deutsch  
INTERNATIONALE JUGENDGEMEINSCHAFTDIENSTE IJGD

weltwärts - Der neue entwicklungspolitische Freiwilligendienst



Torsten Schramm

Am 3. September 2007 war es so weit. Der neue entwicklungspolitische Freiwilligendienst "weltwärts" des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) erblickte offiziell mit einer Pressekonferenz der Ministerin HWZ und der Veröffentlichung der Richtlinien das Licht der Welt. Ab 1. Januar 2008 stehen finanzielle Mittel zur Verfügung. Ein Novum in der deutschen Geschichte. In weniger als einem Jahr gelang es, diese Idee umzusetzen. Das Ministerium hat sich in diesem Prozess um zivilgesellschaftliche Beteiligung bemüht.

Es ist ein neuer Freiwilligendienst, ohne besondere gesetzliche Grundlage, mit einem Volumen von 70 Millionen mit bis zu 10.000 Plätzen. Es ist gleichzeitig das größte Freiwilligenprogramm dieser Art weltweit. Die Rahmenbedingungen sind in enger Anlehnung an den europäischen Freiwilligendienst und an die Gesetze für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) entwickelt worden.

Zunächst ist eine 3-jährige Pilotphase geplant.

Als Lerndienst soll Weltwärts jungen Menschen gleichermaßen solidarisches Handeln und Lernen ermöglichen wie auch zu einem stärkeren entwicklungspolitischen Bewusstsein in der Gesellschaft beitragen.

Der Dienst ist für Jugendliche zwischen 18 und 28, für Deutsche Staatsbürger oder Nicht-Deutsche mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht. Sie müssen mindestens eine Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder die Fachhochschul- beziehungsweise die Allgemeine Hochschulreife vorweisen. Grundkenntnisse der Sprache im Gastland und entwicklungspolitisches Interesse werden erwartet.
Der Einsatz dauert zwischen 6 und 24 Monaten, er kann auch als Zivildienst anerkannt werden. Die Freiwilligen arbeiten cirka 40 Wochenstunden in ihren Projekten und haben insgesamt 25 Seminartage für Orientierung, Vorbereitung, Zwischenauswertung und Nachbereitung. Im Projekt steht ihnen eine MentorIn zur Seite.
Die Träger setzen das Programm in Kooperation mit den Partnerorganisationen im Süden, die auch anerkannt werden müssen, um. Die Projekte sollen analog den entwicklungspolitischen Schwerpunktsektoren der Bundesrepublik angesiedelt sein in den Bereichen: Landwirtschaft, Umwelt, Bildung, Menschenrechte, Demokratieförderung, Not- und Übergangshilfe, Soziales. Die Länderliste beinhaltet alle OECD-Länder, ein Schwerpunkt der Projekte soll in Afrika liegen.

Der finanzielle Rahmen sieht vor, dass die Freiwilligen ein Taschengeld von mindestes 100 € erhalten, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die Reisekosten, einen Versicherungsschutz und einen Sprachkurs bei Bedarf.
Der Einsatz soll für die Freiwilligen mit keinen Kosten verbunden sein, es können Spenderkreise aufgebaut werden zur Unterstützung des Einsatzes, doch sie sind keine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm.
Insgesamt stellt das BMZ 580,-€ pro Einsatzmonat und die Auslandskrankenversicherung zur Verfügung.
Ein wesentliches Ziel der staatlichen Finanzierung dieses Programms ist es, die bisherigen finanziellen Hürden sogenannter "ungeregelter Freiwilligendienste" abzubauen.
Dennoch bleibt eine Hürde, zumindest für die Entsendeorganisationen, denn sie müssen mindestens 25 Prozent an Eigenmitteln aufbringen.

