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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Uganda 2011

Name: Verena N.

Partnerorganisation: Uganda Pioneer’s Association (UPA)

Einsatzstelle: Pioneer Youth Centre (PYC) Nansana

Jugendzentrum

Zeitraum: Januar bis Ende Juni 2011

Dauer: 6 Monate


Als das Abitur geschafft war, wollte ich unbedingt ein Jahr „etwas anderes machen“. Der Kontinent Afrika faszinierte mich. Die fremde Kultur, die Landschaft, die Menschen es schien für mich als gäbe es dort viel zu entdecken und zu lernen. Ich freute mich auf eine aufregende Zeit.
Dieses Gefühl verließ mich im Flugzeug schnell. Meine Aufregung wurde in manchen Momenten auch zur Angst: Was würde mich erwarten? Würde ich mich wohlfühlen? Würde ich Freunde finden? Mir schossen allerlei verrückte Gedanken durch den Kopf.
Mein Flugzeug landete sicher am 5ten Januar 2011 in Entebbe, Uganda. Am Flughafen wurde ich von meiner Organisation abgeholt. Während der gesamten Fahrt nach Nansana zu meiner Unterkunft starrte ich aus dem Fenster: Es war so unglaublich grün. Die Häuser, die Straßen…alles sah so anders aus. Und es stellte sich schnell heraus: Der Schein trug nicht. In Uganda ist alles anders als in Deutschland. Dies hat mich gerade in der ersten Woche meines Aufenthaltes sehr verunsichert. Ich war mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich 6 Monate woanders leben wollte. Dieser Gedanke begleitete mich die erste Woche und verschwand danach aber für immer.
Im Guesthouse hatte ich mich bald eingelebt: Es ist im selben Haus wie das Büro von UPA und im Haus nebendran befindet sich das Pioneer Youth Centre. Man teilt sich das Zimmer mit einem oder zwei anderen Freiwilligen. Es gibt eine kleine Küche und ein kleines Bad. Und hier fängt das Leben in einem der sogenannten Entwicklungsländer an: Fließend Wasser gibt es oft nicht, hin und wieder läuft dir ein Ungeziefer über den Weg und auch sonst gestaltet sich das Leben etwas weniger Luxuriös als in Deutschland. Doch daran gewöhnt man sich schnell. Mit einigen Fotos an den Wänden sieht es im eigenem Zimmer dann sogar etwas wohnlicher aus. Leider waren zur Zeit meines Aufenthaltes nur wenige andere internationale Freiwillig vor Ort. Es war Wahljahr in Uganda und so hatte viele Endsendeorganisationen keine Jugendliche nach Uganda geschickt. Bis zum Ende meines Aufenthaltes reduzierte sich die Zahl dann auf zwei weitere Freiwillige. Ich empfand das aber eher als Vorteil: Ich hatte meist mit der einheimischen Bevölkerung zu tun und verbrachte meine Zeit nur hin und wieder mit Europaeren (wovon viele in Kampala leben).
Nansana ist etwa eine halbe bis Stunde von Kampala der Hauptstadt entfernt – kommt immer etwas auf den Stau an. Eigentlich ist Nansana riesengroß, wobei das bei durchfahren nicht auffällt. Ich habe diesen Ort nach einer Weile richtig lieb gewonnen. Die Menschen kennen dich und grüßen dich. Du gehst immer zu denselben Läden und bist dort immer willkommen. Bis sich eine solche Routine allerdings einspielt braucht es Zeit – wie alles Zeit braucht in Uganda.
In Nansana gibt es nicht besonders viel: Du findest das Internetcafe um die Ecke, das ist praktisch. In den Läden und den Marktständen bekommst du das nötigste und wenn du möchtest nimmt dich der Care-Taker vom Haus auch mal mit in einen Club. Dieser Care-Taker ist die wichtigste Betreuungsperson vor Ort: Er oder  sie zeigt dir wie alles abläuft, wenn du fragen hast, ist er oder sie die/der erste Ansprechpatner/in. Wenn du die Kultur nicht verstehst oder wenn du wissen möchtest wie du dich verhalten solltest, findest du im Care-Taker eine verständnisvolle Vertrauensperson.
Sonst kann die Kommunikation mit UPA manchmal auch schwierig sein: Für mich fühlte es sich immer so an, als müsste ich auf sie zukommen, anstatt das sie auch einfach mal aus Interesse heraus nachfragen wie dein Alltag gerade so läuft. Leider gab es auch hin und wieder Missverständnis. Aber auch das passiert nun Mal in einem MTV.
