamps – einigermaßen gerecht zu werden und das Thema nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen, sahen wir uns an einem Abend einen Film an, der den Irakkrieg kritisch durchleuchtete. Anschließend sprachen wir mit einem Irakveteran, der, wie inzwischen der Großteil der US Bevölkerung, auf einen schnellstmöglichen Abzug der Truppen im Irak hoffte und dem man die Eindringlichkeit seiner Kriegserlebnisse deutlich anmerkte, man spürte seine Anspannung in seinen Worten und Gesten und er hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei uns allen.
Mit einigen Einladungen zum Dinner oder zu einem traditionellen ‚Potluck’, einem Barbecue, bei dem jeder der Gäste etwas zum Essen beisteuert, wurde auch sichergestellt, dass wir während der zwei Wochen als Selbstversorger nicht verhungerten und auch einmal echt amerikanisch aßen. Besonders fürsorgliche, neue gewonnene Freunde unserer Workcamper ließen auch mal ein Blech Brownies in unserer Küche zurück, mit freundlichen Grüßen und der Empfehlung, dies seien die besten der Welt.
Kurzum, ich konnte meinen Anfangsplan tatsächlich in die Tat umsetzen und nicht nur das, ich machte neue Erfahrungen, lernte neue Leute und andere Kulturen kennen, darüber hinaus schloss ich auch Freundschaften, nahm neue Rezeptanregungen mit nach Hause, sowie die Erkenntnisse, nie wieder scharfes, koreanisches Essen anzurühren und dass Lauren aus New Hampshire die besten Brownies der Welt bäckt.
Danke an euch alle, sowie an die IJGD und VFP für diese zwei Wochen, ich kann nur sagen, es hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt!