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weltwärts in Indien 2009/10 FSL-02

Zweiter November 2010, Hamburg. Seit einigen Wochen bin ich zurück in Deutschland. Erstaunlich wie schnell man sich wieder an den Alltag hier gewöhnt. Plötzlich hat man jeden Morgen wieder Vollkornbrot und eine warme Dusche.
Name: Marie P. Alter: Einsatzstelle: FSL-03 Support worker for students with physical and learning disabilities, Kundapur, India Inhaltliche Ausrichtung: Soziale Arbeit/Bildung

Schnell gewöhnt man sich wieder an Internet, Fernsehen und Radio. Man wäscht mit der Waschmaschine und vergisst, dass man bis vor kurzem seine Kleider stets mit kaltem Wasser auf einem Stein gewaschen hat. Ja, so erstaunlich schnell passt man sich wieder an. Ich habe mich bei ijgd beworben, weil ich unbedingt ins Ausland wollte. Da ich aber nicht nur reisen wollte, sondern eine andere Kultur richtig kennenlernen und gleichzeitig Menschen unterstützen die Hilfe benötigen, habe ich mich nach einem geeigneten Freiwilligendienst umgesehen.


Im Internet bin ich dann auf die ijgd-Homepage gestoßen und habe das weltwärts-Programm kennengelernt. Ich habe mich also schriftlich beworben, hatte dann ein telefonisches Interview, war auf den Vorbereitungsseminaren und wurde dann mit dem Flugzeug losgeschickt an die Westküste Indiens. Die ersten Tage waren eine wahnsinnig tolle Reizüberflutung. Eigentlich gab es das ganze Jahr über jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Immer wieder gab es eine neue Überraschung. Untergebracht war ich in einer einheimischen Gastfamilie. Ich habe doch einige Zeit gebraucht, bis ich die Familienkonstellation verstanden habe... da waren also die Großeltern, die aber noch einen 16-jährigen Sohn im Haus hatten. Dazu die Schwiegertochter mit ihren zwei Kleinkindern, außerdem eine weitere Großmutter, eine Haushaltshilfe und dazu wir zwei Freiwilligen.

Mit Pia, einem anderen deutschen Mädchen, habe ich mir ein Zimmer und ein Bad geteilt. Das eigene Bad war wirklich ein Luxus; Von der Familie wurden wir sehr lieb aufgenommen. Anfangs war es sehr schwer sich an das Essen zu gewöhnen, weil es für uns sehr ungewöhnlich war  morgens so deftig zu frühstücken. Es gab nämlich wirklich des öfteren Reis mit Curry zum Frühstück. Zunächst war das wirklich schwer sich dazu zu überwinden, aber wir haben uns doch daran gewöhnen können und mochten es dann auch sehr gerne. Ich habe gelernt, dass man vielen Dingen wirklich Zeit geben muss, um sie lieben zu lernen.

Mir fehlt das indische Essen hier sehr, ich koche zwar gelegentlich die Rezepte nach, aber so richtig kriegt man das ja doch nie hin ;) Ich bin also morgens immer so gegen 9 Uhr aufgestanden, und bin dann mit dem Bus in die Stadt gefahren um gegen 10 in der Schule zu sein. Dort habe ich mit einem weiteren deutschen Mädchen, Stephie, zusammen gearbeitet. Chaitanya Special School ist ein sehr schöner Ort. Leela, die Schulleiterin, ist ein bewundernswerter Mensch. Sie investiert so viel in die Schule und die Kinder. Besonders hilfreich war, dass sie sehr gutes Englisch gesprochen hat. So war sie auch immer eine besondere Vertrauensperson an die ich mich mit jeglichem Kummer wenden konnte. Ich habe in der Schule sehr vielfältige Aufgaben gehabt. Das ging von Yoga-Unterricht, über Mathe, Englisch bis zu Spielen und physiotherapeutischen Übungen. Ich hatte sehr viel Freiraum und konnte meinen Arbeitsalltag größtenteils selbst bestimmen. Auch von FSL aus, der Partnerorganisation von ijgd, durfte ich sehr selbstständig arbeiten.

Generell wurde ich von ihnen auch sehr gut unterstützt. Deepa, meine Koordinatorin, war immer für mich da und hat sich sehr gut für mich eingesetzt. Auch ijgd war stets mit bestem Beistand dabei. Ich habe mich also nie vernachlässigt oder allein gelassen gefühlt. Ich kann mich auch wirklich nicht an schwerwiegende Probleme erinnern. Natürlich hat man gelegentlich mal Heimweh und sehnt sich nach einem Käsebrot oder sonstigem...aber man kommt doch immer wieder schnell darüber hinweg, dazu reicht eigentlich ein Spaziergang am Strand oder allein der Blick aus dem Fenster auf Palmen und Abendsonne....Rückblickend bin ich wirklich so froh über die Zeit, die ich in Indien vebracht habe. Ich habe so viel gelernt, über mich selbst, über andere Menschen, ein anderes Land, eine andere Kultur. Ich habe das Gefühl mein eigenes und das Leben anderer positiv bereichert zu haben. All das, was ich gelernt habe, nehme ich mit in mein Leben hier, um vielleicht wirklich etwas zu bewirken.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.