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weltwärts in Kenia 2008/09 CIVS-02

Ich war wohl eine der Vielen, die „schon immer mal nach Afrika“ wollten und es durch das weltwärts-Programm nun ermöglicht bekommen haben. Mit großem Enthusiasmus und mit Näherrücken des Abflugtermins immer größer werdenden Nervosität habe ich meinem einjährigen Aufenthalt in Nairobi entgegen gefiebert.
Name: Daniela S. Alter: Einsatzstelle: CIVS-02 CIVS Office/Communication Inhaltliche Ausrichtung:

Endlich angekommen war von meiner Vorfreude jedoch nichts mehr übrig. Obwohl ich mich, durch Studium, Dokus und Bücher schon vorher mit Afrika auseinandergesetzt habe, war es doch auf einmal ganz anders dort zu sein. Mich hat auf einmal alles überfordert: Wie duscht man sich ohne Dusche? Wie kriegt man seine Klamotten sauber ohne heißes Wasser und Waschmaschine? Wieso starren mich alle an? Warum ist es hier so laut und staubig und dreckig? Kulturschock? Vielleicht.


Fest stand für mich nur, hier bleibe ich kein Jahr – hier kann ich mich nie wohl fühlen! Trotz meiner herzlichen und lieben Gastfamilie und der guten Betreuung durch die Jungs und Mädels bei CIVS, meiner Organisation in Kenia, wäre ich auch mit meinen 27 Jahren gerne wieder nach Hause geflogen. Besonders die ständigen Blicke und „Mzungu“-Rufe durch die man sich unter ständiger Beobachtung gesetzt sah, haben mir anfangs sehr zu schaffen gemacht. Da ich dann aber doch nicht so schnell aufgeben wollte, hab ich halt noch abgewartet. Dabei habe ich Freunde in anderen Freiwilligen, meiner Gastschwester und ihrer süßen Tochter und anderen gefunden, habe meine erste Safari in die wunderschöne Maasai Mara gemacht und mich ganz nebenbei immer mehr eingelebt. Und auf einmal war da eine leise Ahnung, dass es doch ganz gut werden könnte.

Nach meiner 5tägigen Orientierung war ich, was meine Arbeit angeht, die ersten Wochen noch recht orientierungslos und habe schnell gemerkt, dass arbeiten in Kenia anders läuft als in Deutschland. Arbeitstechnisch lief mein Freiwilligendienst wohl auch etwas anders ab, als der vieler Anderer. Da ich nicht in einem Waisenhaus, in einer Schule o.ä. mitgearbeitet habe, sondern im CIVS Büro in Nairobi geblieben bin, war ich hauptsächlich mit organisatorischen Aufgaben befasst. Von der Fülle meiner Aufgaben und der Zeiteinteilung mußte ich mich erstmal an ein weitaus legereres Umfeld gewöhnen. Die Einteilung der Zeit war flexibel, morgens gab es erstmal Chai und Mandazi und Nachmittags war auch immer noch Zeit meinem Kollegen ein paar Wörter deutsch beizubringen. Was meine Aufgaben anging war mein „Boss“ Jasper zum Glück auch sehr flexibel und so konnte ich nachdem ich angemerkt habe, dass Freiwillige betreuen und Workcamps organisieren nicht so ganz meinen Erwartungen entspräche, innerhalb sehr kurzer Zeit mein Aufgabenfeld wechseln. Während meiner Zeit war ich hauptsächlich mit dafür verantwortlich ein neues Projekt zu planen, bestehende Projekte mit zu betreuen und zu besuchen und intern an der Verbesserung der Organisationsstrukturen zu arbeiten. Dabei habe ich nicht nur ungeheuer viel gelernt, sondern auch viel vom Land gesehen und interessante Menschen und Projekte kennengelernt.

An einem ganz normalen Arbeitstag kam ich, nach einem Frühstück zuhause bei Weißbrot mit Butter und Chai, gegen 9:00 Uhr ins Büro, setzte mich vor meinen Laptop, hielt mit meinen Kollegen Rücksprache ob es was für mich relevantes Neues gab, arbeitete an Schreibkram, wie Berichte über vorherige oder bevorstehende Projektbesuche, Pläne für das neue Projekt usw., oder half bei der Orientierung neuer Freiwilliger aus. Nach dem Mittagessen gab es entweder Meetings oder ich habe weiter an dem gearbeitet was noch „auf meinem Tisch lag“. Zwischen 16 und 17 Uhr war dann Feierabend und ich bin nach hause gegangen. Dort habe ich bei einer Tasse chai entweder mit meiner „Gastnichte“ gespielt, oder war einfach so mit denen zusammen die grad zuhause waren. Ein ganz normaler Alltag halt.

Besonders viel Glück hatte ich, als ich im Dezember die Chance bekam mit in den Süd-Sudan zu fliegen und dort bei einem Training von lokalen Regierungsmitgliedern mit zu arbeiten. Körperlich war diese Safari auf jeden Fall anstrengend, dank unerträglicher Hitze, riesigen Insekten und zu vielen Moskitos. Davon abgesehen war es eine einmalige, unvergeßliche Erfahrung! 

Meine zweite „große“ Safari ging an die Küste Kenias. Nachdem das kenianische Weihnachtsfest für mich eher ein Reinfall war, habe ich mich sehnlichst auf meinen Urlaub gefreut. 2 Wochen wollte ich mit einer Freundin über Malindi nach Lamu und wieder zurück nach Mombasa und Diani die Küste entlang reisen. Ende März war es endlich soweit und ich habe dort noch einmal eine ganz andere Seite von Kenia kennengelernt und mich im Meer herrlich entspannt! Im Gegensatz zum Westen Kenias, dem Hochland um Nairobi und der wüstenartigen Landschaften im Norden des Landes, gibt es hier Palmen, Strände und die arabisch geprägte Swahili-Kultur. Von diesem Urlaub wohl erholt, konnte ich so noch mal die letzten paar Monate in meinem Projekt richtig durch starten.

Wieder zuhause angekommen, bin ich traurig darüber Kenia, all die liebgewonnen Menschen und mein Leben dort zurückgelassen zu haben. Was aber überwiegt ist was ich dort gewonnen habe: Menschen die bereit waren mir in der Fremde ein zuhause zu geben, herzliche, gastfreundliche und aufgeschlossene Menschen egal wohin ich gereist bin, ein wunderschönes, vielfältiges Land kennengelernt zu haben und gelernt zu haben, dass ich zwar ohne Strom, aber nur schwerlich ohne Wasser leben kann. Für mich war dieses Jahr die beste Entscheidung die ich bisher getroffen habe und bin mir sicher, dass das jeder und jedem so geht, wenn man bereit ist sich wirklich auf Land und Leute einzulassen.

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