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MTV in Ghana 2016

Im Gegensatz zu den meisten Freiwilligen habe ich meinen Freiwilligendienst nicht direkt nach dem Abi gemacht, sondern mitten im Berufsleben. Mit 33 Jahren habe ich mich dazu entschieden, meinen damaligen Job zu kündigen und nochmal etwas ganz anderes zu machen. Einfach nochmal raus in ein fremdes Land...
Name: Christiane W. Alter: Einsatzstelle: Weep Not Child Foundation Inhaltliche Ausrichtung: Unterrichten / Arbeiten in einem Kinderheim

... eine fremde Kultur; einfach noch mal einen cut machen und danach das Leben ggf. neu ordnen. Der afrikanische Kontinent hatte mich schon lange gereizt, und auch einen Freiwilligendienst hatte ich schon länger im Kopf. 2016 habe ich dann endlich das, was so lange im Kopf war, in die Tat umgesetzt und so ging es Ende Juli 2016 los nach Ghana.

Mein erstes Projekt war eine Schule ca. 1 Stunde westlich von Accra. Da ich während der Ferienzeit in Ghana anreiste, wurde ich zunächst diesem Projekt zugeteilt, da diese Schule „vacation classes“ anbot. Diese werden dazu genutzt, mit den Kinder Themen des vergangenen Jahres nachzubearbeiten und sie auf das kommende Schuljahr vorzubereiten. In dem Projekt war ich die einzige Freiwillige und lebte zusammen mit der Familie des Schuldirektors in deren Haus auf dem Schulgelände.

Nach Rücksprache mit dem Schuldirektor hatte ich mich dazu entschieden, den Kindern in meiner Zeit vor Ort ein wenig Deutsch beizubringen und habe so täglich 2-3 Stunden Deutsch unterrichtet. Meine freie Zeit nach dem Unterricht habe ich dazu genutzt für die Schule / die NGO des Schuldirektors eine Website zu erstellen.

Nach einem Monat habe ich das Projekt gewechselt und habe die restlichen 3 Monate, wie ursprünglich gewünscht, in einem Kinderheim gearbeitet. Mit dem Wechsel des Projekts gab es auch einen Wechsel der Gastfamilie, da die neue Einsatzstelle ca. 2-3 Stunden nordwestlich von Accra lag. Dieses Mal habe ich nicht direkt im Haus der Gastfamilie gelebt, sondern hatte mein eigenes „Apartment“ - ein Zimmer mit eigenem Eingang. Auf der einen Seite war es etwas schade, da man so natürlich nicht alles vom Leben der Gastfamilie mitbekommt, auf der anderen Seite war diese Unabhängigkeit auch ganz charmant, speziell für mich, die schon seit vielen Jahren alleine lebt. Neben mir hat noch ein weiterer ijgd-Freiwilliger (weltwärts) bei der Gastfamilie, bzw. in einem Nebengebäude der Gastfamilie gelebt.

Meine Aufgabe in dem Kinderheim bestand zu 70% aus unterrichten. Mir wurde nach ein paar Tagen eine Klasse zugewiesen (Klasse 5) und diese habe ich fortan täglich in den landestypischen Fächern unterrichtet (Maths, Science, English, Religion and Moral Education, Social Studies, Creative Art). Einen Lehrplan gab es nicht, vielmehr wurde mir gesagt, ich solle einfach die Schulbücher durcharbeiten. Dieser Sprung ins kalte Wasser war im ersten Moment natürlich etwas irritierend, allerdings fuchst man sich doch sehr schnell rein, und bei einer Klassengröße von 5 Schülern ist es auch nicht ganz so schlimm ;)

Unterrichtet wurde jeden Tag von 8-14 Uhr, inkl. einer Pause am Vormittag und einer Mittagspause, in der es auch Mittagessen gab. Nach Unterrichtsschluss hatten die Kinder Freizeit, in der ich mehr oder weniger die Freiheit hatte mit den Kindern alles zu machen, was ich machen wollte J Häufig haben wir zusammen gemalt, da dies oft der Wunsch der Kinder war. Wir haben aber auch zusammen gebastelt, Spiele gespielt oder z.B. gepuzzelt. 

Ein typischer Tag sah wie folgt aus:

Zwischen 3:45 und 4:45 Uhr: Ich werde erstmalig wach, weil meine Nachbarin anfängt zu fegen / zu spülen / Wäsche zu Waschen. Ich versuche jedoch wieder einzuschlafen, da mein Wecker erst um 5:30 klingelt.

5:30: Ich stehe auf, nehme eine Eimerdusche, trinke Kaffee, mache mich fertig.

7:00: Ich verlasse das Haus und mache mich auf den Weg zum Heim. 10min laufen, 15-20min TroTro fahren, 20min laufen.

7:50: Ich treffe im Heim ein.

8:00: Der Unterricht beginnt.

14:00: Der Unterricht endet, ich habe Zeit mit den Kindern zu malen / basteln / spielen.

16:00: Ich verlasse das Heim und mache mich auf den Heimweg.

17:00: Ich treffe zu Hause ein; setze mich zu den Nachbarn / meiner Gastmutter und helfe ggf. beim Kochen.

18:00: Es gibt Abendessen.

18:30-21:00: Ich helfe beim Abwasch, unterhalte mich noch mit meiner Gastmutter oder meinem deutschen Gastbruder, bereite den Unterricht für den nächsten Tag vor, räume mein Zimmer auf, schreibe / telefoniere mit Freunden / Familie in Deutschland etc...

21:00: Ich gehe ins Bett.

Nach 4 Wochen in dem Projekt habe ich „deutsche Verstärkung“ durch eine weitere ijgd-Freiwillige bekommen. Semira hat ebenfalls eine Klasse zugewiesen bekommen, sodass jeder von uns trotz der Doppelbesetzung wunderbar ausgelastet war, und die Nachmittage konnten wir gemeinsam gestalten (genau wie die Wochenenden, an denen wir teilweise zusammen gereist sind).

Die Zeit in Ghana war für mich eine wunderbare Erfahrung und ich bin sehr froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Sicherlich gab es nicht nur Höhen, doch in Summe überwiegen die positiven Erfahrungen und generell waren alle Eindrücke eine Bereicherung. In wie fern die Zeit in Ghana mein Leben zukünftig beeinflussen wird, kann ich noch nicht sagen. Ich bin mir jedoch sicher, dass sie auf irgendeine Weise eine Auswirkung haben wird.


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