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INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

MTV in Vietnam

Matthias Naupold

SJ Vietnam

Green Village and National Marine Park (Nam Dinh/Vietnam)

Ökologie

01.09.-01.12.2008

3 Monate leben und arbeiten in einem kleinen Fischerdorf direkt am südchinesischen Meer

 

 

Nachdem ich in den letzten Jahren viel gereist bin, dabei aber immer nur die Oberfläche einer fremden Kultur gesehen hatte, wollte ich ein MTV absolvieren um zusammen mit Menschen einer anderen Kultur zu arbeiten, zu leben und Spaß zu haben. Da mich die üblichen Projekte in Krankenhäusern, Schulen etc. in punkto Nachhaltigkeit nicht richtig überzeugt hatten, beschloss ich, mich für ein ökologisches Projekt in einem vietnamesischen Nationalpark zu bewerben und hier bei einer Gastfamilie die fremde Kultur und Natur zu erleben, sowie bei verschiedenen Projekten mitzuarbeiten. Der Haken an der ganzen Sache war, dass ich der erste und auch der einzige Freiwillige in dem Projekt sein würde und da der Xuan Thuy Nationalpark fern jeder Großstadt liegt, auch niemand Englisch sprechen würde – ich hatte so meine Bedenken, sah das ganze aber auch als Herausforderung an.

Doch bevor ich in die vietnamesische Provinz „entlassen“ wurde, habe ich zuerst an einer Einführungswoche zusammen mit 12 anderen Europäern in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi teilgenommen, wo uns die Projekte der Partnerorganisation SJ Vietnam vorgestellt wurden und wir Sprachunterricht und einen Kochkurs absolvierten. Im Anschluss daran folgten zwei Wochen im so genannten „Arte Diem“ Workcamp, bei dem wir zusammen mit 70 Freiwilligen eine Theateraufführung für Kinder und Jugendliche zum Thema „Der kleine Prinz“ einstudierten. Über 3.000 Vietnamesen sahen uns „live“ und hunderttausende verfolgten das Ereignis am Fernseher mit, denn es wurde vom staatlichen Fernsehen gefilmt. Nach diesem erfolgreichen Workcamp folgte ein nicht ganz so erfolgreiches Workcamp im UNESCO Weltnaturerbe ‚Halong Bucht’. Hier sollten 27 Freiwillige zusammen mit der einheimischen Bevölkerung über Umweltthemen diskutieren und Problemlösungen erarbeiten. Da es jedoch anfangs keinen Organisator gab, verlief das ganze Workcamp ziemlich chaotisch. Aber zumindest konnten wir uns an der traumhaft schönen Natur der Halong Bucht erfreuen.

Mittlerweile war der erste Monat in Vietnam „geschafft“ und ich hatte mich bereits gut eingelebt. Ich war also bereit für die vietnamesische Provinz. Xoan, eine Mitarbeiterin der Organisation SJ Vietnam begleitete mich die ersten Tage, bevor ich an die Mitarbeiter des Nationalparks „übergeben“ wurde.

Der Xuan Thuy National Park befindet sich 150km südöstlich von Hanoi auf Inseln im Mündungsdelta des Roten Flusses. Er ist ein wichtiger Rast- und Überwinterungsplatz für Zugvögel und besteht aus Mangrovenwäldern und Schwemmland. Anfang Oktober kam ich in Giao Xuan, einem kleinen Dorf mit 9.000 Einwohnern an, und bezog mein Quartier bei meiner Gastfamilie – in einer riesigen Villa! Giao Xuan ist 10km vom Nationalpark entfernt, sodass ich jeden Morgen mit dem Fahrrad über Deiche bis zur Arbeit gefahren bin. Auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite Reisfelder und Wasserbüffel – Vietnam pur! (Ich hätte auch direkt im Park wohnen können, hatte allerdings die Familie schnell in mein Herz geschlossen…). Da niemand in der Familie Englisch sprach, musste ich eben Vietnamesisch lernen. Meine Gastfamilie und einige neue Freunde halfen mir dabei. Jeden Tag kamen 10-20 neue Wörter hinzu und nach kurzer Zeit waren bereits die ersten kleinen Gespräche auf Vietnamesisch möglich. Als ich mit dem Projekt begann, mochte ich keinen Fisch, aber nach einiger Zeit am Meer aß ich bereits Schrimps, Krebse, Tintenfische, Muscheln und andere „Leckereien“ – die meistens in Verbindung mit Reiswein serviert wurden;-)

Aber wie sah nun meine tägliche Arbeit aus? Ich hatte eigentlich nie einen „Alltag“ im Nationalpark. Das erste Projekt war eine Zusammenarbeit mit Bauern, um Ihnen beizubringen, wie man aus Reisstroh Pilze züchten kann. Nebenbei half ich bei der Gestaltung der Website, machte bei Baumpflanzaktionen mit, gab Englischunterricht für die Nationalparkmitarbeiter, drehte einen Film über das Leben der Bauern und nahm an Konferenzen, Meetings und Workshops teil. Außerdem habe ich die Bauern gefragt, ob sie mir ihre Arbeit beibringen können, weswegen ich auch auf verschiedenen Farmen gearbeitet habe (Schrimpsfarm, Muschelfarm, Fischfarm, Mangoplantage…). Des Weiteren habe ich bei der Reisernte geholfen, auf Fischerbooten mitgearbeitet etc. Ich hätte mich auch auf eine Sache beschränken können, aber ich wollte gern diese ganzen Erfahrungen sammeln. Die Freizeit habe ich mit vietnamesischen Freunden verbracht, welche mich zu Karaoke, Hochzeit u. ä. einluden. Allerdings hat das Landleben auch seine Nachteile. Es gibt keine Supermärkte und oftmals auch keinen Strom (jeden Tag ca. 4h Stromausfall) und der nächste Geldautomat ist 50 km entfernt.

 

Aber das war es ja eigentlich auch, was ich erwartet hatte, wenn ich als Freiwilliger in einem Entwicklungsland arbeiten und leben würde. Und ich bin glücklich, dass ich die Möglichkeit hatte, zusammen mit freundlichen, aufgeschlossenen Leuten in einer schönen Umgebung solch spannende Erfahrungen gemacht zu haben. Wobei manche Erfahrungen, wie z. Bsp. das Essen von Schlangen, Hunden etc. aus der Ferne betrachtet eher fragwürdig sind…;-)

Insgesamt bin ich der Meinung, dass dieses Projekt nur etwas für aufgeschlossene Leute ist, die auch mit ungewöhnlichen Situationen gut umzugehen wissen und einer anderen Kultur mit wenig Vorurteilen begegnen können – diese Dinge werden einem zwar auf dem IJGD Seminar beigebracht, geraten aber erfahrungsgemäß bei so manchem Freiwilligen schnell wieder in Vergessenheit.