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weltwärts in Ghana 2014/15 ARA-02/ARA-19

Und zack ist ein Jahr rum. So schnell kann es gehen. Jetzt stehe ich schon wieder an einem ganz anderen Punkt in meinem Leben. Doch was hat mich hierher gebracht? Ich werfe den Blick zurück. Genauer gesagt, 1,5 Jahre zurück, denn dort hat alles angefangen.
Name: Maike K. Alter: Einsatzstelle: ARA-02/ARA-19, Happy Home Upper Primary, Agona Swedru, Ghana Inhaltliche Ausrichtung: Bildung

Nachdem ich meine schulische Laufbahn beendet hatte, arbeitete ich erstmal als Vollzeitkraft in einem Modeladen in Hamburg. Schnell wurde mir klar, „Das ist Nichts, was du für dein Leben lang machen möchtest, Maike.“ Den unbeschreiblichen Überkonsum der deutschen Bevölkerung jeden Tag zu sehen, machte mich müde. Es war Zeit, was zu ändern. Und am Besten nicht nur für mich. „In ein anderes Land und am Besten andere mitzureißen.“, das war meine erste Idee. Mir war sofort klar, wenn ich etwas mache, dann richtig. Und somit machte ich mich weltoffen und unvoreingenommen im Internet auf die Suche nach einem Plan für das kommende Jahr. Nach nicht allzu langer Zeit stoß ich auf eine vielversprechende Seite. „Weltwärts“. Abgesichert, unterstützt und weit gefächert. Der nächste Meilenstein wurde gesetzt, als ich meine finale Entsendeorganisation „ijgd“ fand.  Bewerbung, Telefoninterview, Projektbestätigung. „Wow, was ein Gefühl.“ Schon an diesem Zeitpunkt war mir klar, dass das etwas ganz Großes werden wird. Doch wie groß und wie sehr es mein Leben verändern würde, war mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht bewusst. Diese Realisierung kam auch erst jetzt, 1,5 Jahr später.

Es war Juli und ich hatte zwei sehr hilfreiche Vorbereitungsseminare in Deutschland. In diesen lernte ich andere Freiwillige kennen, welche auch nach Afrika gehen werden.  Mit jedem Tag stieg die Anspannung, denn nun drehte sich alles nur noch um Ghana. Visa, Arbeitserlaubnis, Flug, Tropenberatung, Impfungen und natürlich, der wahrscheinlich wichtigste Teil, die persönliche Vorbereitung. Für mich persönlich gab es nur noch Plan A, nur noch die eine Richtung und das finale Ziel, ein riesen Abendteuer zu beginnen. Um ehrlich zu sein, wollte ich nicht viel wissen von z.B. meinem Vorfreiwilligen, wie es wohl dort im fremden Land sein würde. Mir war es wichtiger, unvoreingenommen mich ins unbekannte zu stürzen und meine eigenen Erfahrungen zu machen.

Dann ging es los. 1.9.2014. Schon an diesem Tag wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, nicht alleine zu sein und dass man seine Gefühle mit den anderen Freiwilligen teilen kann. Nach einer weiteren Vorbereitungswoche mit der Partnerorganisation ARA war es endlich so weit, die Gastfamilie kennen zu lernen und zu sehen, wo mein nächstes Zuhause für die kommenden Monate sein würde. Spannend. Unglaublich spannend. Mit offenen Armen wurde ich empfangen und fühlte mich direkt wohl. Auch mein Projekt in Kasoa war eine herzliche Grundschule mit tollen Kindern. Jeder Anfang ist schwer. Doch ich nahm mir die benötigte Zeit, um mich einzufinden. Letztendlich integrierte ich mich produktiv in verschiedenen Richtungen. Vertretungsunterricht, Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe, Pausenbetreuung. Doch vor Allem hat mir das gemeinsame Kochen viel Spaß gemacht. Rasch lernte ich durch tägliche Konversationen auch die Grundlagen der Landessprache, Twi. Die Kinder wachsen einem schnell ans Herz und somit machte das Arbeiten auch richtig Spaß.

Nach einem halben Jahr bot sich für mich die Möglichkeit an, in eine andere Stadt zu wechseln und dort noch einmal ganz andere Erfahrungen zu machen. „Warum nicht? Dafür bin ich doch hier.“ Meine nächste Anlaufstelle hieß Agona Swedru. Nach kurzer Zeit merkte ich, dass das genau das Richtige für mich war und begann nicht nur als Gast in einem fremden Land zu agieren. Sondern baute mir ein erfüllendes Leben auf.

