MTV in Vietnam 2010
Julia H.
SJ Vietnam
1. SJV-L103: TAKING CARE OF CHILDREN AT HAI DUONG WELFARE CENTER
2. SJV-L111: ORGANIZING GAMES, LEISURES ACTIVITIES AND TAKING CARE OF ORPHANS AT BO DE PAGODA
September 2009- April 2010
Dauer: 8 Monate
Als ich im Flieger nach Vietnam saß, geschockt, dass es jetzt wirklich soweit ist, fiel mir auf, dass ich eigentlich gar nichts über dieses Land weiß. Und dass es ziemlich naiv war zu glauben, dass alle Vietnamesen Englisch können, bemerkte ich bald am Flughafen. Ziemlich kulturgeschockt wurde ich also von fremden Leuten in das Volunteer Haus gebracht. Die Fahrt war das erste krasseste Erlebnis. Dieses Gehupe! Dieses Chaos!!!
Im Long Term Volunteer, kurz LTV-Haus angekommen, wurde ich herzlich empfangen und fuhr gleich mit Hang, der damaligen Koordinatorin durch die Stadt. Hanoi ist einfach der Hammer. Die erste Woche galt uns dann als Einführung. Danach nahm ich an einem 2-wöchigen Workcamp im Youthhouse teil. Wir bereiteten das Midautumn-festival vor.Nach diesem Workcamp ging ich mit zwei weiteren Freiwilligen nach Hai Duong in das dortige Heim für Waise und Kinder mit Behinderung. Die Arbeit mit den Kindern gefiel mir sehr gut. Morgens unterrichteten wir die Kinder. Die meiste Zeit spielten wir mit ihnen oder malten und bastelten gemeinsam. Mit manchen Kindern konnten wir sogar rechnen üben. Die Nachmittage verbrachten wir in den Zimmern, wo die Waisenbabies bis zu ihrer Adoption verbrachten. Sie wurden von den Nannies gut umpflegt, jedoch brauchte ich einige Zeit um mich an ihre grobe Art mit den Kindern zu gewöhnen. Dass Schläge in der „Erziehung“ von behinderten Kindern Alltag sind, sollten wir auch bald erfahren. Diese Momente fand ich sehr schwierig und wir wussten nicht, wie wir damit umgehen sollten. Aber unsere Unterrichtsart gefiel den dortigen Lehrerinnen sehr gut und sie lobten uns für unseren Umgang mit den Kindern. Ich hoffe das hat ihnen gezeigt, dass man auch ohne Schläge unterrichten kann. Und ohne Drohungen mit Schlägen.Den ersten Monat bekamen wir jeden Morgen Vietnamesischunterricht. Die folgenden Monate einmal die Woche. Vietnamesisch ist eine tolle Sprache. Ich hatte erst gar nicht vor sie zu lernen, da ich dachte, für 3 Monate sei das nicht von Nöten. Es ist jedoch ein schönes Gefühl, wenn man auf Vietnamesisch Essen bestellt oder einkaufen geht und sofort spürt, dass man ein Stück weit mehr respektiert und angenommen wird. Sich die Menschen einfach freuen, dass man ihre Sprache erlernt. Die sechs Tonhöhen zu lernen war natürlich sehr schwer. Vor allem wenn man weiß, was Worte bedeuten können, wenn man sie falsch ausspricht.Leider kann ich nicht verschweigen, dass die Situation in Hai Duong nicht sehr einfach war. Der Direktor verbot es uns irgendwann sogar auszugehen. Diese Situation eskalierte irgendwann und alle entschieden sich das Projekt zu wechseln, denn wir (insgesamt 6 Freiwillige) fühlten uns wie in einem Gefängnis. Die letzten Wochen durften wir nur noch zweimal die Woche für jeweils 3 Stunden raus. Wir saßen in unseren Zimmern und bekamen von Vietnam sehr wenig mit (wie mir im Nachhinein auffällt).Meine Zeit war eigentlich fast abgelaufen, aber Vietnam gefiel mir so gut, dass ich um weitere 4 Monate verlängerte. Den ganzen Februar nutzte ich zum Reisen, da mein Bruder mich besuchte. Wir flogen nach Saigon (heutige Ho-Chi-Minh-Stadt) und reisten von dort aus bis Hue und zurück nach Hanoi. Das Tet Fest (Neujahr nach Mondkalender) verbrachten wir bei den Lehrerinnen in Hai Duong hauptsächlich mit Essen und Trinken von morgens bis abends. Die Gastfreundschaft der Vietnamesen ist unübertrefflich.März bis Mai arbeitete ich dann in Hanoi in dem Waisenheim einer Pagode. Chua Bo De. Die Arbeit gefiel mir sehr gut, auch wenn es anstrengend war. Die Kinder waren toll und es machte mir viel Spaß. Aber das Beste war, dass ich durch einen vietnamesischen Freund meine zukünftige Gastschwester kennenlernte. Es war toll bei ihrer Familie zu leben und wir verstanden uns auf Anhieb. Das Beste ist, dass sie dieses Jahr nach Deutschland zieht, weil sie hier studieren möchte. Die Menschen insgesamt sind einfach toll und super freundlich. Vor allem junge Menschen zeigen ein enormes Interesse an Ausländern und sind sehr zugänglich. Wenn man höflich und freundlich ist, nicht zu viel Haut zeigt und ein paar vietnamesische Worte spricht, wird man auch von zögerlichen Vietnamesen, die ein nicht so gutes Bild von Westlern haben, gut behandelt. Beklaut wurde ich nie und habe insgesamt sehr, sehr wenige schlechte Erfahrungen gemacht.Das Essen ist klasse, am besten schmeckt es mir persönlich an den Suppenständen auf der Straße. Auch die Landschaft ist schön und man kann viele Sachen sehen. Hanoi ist eine tolle Stadt mit vielen Insidern, die man so nach und nach mitbekommt und auch mit vielen Sehenswürdigkeiten, die im Reiseführer stehen. Durch das Volunteerhaus kann man ständig in Kontakt mit anderen Freiwilligen sein, falls es Probleme gibt oder man einfach unter Leuten sein will. Und auch an Ausgangsmöglichkeiten fehlt es nicht. Es gibt viele Bars und einige Clubs. Am liebsten bin ich jedoch am Tra Chanh (Zitronentee) Platz vor der St. Josephs Kathedrale trinken gegangen oder zu einem der etlichen Bia Hois, wo man gezapftes Bier für 15-20 Cent bekommt. Vietnam war für mich eine riesen Erfahrung. Erlebnisreiche Tage und Nächte. Es ist allein schon ein Erlebnis, eine Straße zu überkreuzen. Oder selbst ein Mofa zu mieten. Unbeschreiblich!Die Kinder fehlen mir total und ich möchte irgendwann wieder dieses wunderbare Land bereisen. Ich kann Vietnam wirklich jedem weiterempfehlen. Ein kleiner Tipp: Immer Toilettenpapier in der Tasche haben, denn: die meisten Toiletten sind vielleicht doch etwas gewöhnungsbedürftig ;-)







