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Meine ersten Eindrücke von Jerusalem

Meine ersten Tage nach der Ankunft waren sehr entspannt. Durch die vielen jüdischen Feiertage zu Beginn musste ich die ersten zehn Tage noch gar nicht arbeiten, sondern ich konnte erst einmal ankommen und mich eingewöhnen.
Name: Merle Alter: 18 Jahre Einsatzstelle: AKIM Inhaltliche Ausrichtung: Einrichtung für Menschen mit Behinderungen

Zu Beginn habe ich mit meinen Mitfreiwilligen aus meiner Einsatzstelle Jerusalem erkundet und die wichtigsten touristischen Orte abgeklappert. Ich habe mich sehr gefreut wieder in Jerusalem zu sein und nun auch ganz viel Zeit dort zu haben und die Möglichkeit, alles selbst zu erkunden – auch jenseits der Altstadt. Anfangs war ich etwas zurückhaltender und vorsichtiger, was vor allen den Kontakt mit Ultraorthodoxen angeht, da ich nicht wusste, wie sie reagieren und wie man sich ihnen gegenüber verhält. Mittlerweile ist das schon viel entspannter geworden.
Auch das Bussystem in Jerusalem hat mir etwas Sorge bereitet. Da ich schon etwas  außerhalb wohne, bin ich auf die Busse in der Stadt angewiesen. Viele Busfahrer waren jedoch unfreundlich und es gab keine englischen Auskünfte über Abfahrtszeiten, Bushaltestellen und –wege. Deswegen bin ich die ersten zwei Wochen entweder zu Fuß oder mit dem Taxi unterwegs gewesen – das auf Dauer entweder zu anstrengend oder zu teuer gewesen wäre.
 
Was meine Wohnsituation betrifft habe ich im Großen und Ganzen sehr viel Glück gehabt. Die ersten sechs Wochen hatte ich ein Einzelzimmer in einer sehr sauberen, großen, gutausgestatteten WG. Leider bin ich mit meinen Mitbewohnern nicht so richtig warm geworden, was vielleicht auch daran lag, dass ich nur sehr selten zu Hause war. In den letzten zwei Wochen hatte ich leider ziemlich viel Stress in meiner WG, der sich jetzt aber durch einen Zimmertausch und einem WG-Meeting wieder geklärt hat.

So richtige Kontakte zu Israelis habe ich bisher nur über meine Gastfamilie geknüpft, die ich noch von einem vorherigen Schüleraustausch kannte. Mittlerweile haben sie mich nämlich herzlich im Kreis ihrer Familie aufgenommen und beherbergen mich am Wochenende. Diese Zeit ist mir dann auch immer sehr kostbar, da ich einerseits sehr viel über die israelische Kultur erfahre, gleichzeitig in ihr lebe aber auch das familiäre Zusammensein sehr genieße und brauche. Beispielsweise war ich jetzt bei einigen der Feiertagen bei ihnen und werde zum Beispiel zu Geburtstagspartys und Bar Bizwot (Plural von Bar Mizwa) eingeladen. Nach und nach lerne ich auch die anderen Familienmitglieder kennen und treffe sie auch auf diesen Partys immer wieder.

Seit einem Monat mache ich jetzt auch einen Sprachkurs (Ulpan) jeweils vier Tage die Woche drei Stunden am Tag. Er ist zwar sehr anstrengend aber ich merke täglich, wie ich mehr verstehe und wie hilfreich es ist die Sprache zu lernen. Für mich bedeutet das unter Woche immer vormittags Theorie zu lernen und diese nachmittags bei der Arbeit sofort zu üben.

AKIM ist eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Jerusalem. Es gibt dort verschiedene Standorte und verschiedenste Formen der Einrichtung wie z.B. Hostels oder Apartments. Ich arbeite in einem Apartment mit sechs Frauen, von denen vier Menschen mit Downsyndrom sind. Ich arbeite von Sonntag bis Donnerstag nachmittags von 15-21 Uhr und manchmal Freitag morgens von 9-13 Uhr. In den ersten paar Wochen habe ich mich nicht sonderlich nützlich gefühlt, da ich kaum etwas wirklich Sinnvolles tun konnte. Meistens habe ich in der Küche ausgeholfen und ab und zu mit den Residents Karten gespielt. Es läuft halt (fast) alles nur über verbale Kommunikation, deswegen konnte ich mit meinen dürftigen Hebräischkenntnissen nicht viel machen. Aber ich lerne sehr viel Hebräisch (gerade auf der Arbeit), sodass sich diese Situation von Tag zu Tag verbessert.
Das Verhältnis zu meinen Kollegen ist sehr gut, wir quatschen viel miteinander und sie helfen mir auch immer beim Lernen. Manchmal würde ich mir wünschen, dass sie mir genauere Arbeitsanweisungen geben, damit ich mich noch mehr an der Arbeit beteiligen kann.

Bisher hatte ich nicht so ein großes Highlight, das ich jetzt hier nennen könnte. Es sind alles kleinere Erfolge, die mich unglaublich glücklich machen.
Zum Beispiel sind es Momente auf der Arbeit, wenn ich anfange Gespräche mit meinen Residents zu verstehen bzw. sogar selbst zu führen.
Auch die Zeit mit meiner Gastfamilie ist für mich immer wundervoll. Dort war ich letztens überglücklich, als diese meine ganze deutsche Familie zu sich eingeladen hat und gerne kennenlernen möchte.

Ganz oben auf meiner Liste steht für mich immer noch Hebräisch zu lernen. Ich merke wie wichtig es ist die Sprache zu lernen, da ich ständig das Gefühl habe, dass mir etwas entgeht bzw. dass ich nicht richtig am Leben teilhaben kann ohne Hebräisch. Außerdem erhoffe ich mir durch bessere Sprachkenntnisse noch mehr für meine Residents da zu sein und somit auf ihre Probleme und Sorgen besser eingehen kann.

Ansonsten möchte ich gerne mehr ins kulturelle Leben von Jerusalem eintauchen und in Museen, Ausstellungen, Konzerte, Theater und Kino gehen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.