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Ankunft und erste Eindrücke

Am 07. September war mein Vorbereitungsseminar in Berlin schon zu ende. Nur einen Tag später hieß es für mich „Koffer packen und los fliegen!“. Und da bin ich: In Seoul.
Name: Kevin C. Alter: 18 Einsatzstelle: Seoul Senior Welfare Center Inhaltliche Ausrichtung: Seniorenzentrum

Im Seoul Noin Bogji Center, meiner Einsatzstelle, empfing mich spät abends meine Tutorin. Einen Moment mal! Um 22:00 Uhr sind fast alle Mitarbeiter im Büro fleißig am Tippen?! In Südkorea sieht das Arbeitsleben ganz anders aus. Man geht üblicherweise wenn alle aus der eigenen Abteilung ihre Arbeit erledigt haben und wenn der Vorsitzende einem das Signal gibt Feierabend machen zu dürfen. Andernfalls hilft man sich gegenseitig, bis man fertig ist. Nicht ohne Grund werden die Südkoreaner als „Workaholics“ bezeichnet.

Bis zum eigentlichen Arbeitsbeginn hatte ich knapp vier ganze Tage. Diese Zeit habe ich genutzt und mich so gut wie möglich in das neue Umfeld zu erkunden. Aber wie? Ganz einfach. Ohne vor-her viel zu überlegen habe ich am nächsten Tag die Bahn in Anguk genommen, um nach „Seoul City“ zu fahren. Von dort aus ging es zu Fuß weiter. Hochmoderne Gebäude, Kia und Hyundai Autos auf den Straßen, LG,Samsung und Apple Smartphones in den Händen der Seouler. Jap - Man kann sagen: fast jeder Bewohner in Seoul besitzt ein Smartphone. In der U-Bahn, in den Bus-sen, überall sitzen die Menschen in Seoul mit ihren Smartphones in den Händen. Selbst die ältere Generation! Was Autos angeht: Seouler haben es sehr eilig auf der Straße. In der kurzen Zeit, in der ich hier lebe, habe ich bereits sechs Auto Unfälle mit meinen eigenen Augen miterlebt. Es heißt eben „Bali Bali“ (schnell, schnell) in diesem Land. Alles muss schnell gehen.

Vorsichtig habe ich mich durch die Street Food Stände probiert. Ich muss sagen: Koreanisches Street Food ist das Beste was ich jemals gegessen habe! Samgyeopsal (koreanisches BBQ) und Tteokbokki (Reiskuchen in scharfer Sauce) sind mittlerweile meine Lieblingsgerichte geworden. Wer Fleisch und Scharfes bevorzugt ist hier bestimmt gut aufgehoben.

Derzeit lebe ich zusammen mit koreanischen Studenten in einer Flatshare in Hongdae. Meine Mit-bewohner sind mittlerweile gute Freunde geworden. Wir kochen, essen und unternehmen einiges zusammen.

Arbeit und Aufgaben

„Guten Morgen“ und Hände schütteln gibt es hier nicht. Man verbeugt sich vor dem anderen ge-genüber und begrüßt sich mit „Annyeong-haseyo!“. Oft hört man auf der Arbeit auch „Sugo-haseyo!“ - bedeutet so viel wie „arbeite hart!“ oder „Yeol-sim-hi-haeyo!“ „ sei fleißig!“.

Ich arbeite von Montag bis Freitag von 09:00 - 18:00 Uhr im Seoul Noin Bogji Center. Was mir am meisten am Center gefällt, sind die vielen Events, die im oder außerhalb des Centers stattfinden. An Tagen wie solche fotografiere oder filme mit ich der Center Kamera oder meiner GoPro die Highlights des Tages (Auftritte, Tanz, Musik, die Senioren etc.), aber auch mit anpacken ist ange-sagt: sei es im Service, Auf- und Abbau oder nur als deutsche Dekoration kurz vor der Kamera stehen.

Ich bin nicht der einzige Freiwillige im Center. Ganz viele Senioren engagieren sich ebenso für die Einrichtung und helfen tagtäglich in allen Bereichen des Centers mit. Dienstags und donnerstags leite ich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen einen Anfänger Deutsch Kurs und einen Alphabet-Kurs. Es macht wahnsinnig viel Spaß mit den Senioren zusammen zu arbeiten. Deutsch wird viel schneller gelernt als gedacht: Mittlerweile höre ich jeden Tag von einigen Senioren „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“!

Mittwochs und Freitag helfe ich in der Cafeteria mit und auf unserem „Dachgarten“ befindet sich zudem ein Hase, um den ich mich tagtäglich kümmere. Ehrlich gesagt, fiel mir der Anfang gar nicht mal so schwer, obwohl ich fast gar kein Koreanisch konnte. Das Team ist sehr freundlich und hilfsbereit. Ein besseres Team könnte ich mir gar nicht vorstellen. Ich möchte gar nicht an den Abschied nächstes Jahr denken.

Dass Arbeit mit Senioren so weil Spaß macht hätte ich nicht gedacht. Die Senioren in Seoul sind voller Energie und Motivation. Es gibt keinen Tag an dem ich nicht mit einem Lächeln begrüßt werde. Ich schätze die Arbeit mit den Senioren im Seoul Noin Bogji Center sehr. Die Senioren geben mir viel zurück! Menschen zu helfen, sie zum Lachen zu bringen und zu unterhalten macht mich sehr glücklich und bestätigt mich gleichzeitig in meiner Entscheidung. Außerdem sind die Senioren des Centers unglaublich interessiert an mir! Selbst nach drei Monaten werde ich immer noch gefragt ob ich wirklich aus Deutschland komme, um einfach ein Gespräch mit mir zu suchen.

Mein Koreanisch wird immer besser und mittlerweile kann ich mich mit Koreanern über einfache Themen unterhalten. Ich strebe eine Teilnahme an einem Sprachkurs an. Bevor ich das Land verlasse, möchte ich unbedingt ein Sprachzertifikat mitnehmen. Ich spiele sogar mit dem Gedanken an einer Deutsche Universität an einem „Koreanisch Kurs“ teilzunehmen.

In der Zukunft hoffe ich auf größere Herausforderungen und die Chance im Center mehr Verantwortung übernehmen zu können, auch wenn mein Koreanisch noch nicht gut ist.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.