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Rolle der Freiwilligen

Seit Beginn von weltwärts gibt es kritische Diskussionen in der Öffentlichkeit und bei ijgd über den entwicklungspolitischen Anspruch des Programms. Eine Kernfrage ist: Was bringen Jugendliche ohne fachliche Qualifikation einem sog. Entwicklungsland? 90 Prozent der BewerberInnen im letzten Jahr hatten keine Ausbildung oder Studium abgeschlossen - können sie in einem Projekt in einem Entwicklungsland wirklich "helfen"?

(weltwärts-) Freiwillige können keine qualifizierte Entwicklungshilfe leisten oder "die Welt verändern", dies ist auch gar nicht der Anspruch des Freiwilligendienstes. Auch ijgd arbeitet seit vielen Jahren mit ihren Partnerorganisationen auf dieser Grundlage zusammen (mit einigen bereits seit 1985). Die Freiwilligen können sich jedoch nach einer gewissen Eingewöhnungszeit vor Ort nützlich machen, lokal etwas im Kleinen bewirken und dabei selbst vielschichtige Lernerfahrungen machen. Die Erfahrung zeigt, dass es bei Freiwilligendiensten weniger um messbare Erfolge und messbare Leistungen geht. Vielmehr geht es darum, dass die Freiwilligen die Projekte sowohl durch Eigeninitiative als auch durch kreative Zusammenarbeit mit Inhalt füllen und den Freiwilligendienst zu einer für beide Seiten positiven Erfahrung machen.

Aus Sicht unserer Partnerorganisationen

  • trägt weltwärts als offizielles Regierungsprogramm zur Aufwertung von Freiwilligenarbeit weltweit bei,
  • ermöglicht weltwärts eine längerfristige und effektivere Unterstützung der Projekte (bei selbstfinanzierten Freiwilligendiensten liegt die mittlere Dauer bei drei Monaten),
  • ist das Ziel der Freiwilligendienste "Lernen und Handeln" miteinander zu verknüpfen,
  • erlebt ein lokales Projekt durch das internationale Interesse und Engagement von jungen Freiwilligen eine Unterstützung und Aufwertung, die als "Hilfe zur Selbsthilfe" bezeichnet werden kann.

Die Einsatzstelle kann - durch die Parnerorganisation, die Freiwilligen und ihre Förderkreise, Verwandte und Freund_innen - Teil einer internationalen Gemeinschaft werden, die ihm in Zukunft ganz neue Kontakte und Möglichkeiten eröffnet.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass das Programm den Freiwilligen als Individuen unter Umständen langfristig mehr nutzt als den Menschen vor Ort. Es ist daher wichtig was jede_r einzelne Freiwillige daraus macht. Setzen die Freiwilligen ihre Erfahrungen in Deutschland nach Rückkehr produktiv um oder nutzten sie die Erfahrung lediglich für die persönliche Entwicklung? Rückkehrer_innen sollten "Multiplikator_innen" werden - für den interkulturellen Austausch und entwicklungspolitische Zusammenhänge. Gerade das Engagement nach der Rückkehr ist eines der Kernziele des weltwärts-Programms.