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weltwärts in Mexiko 2011/12 VIVE-01

Als ich mir Anfang 2011 Gedanken machte, wie es für mich nach dem Abitur weitergehen sollte, entschied ich mich für einen Freiwilligendienst im Ausland. Ich wollte noch nicht sofort anfangen zu studieren, sondern erst einmal eine komplett andere und für mich völlig neue Erfahrung machen.
Name: Sebastian W. Alter: Einsatzstelle: VIVE-01 Assistenz Englischunterricht Inhaltliche Ausrichtung: Bildung

Das weltwärts-Programm bot mir die Möglichkeit einen Freiwilligendienst im Ausland auszuüben und finanzielle Unterstützung zu erhalten. Im März bekam ich dann von ijgd die Zusage. Für mich würde es ein Jahr nach Mexiko gehen. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren und ich den Abschied hinter mich gebracht hatte, flog ich zusammen mit anderen ijgd-Freiwilligen Anfang September nach Mexiko City.


Nach einigen Tagen Vorbereitungsseminar durch unsere Partnerorganisation VIVE-MÉXICO in Morelia holte mich meine Koordinatorin ab und ich kam in meine Einsatzstelle in Capula.

Die Schule hatte etwa 270 Schüler, aufgeteilt in 6 Klassen. Meine Aufgabe war es der Lehrerin im Englischunterricht zu assistieren, Hausaufgaben nachzugucken, Schülern mit der Aussprache zu helfen und Fragen zu beantworten. Neben dem regulären Unterricht habe ich auch eine Deutsch- und Französisch AG gegründet, mit den Schülern Volleyball trainiert und bei Renovierungsarbeiten geholfen. Anfangs hatte ich einige Schwierigkeiten mit der Verständigung. Die ersten Wochen habe ich nur wenig verstanden und konnte mich nicht gut ausdrücken, aber mit der Zeit wurde diese Sprachbarriere ganz von alleine kleiner und nach etwa 3 Monaten hatte ich mit meinem Spanisch fast gar keine Probleme mehr.

Ich wohnte in einer Gastfamilie, die auch schon vor mir Freiwillige aufgenommen hatte. Mein Gastbruder war 17 Jahre alt und besuchte auch die Preparatoria, an der ich arbeitete. Mit ihm verbrachte ich die meiste Zeit draußen, beim Basketball spielen, mit Freunden oder zu Besuch im Nachbardorf. Ich hatte noch 8 weitere Gastgeschister, die aber alle schon älter waren und nicht mehr zuhause wohnten, und die ich daher nur gelegentlich sah. Meine Gastmutter war meist daheim und kümmerte sich um ihre Enkelkinder und das Essen; sie war eine exzellente Köchin.

Die ersten 3 Monate waren schnell um und dann war es auch schon Zeit für die Weihnachtsferien. Diese verbrachte ich im Süden Mexikos und durchreiste die Staaten Oaxaca und Chiapas. Ich sah wie Tequila hergestellt wird, stand auf Oaxaca’s höchstem Wasserfall, besuchte die mitten im Urwald gelegene Maya-Ruinenstätte Palenque und genoss den menschenleeren Strand bei Puerto Arista. Nach den Ferien nahm ich dann an einem Schildkröten-Workcamp unserer Partnerorganisation Vive México am Strand Michoacans teil. Dort war es unsere Aufgabe jede Nacht Schildkröteneier einzusammeln, diese in die Auffangstation zu bringen und nachdem die Schildkörten geschlüpft waren diese sicher zum Wasser zu bringen. Im Workcamp arbeiteten wir mit vielen Freiwilligen aus aller Welt zusammen und lernten so jede Menge neuer Wörter, andere Kulturen und Gewohnheiten kennen.

Nach dem Workcamp in Colola musste ich meine Einsatzstelle wechseln, da meine Gastfamilie mich nur für ein Semester hatte aufnehmen wollen und ich auch einmal ein anderes Dorf und eine andere Schule kennenlernen wollte. So kam ich ins 2.400m hoch gelegene San Antonio Villalongin, etwa 2 Stunden von Morelia entfernt. Dort wohnte ich nicht in einer Gastfamilie, sondern in einer WG mit den Lehrern der Schule, die sich dort ein Haus mieteten.
In der Schule war ich weiterhin als Assistenzlehrer eingesetzt, unterrichtete später jedoch auch eine Mathematik AG, da ein Lehrer dauerhaft ausfiel. Neben dem Unterricht gründete ich mit einigen Schülern zusammen ein “ökologisches Forum”, in welchem unsere Preparatoria und auch die Grundschulen des Dorfes über Mülltrennung, Recycling und Umweltbewusstsein aufklärten. Nachmittags war ich oft im Nachbardorf Pucuato, das direkt an einem See gelegen immer zum Schwimmen und Volleyball spielen einlud. Zwischen den Dörfern wurden mehrfach am Tag Mikrobusse, aber meist konnte man sich von einem Schüler auf einem Quad mitnehmen lassen.

Nachdem ich schon über ein halbes Jahr in Mexiko war, hatte ich mich endlich gut eingelebt und fühlte mich in meiner Schule, bei den Schülern und den Lehrern richtig wohl. Auch das Spanischsprechen war nun gar kein Problem mehr.

Mit Vive México hatte ich während des Jahres nicht viel Kontakt, nur auf den Seminaren, und wenn es um die  Einsatzstelle, Workcamps oder Gastfamilien ging. Anfangs war ich noch etwas geschockt gewesen eher auf mich alleine gestellt zu sein, aber gegen Ende des Jahres wusste ich dies auch zu schätzen, da ich über das Jahr hinweg viel selbstständiger und selbstsicherer geworden bin.

In Mexiko habe ich gelernt, dass nicht immer alles nach Plan laufen muss, um ans Ziel zu kommen.  Vieles wird anders organisiert als in Deutschland und Entscheidungen werden viel spontaner getroffen, aber am Ende klappt es doch immer, und genau das hat mein Jahr in Mexiko so aufregend gemacht. Man weiß nie, was einen erwartet.

Jetzt wo ich wieder in Deutschland bin, kann ich es kaum erwarten wieder ins Ausland zu fahren, eine neue Kultur kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und unvergessliche Erfahrungen zu machen. Mein jetziger Vorgesetzter sagte mir, ich hätte doch ein Jahr verloren und müsste jetzt länger arbeiten. Er hatte nicht verstanden, dass dieses Jahr so unvergesslich war, dass ich auch 10 Jahre länger dafür gearbeitet hätte.