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weltwärts in Togo 2012/13 ASTOVOT-00

Ich wusste schon im dritten Semester der Oberstufe, dass ich nicht zu denen gehören wollte, die direkt nach dem Abitur studieren. Mir war klar, dass ich erstmal gerne ins Ausland gehen würde und dann erzählte mir ein Freund von weltwärts und den ijgd.
Name: Laura S. Alter: Einsatzstelle: ASTOVOT-00 Bildungs- und Kommunikationszentrum, Balanka, Togo Inhaltliche Ausrichtung: Bildung/Soziale Arbeit

Bewerbungen zu schreiben gestaltete sich zunächst schwierig für mich, weshalb ich dann sehr froh war, als ich einen Termin für ein telefonisches Auswahlgespräch bekam. Ich erinnere mich noch gut an das Bewerbungsgespräch, das so viel Spaß gemacht und Vorfreude geweckt hat. Ich weiß auch noch ganz genau, wie aufgeregt ich war, als endlich der Brief von ijgd in meinem Postkasten war. Nachdem ich die Zusage aus dem Umschlag gerupft hatte, bin ich nur noch durchs Zimmer gesprungen. 


Dann kam sehr viel Organisation auf mich zu:  Impfungen beim Tropeninstitut, Backpacker-Rucksack kaufen, Flyer für den Förderkreis designen und drucken, Spenden akquirieren, Schulklassen besuchen, um einen Briefaustausch aufzubauen. Dazu kam das einwöchige Seminar in Hemeln. Dort habe ich dann Lena kennen gelernt, die zwei Jahre zuvor in meinem Projekt war und seitdem auch jedes Jahr zurückfliegt. Nach den ganzen Erzählungen und Bildern wollte ich so schnell wie möglich nach Balanka. Das Seminar selbst war auch toll, dadurch hat die Organisation ijgd plötzlich Gesichter bekommen und sie waren alle so nett und offen. Die Atmosphäre war super entspannt und doch haben wir sehr viel auf dem Seminar gemacht und gelernt. Es ging viel um den Freiwilligendienst selbst, weltwärts und das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit, aber auch viele entwicklungspolitische Themen wurden angesprochen (Rassismus, rassismuskritisch  berichten, Stereotypen, Neokolonialismus, Asylpolitik…). Dann bin ich noch auf ein „Teaching-Seminar“ gegangen, mit dem ijgd uns Methoden gelehrt hat, um gut mit Schülergruppen zu arbeiten.  –Tja, und plötzlich schmiss ich morgens noch wild irgendwelche Sachen in meinen Koffer.  Abflug!

Nach einem Monat Seminar mit Astovot in Lomé und Kpalimé ging es nach Balanka. Ich war total aufgeregt und begeistert, als wir aus dem Auto ausstiegen und die ganze Familie auf uns wartete und unheimlich herzlich begrüßte. Überall waren Menschen und am Anfang fiel es mir schwer, die ganzen Gesichter auseinander zu halten. Ich hatte 15 Geschwister, zwei Mütter und einen Gastvater. Wir lebten zusammen auf einem Hof, die Mütter mit den Kindern in einem Haus, der Papa in einem Zimmer am anderen Ende des Hofes und wir, meine Mitfreiwillige Claire und ich, in einem dritten Haus. Wir hatten jeder ein eigenes Zimmer, ein Gästezimmer, ein Bad, eine Küche mit Gasherd und eine schöne Terrasse. Durch die Solaranlage hatten wir auch elektrisches Licht. 

Für die Arbeit in der Bibliothek hatte ich wenige Vorgaben. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Bibliothekare mich einweisen würden und meine Vorgesetzten wären, aber es hat sich schnell herausgestellt, dass es an Claire und mir lag zu entscheiden, was für Clubs wir anbieten wollten und wie wir uns in das Projekt einbringen. Nach einer Anfangsphase sah mein Alltag meistens folgendermaßen aus:  Ich stand morgens auf, wann ich wollte. Normalerweise frühstückte ich zusammen mit Claire und blieb dann entweder zu Hause oder ging in die Bibliothek zum Lernen. Meistens aßen wir Haferflocken mit Milchpulver oder frittierte Teigbällchen, Brot, und manchmal gab es auch Früchte. Wir haben nicht wie die Familie jeden Tag Maisbrei oder Reis gefrühstückt. Manchmal brachten wir unsere Geschwister zur Schule. Es motivierte sie hoffentlich, nicht so viel zu schwänzen und pünktlicher loszugehen. Eine Weile habe ich vormittags eine schwangere Lehrerin im Kindergarten vertreten. Das war eine sehr anstrengende, aber prägende Aufgabe. Die Kinder haben mich nicht verstanden, weil sie kein Französisch sprachen und waren dann sehr laut. Danach habe ich angefangen, Nachhilfeunterricht für leistungsschwächere Schüler in der Mittagspause in einer Grundschule anzubieten. Dafür machten wir uns um elf Uhr auf den Weg zu einer entfernt gelegenen Grundschule, um bis offiziell halb eins zu unterrichten. Eines Tages fragte mich der Direktor der Grundschule, ob wir den Lehrern nicht eine Fortbildung in unseren Unterrichtsmethoden geben können und dass sie ganz aufhören wollen, die Kinder zu schlagen. Das war eines der größten Erfolgserlebnisse.  Oft wollten unsere Schüler noch länger lesen. Danach gingen wir mit ihnen zurück ins Dorf und aßen mit der Familie zusammen zu Mittag.  Oft gab es Spaghetti mit Soße, Reis oder Yams. Meine Geschwister waren dann da und es war immer viel los. Toben, lachen und streiten und wenn sie dann wieder weg waren, war es auf einmal viel zu still. Ich nutzte den Nachmittag sehr unterschiedlich. Manchmal war ich mit organisatorischen Sachen in der Bibliothek beschäftigt, Verkauf von alten Computern oder der Installierung von Anti-Viren-Programmen. Es stand auch immer die Vorbereitung des Clubs am Abend an. Neue Lieder für den Chor suchen, Arbeitsblätter für Mathe oder Englisch machen, Tafelbilder anschreiben. Viel Zeit brauchten auch die ganz normalen Haushaltstätigkeiten, wie Wasser aus dem Brunnen holen, Abwaschen, Wäsche waschen, fegen. Manchmal saß  ich auch einfach im Hof, um mich mit Mommy, meiner einen Gastmutter, zu unterhalten oder siebte das Mehl für das Pate (Maisbrei) am Abend. Oft ging ich bevor es um sechs dunkel wurde,  es aber schon kühler war, joggen. Manchmal kamen meine Geschwister mit, wenn ich nach fünf Uhr laufen ging, weil sie dann von der Schule zurück waren. Von sechs bis acht boten wir jeden Abend einen Club an. Zweimal die Woche gab es einen Leseclub für verschiedene Klassenstufen, dann gab es noch Mathe und Englisch. Unser Chor ist immer überlaufen voll gewesen und machte tierisch viel Spaß.

Mich hat dieses Jahr sehr verändert, ich möchte es für nichts in der Welt eintauschen und habe immer noch viel Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden in Togo.  Jetzt spare ich für das Flugticket!

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