Bisher haben zahlreiche gemeinwohlorientierte Organisationen, eine Voraussetzung zur Teilnahme, aus dem Spektrum der Entwicklungszusammenarbeit, aus der Freiwilligenarbeit und den beiden Kirchen ihr Interesse an der Durchführung bekundet. Die Träger müssen durch das BMZ anerkannt werden. Schon vor dem offiziellen Startschuss haben sich zwei Konsortien gebildet, katholische und evangelische Träger haben sich jeweils unter einem Dach zusammengeschlossen. Die Gründung eines weiteren Verbundes der anderen Organisationen und Träger ist im Oktober geplant.
Das technische Sekretariat ist beim Deutschen Entwicklungsdienst angesiedelt.

Es ist sehr positiv, dass so ein Lerndienst mit diesem Volumen an Finanzen und TeilnehmerInnen realisiert wurde. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Nachwuchsförderung in Deutschland. Wenn es noch gelingt, dass der Kindergeldanspruch während des Dienstes erhalten bleibt, dann ist dem BMZ Vieles gelungen, was im Vorfeld bezweifelt wurde.

Es bleiben dennoch einige Fragen offen, die teilweise der bemerkenswert kurzen Zeit der Umsetzung geschuldet sein mögen. Sie lassen sich hoffentlich im Laufe der Pilotphase klären. Unklar ist der Ort und das Wie der zivilgesellschaftlichen Einbindung bei der Weiterentwicklung des Projektes. Unklar ist ebenso noch ein so wichtiger Fakt wie die Einbeziehung der Partner im Süden bei der Programmentwicklung und bei der Durchführung, denn sie tragen ohne Zweifel einen Teil der Last bei der Umsetzung von weltwärts und im täglichen Umgang mit den Freiweilligen. Zahlreiche Partner bedürfen sicher einer Unterstützung beim Aufbau der Freiwilligenstrukturen. Bei der Durchführung ist eine größtmögliche interkulturelle Sensibilität gefragt, damit wir nicht in "alte Strukturen" zurückfallen. Es kann nicht sein, dass wir ohne Einbezug der Partnerperspektive den Projekten die Durchsetzung unsere Programmprofils - den deutschen TeilnehmerInnen einen Lerndienst zu ermöglichen - abverlangen
Der Ansatz des Globalen Lernens hätte sicher auch in diesem Programm die Aufnahme von Freiwilligen aus dem Süden ermöglichen sollen. Doch hier gibt es in der Zukunft sicher noch Entwicklungsmöglichkeiten.

Eine Koppelung mit dem Auslandsdienst im Inland ( einige Monate vor dem Antritt oder im Anschluss)wäre optimal gewesen, doch auch hier kann es ebenso noch Veränderungen geben.

Zum Ende sei noch eine Befürchtung geäußert. Es ist völlig unklar – trotz der großzügigen finanziellen Ausstattung – wie Träger die Eigenmittel von 25 Prozent erwirtschaften können. Dadurch dass der Spenderkreis nicht mehr zwingende Voraussetzung ist, ist dieses Problem noch größer geworden. Die angefragten Anforderungen aus den Richtlinien und damit die zu recht geforderte qualitativ hochwertige Begleitung und Organisation des Programms können mit einer entsprechenden Personalausstattung von besonders auch kleineren Trägern/ Organisationen nicht geschultert werden. Dies können nur Träger umsetzen, die Personal zumindest vorhalten können, ohne Projektmittel in Anspruch nehmen zu müssen oder eine hohe Freiwilligenzahl realisieren können.
Die bisherigen anderen Förderungen und Mittel stehen den "traditionellen Trägern" bei Teilnahme am Programm nicht mehr zur Verfügung.
Dies könnte eine sehr bedauerliche Entwicklung sein, da gerade so die bisherige zivilgesellschaftliche Vielfalt, die auch mit diesem Programm beibehalten werden sollte, bedroht ist. Es besteht die Gefahr, dass wir in wenigen Jahren nur einige wenige große Träger haben, die dieses Programm umsetzen können.

Wir wollen uns den Herausforderungen stellen.