Kampala ist eine große und oft chaotische Stadt. Für mich ist sie schlichtweg verrückt. An manchen Tagen liebte ich es, an anderen wollte ich auch einfach mal meine Ruhe haben. In Kampala bekommst du in einigen Supermärkten auch alles, was du in Europa bekommen kannst. Allerdings sind manche Produkte sehr teuer: Du wirst wahrscheinlich auf Käse während deines Aufenthaltes verzichten. Es gibt schöne Restaurants und ein großes Einkaufszentrum. Es gibt riesige Hotelanlagen, wo am und im Swimmingpool relaxen kann. Diese sind für uns Europäer auch nicht teuer – für einen Großteil der einheimische Bevölkerung schon. Kampala ist mit seinen Märkten, seinem Verkehrschaos und mit dem riesengroßen Unterschied zwischen „reich und arm“, eine rundum verrückte Stadt.
Verrückt war auch, das mich mein Projekt erst zwei Wochen nach meiner Ankunft bemerkte. Die Mitarbeiter vom Pioneer Youth Centre sind sehr nett, sie erzählen gerne und sind auch interessiert an den Ideen, die du mitbringst. Das ist sehr schön. Leider informieren sie ihre Freiwilligen teilweise spät über geplante Aktionen oder ihr Programm. Man kann sich dann schnell auch ausgeschlossen fühlen. Allerdings ist das sicherlich nicht beabsichtig. Im Projekt habe ich den projekteigenen Newsletter betreut, Evaluationen durchgeführt und versucht die Bibliothek im Haus neu aufzubauen. Dafür musste ich erst einmal herausfinden welche Bücher man gebrauchen könnte. Ein paar Mal war ich mit in den Schulen. Mit dem Outreach Program besucht PYC die Schulen, um mit den Kinder und Jugendlichen über verschiedene Geschlechtskrankheiten, über Gruppenzwang und Life Skills zu sprechen. Ansonsten läuft nicht so viel Programm im Jugendzentrum selbst, auch wenn das die Verantwortlichen gerne ändern würden. Vielleicht kannst du ja etwas dazu beitragen.
Neben der Arbeit hatte ich sehr viel Zeit. Das wusste ich bereits vorher, da es in der Projektbeschreibung hieß, dass man gut ein zweites Projekt nebenher machen kann. Für mich bedeutete dies, dass ich Zeit hatte – nach den hektischen Abiturzeiten ein ungewohntes Gefühl. Ich fand für mich kein zweites Projekt, zumindest nicht im üblichen Sinne. Doch das Schöne in Uganda ist: Es ergibt sich immer eine Möglichkeit. Für mich ergaben sich zwei Dinge: Ich konnte viel Reisen und verbrachte viel Zeit am Nationaltheater. Bald sah ein Tag folgendermaßen aus: Am Morgen saß ich im Büro vom PYC und Mittags fuhr ich nach Kampala ans Nationaltheater, gab dort Gesangsunterricht für einen der Tänzer und führte viele Gespräche mit Freunden. Freunde zu finden kann erst einmal schwer fallen: Mit der weißen Haut fällt man auf und ist für viele Menschen interessant. Vor allem da sie „weiß sein“ mit „reich sein“ verbinden. Es braucht eine Weile bis man weiß, wem man trauen kann. Und auch an die Aufmerksamkeit, die man mit weißer Haut bekommt muss man sich erst einmal gewöhnen.
Es fällt mir allerdings schwer von einem Alltag oder einem gewöhnlichem Tag zu reden. Das hat sich in dem halben Jahr nicht wirklich eingespielt. Jeden Tag begegnete mir etwas Neues, etwas Aufregendes oder etwas Lehrreiches. Für mich stand in diesem halben Jahr nicht die freiwillige Arbeit im Vordergrund. Es war vielmehr das Leben in einer anderen Kultur und was man davon nach Hause bringt. Für mich bedeutet das MTV eine große Chance über sich selbst etwas zu lernen, über eine fremde Kultur und somit ein bisschen mehr von der Welt wirklich zu kennen. Und es gibt dem MTVler die Verantwortung das Bild und die Vorurteile über „Entwicklungsländer“ oder auch über das eigene Heimatland gerade zu rücken oder je nach dem zu bestätigen. Es war definitiv ein Abenteuer und ist es irgendwie immer noch. Ein MTV hört nicht einfach auf, wenn man wieder in Deutschland ist. Aber das werdet ihr noch selbst herausfinden!