„Klirr“, „schepper“, „plansch“. Es ist 6 Uhr und meine Gastmutter ist schon voll im Gange, sich und ihre Tochter für die Schule fertig zu machen. Um sieben stehe ich langsam auf und mache mich für die Schule fertig. Mit dem Frühstück zu Hause wird der erste Hunger gestillt. Doch auf meinem Schulweg suche mich mir noch eine gesunde Ergänzung, wie z.B. Früchte. Um 8 Uhr geht die Schule dann richtig los. In Agona Swedru war ich ein Teil der Upper Primary Happy Home School und hier war der Name Programm. Dieser Teil der Schule besteht aus drei Klassen (4., 5., 6.) mit ca. 15-25 Schülern und jede Klasse hat einen Hauptlehrer, wie auch ergänzende Sprachlehrer. Durch produktive Zusammenarbeit mit meiner Schulleiterin, wie auch den anderen Lehrern, leitete ich ein neues Fach ein. English Literature. Mir wurde viel Freiraum gelassen, mich zu entfalten und meinen eigenen Unterricht zu gestalten. Durch meine vorigen Erfahrungen in Kasoa, wusste ich auch genau, was zu tun ist,  und was für eine Art Lehrer ich sein möchte.

Am Morgen beginnt der Schultag mit einer allgemeinen Begrüßung, in der Beten ein fester Bestandteil ist. Danach beginne ich meinen Unterricht. Heute bin ich in Klasse 5, meine Lieblingsklasse. Wir vergleichen die Hausaufgaben, indem die Kinder einzeln nach Vorne kommen und ihre eigenen z.B. Geschichten vorlesen. Danach darf die Klasse Feedback geben und es erfolgt ein neuer Arbeitsauftrag, welchen ich den Tag zuvor schon vorbereitet habe. „Golgel Dong“, es ist 10 Uhr und ich habe Frühstückspause. Auch die Kinder haben nun Freizeit, um Draußen in der Sonne unter den Mangobäumen zu spielen. Um 11 reichen die Kinder mir ihre erledigten Aufgaben ein, damit ich diese auf Rechtschreibfehler korrigiere. Oft übernehme ich auch zwischendurch andere Klassen, falls ein Lehrer abwesend ist. Diese Stunden nutze ich, um mein Projekt „Culture Exchange“ umzusetzen. Dort reden wir über Ghana und den Rest der Welt. Ich lerne von meinen Kids und meine Kids lernen von mir. Um 12.30 packe ich meine Sachen und klemme mir Klasse 6 unter den Arm. Jeden Tag besuchen wir zusammen die öffentliche Bücherei. Hier haben die Kinder auch kleine Aufgaben, wie z.B. Informationen aus einer Geschichte zusammen zu sammeln. Bis 14.30 geht der offizielle Unterricht. Meistens sind zu dieser Uhrzeit meine Kids noch vertieft in ein Buch und wollen es schnell beenden. Daher verlasse ich meistens um 15 Uhr mit den Letzten die Bücherei.

Nun habe ich Freizeit. Zwei Mal in der Woche verwandelt sich die gesamte Stadt in einen Marktplatz. Und „oh, Wunder“ heute ist einer dieser Tage. Somit schlendere ich über den Markt und schaue bei meinen schon bekannten Marktfrauen vorbei. Ich hätte nie gedacht, dass durch Second Hand Kleider richtige Freundschaften entstehen können. Doch die herzlichen Marktfrauen überzeugten mich von dem Gegenteil. Nach meinem Marktbesuch treffe ich mich oft mit Freunden. Locals, wie auch andere Freiwillige. Wir essen zusammen zu Mittag und machen Pläne für das kommende Wochenende. Danach gehe ich nach Hause und werde sehnsüchtig schon von meiner kleinen Gastschwester erwartet. Wir essen zusammen Ghanaisch zu Abend. Danach nehme ich mir Zeit, über den vergangen Tag nachzudenken und dokumentiere alles genau in meinem Reisebuch.

Nach einem Jahr Ghana habe ich nun drei ganze Bücher beschrieben. Dies hat mir sehr geholfen, um mich selbst zu reflektieren oder auch zu sehen, was ich alles gelernt habe und wie ich mich verändert habe. Jetzt ist es September und ich sitze schon in der Uni. Ich mache jetzt etwas komplett anderes, als ich in Ghana gemacht habe. Aber jeden Tag spüre ich Ghana. Zum Beispiel, wenn ich eine zwei stündige Präsentation von der Klasse halten soll. Jetzt gar kein Problem mehr. Doch das ist nur eine Kleinigkeit. Mein Freiwilligendienst hat mich gelehrt, die vollkommenden Momente am Schopfe zu greifen und das Leben zu genießen. Alles zu teilen, was ich besitze. Offen und unbefangen auf fremde Menschen zuzugehen und schnell Kontakte zu knüpfen. Vor Allem aber, das Privileg wahrzunehmen und zu schätzen, dass mir, als Europäer, die Welt offen steht. Zukünftig möchte ich mich dafür einsetzten, dass es mehr Süd-Nord-Austausche gibt, und somit die Mensch, z.B. in Ghana, die Möglichkeit haben, auch an so etwas einem tollen Projekt teilzunehmen, wie ich es tat.

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