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weltwärts in Indonesien 2012/13 IIWC-13

Als ich im 12. Jahrgang kurz vor Beenden meines Abiturs stand, habe ich lange überlegt, was ich nach der Schule anfangen kann. Für mich kam es nicht in Frage sofort mit dem Studieren zu beginnen. Meine neugewonnene Freiheit wollte ich unbedingt mit dem Erkunden eines für mich neuen Kontinents beginnen.
Name: Ayla P. Alter: Einsatzstelle: IIWC-13 Women Empowerment through micro-credit activities ‘Nuansa Mandiri', Semarang, Indonesia Inhaltliche Ausrichtung: Soziale Arbeit

Da ich im Zuge eines Schulprojektes bereits einen Monat in Afrika war, wollte ich nach Asien, da dieser Erdteil mich schon immer fasziniert hat. In meiner Vorstellung sah ich dampfende Reisschüsseln, Bauern auf weiten Feldern mit den unverkennbaren Rundhüten und die indischen Rikschas.


Als ich die sichere Zusage für Indonesien bekam, habe ich sofort mit allen Vorbereitungen losgelegt. Tonnen an Medikamenten, unzähligen Impfungen und Kaufräusche später, kam mir zum Ersten Mal der Gedanke, ob ich nicht etwas übertreibe.
Kurz vor dem Flug war die Aufregung dann kaum noch auszuhalten. Bis ich am Flughafen stand, hatte nicht richtig realisiert, dass ich nun wirklich ein Jahr lang mein Zuhause und meine Familie verlassen würde.

Mit den 8 anderen Freiwilligen habe ich zuerst eine Woche Vorbereitungsseminar mit der dortigen Partnerorganisation IIWC gehabt. Es war sehr angenehm, die Möglichkeit zu haben, sich erst einmal gemeinsam zu akklimatisieren.

Die Stadt in der ich lebte heißt Semarang und ist eine sehr große Geschäfftsstadt. Es gibt dort vielen Komfort, an den wir im westlichen Leben gewöhnt sind, seien es nun Kinos, Bars oder auch Clubs.
Ich wurde schließlich  in einer Art WG untergebracht. Wir waren 4 Mädchen, die sich zusammen eine Etage geteilt haben, zwei Deutsche und zwei Indonesierinnen. Unten lebte die Familie meiner Projektleiterin. Wir hatten kein Sitzklo, kein Waschbecken und keine Dusche, nur ein Mandi. Klingt aber schlimmer, als es nachher tatsächlich ist.
Es war schwer, sich mit den paar Brocken Indonesisch, die ich zu Beginn konnte, zu verständigen. Die wenigsten sprechen Englisch, aber mit der Hand/Fuß-Sprache konnte ich mich trotzdem meistens gut verständigen. Der Großteil der Menschen, denen ich begegnet bin, waren sehr freundlich zu mir und haben versucht mit mir zu reden oder mir zu helfen, selbst wenn wir einander nicht verstanden haben und/oder ich keine Hilfe brauchte.

Meine Einsatzstelle war die ,,Koperasi-Nuansa Mandiri“, eine Bank, die Mikro-Kredite an Frauen vergibt.Ich hatte vor Allem zwei Aufgabengebiete, die Arbeit auf dem Markt und die Buchhaltung. Die Arbeit auf dem Markt begann ca. um 10 Uhr morgens. Ich und eine meiner Kolleginnen fuhren regelmäßig mit dem Motorrad zu Frauen, die bei uns Kredite aufgenommen hatten oder die ihr Geld sparen wollten.
Auf unserem Stammmarkt kannten mich bald alle Frauen und ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Mir wurde immer viel Essen von allen angeboten, und irgendwann wussten schließlich auch alle, dass ich keine Hühnerköpfe und -Krallen mag.
Meine Aufgabe bestand hier darin, die Geldbeträge zu sammeln oder auszubezahlen und in die Zahlungsbücher der Frauen zu übertragen. Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
Eine Hälfte des Marktes, liegt ungeschützt in der prallen Sonne und kann teilweise bis zu 37° heiß werden. Das war für mich besonders am Anfang anstrengend. Ich gewöhnte mich nach ein paar Monaten dann aber doch an die Hitze.
Bei der Buchhaltung musste ich die Beträge, die ich gerade auf dem Markt erhalten oder ausgezahlt hatte, protokollieren, wobei in diesem Fall Buchhaltung wirklich Buchhaltung bedeutet.
Das wirklich schöne an meiner Einsatzstelle ist aber nicht die Arbeit, sondern die Frauen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Für mich sind sie zur Familie geworden.
Zusätzlich zu meinen täglichen Aufgaben haben wir auch Frauenversammlungen besucht, bei der eine Ärztin den Gebrauch von Verhütungsmitteln erklärt hat und ich Vorträge, z.B. über Brustkrebs oder Bevölkerungswachstum, gehalten habe.
Am Anfang habe ich dabei Englisch gesprochen, am Ende konnte ich es dann auch auf Indonesisch versuchen. Natürlich bin ich auch viel gereist in diesem einen Jahr und konnte tatsächlich auch viele der Vorstellungen, die ich von Asien hatte, in der Realität wiederfinden.
Trotzdem hat mich ein Satz das ganze Jahr über begleitet: Es kommt immer anders als man denkt. Über viele Dinge, die ich in Deutschland als selbstverständlich sah, denke ich heute ganz anders. Es ist beschämend, mit was für Vorurteilen ich beispielsweise an den Islam herangegangen bin. In der Zeit in Indonesien habe ich Erfahrungen gemacht, die ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde und mich in meiner Persönlichkeit geprägt haben. Es war eine sehr wichtige und kostbare Zeit, trotz gelegentlichem Heimweh und Verständigungsproblemen.

Noch ein Tipp, ihr braucht keine 2 Tonnen Zahnpasta und Shampoo. Indonesien hat genauso wie Deutschland riesige Einkaufzentren, wo ihr (fast) alles bekommt. Man sollte das auch seinen Angehörigen klar machen, dass das zwar lieb gemeint ist, dass Mama 2 Kilo Anti-Bakterielles Waschmittel per Eilpost schickt, aber nicht zwingend überlebensnotwendig. Und kein Klopapier zu benutzen, tja, daran gewöhnt man sich auch.

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