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Mein MTV in Ghana 2016/17

Weil ich mir ein ganzes Jahr im afrikanischen Ausland noch nicht zutraute, habe ich eine Organisation gesucht, die auch nur für ein halbes Jahr versendet. Dass es nach Afrika gehen sollte, stand von Anfang an fest, da mich die Neugierde nach diesem Kontinent gepackt hatte, über den ich ja nur so wenig wusste.
Name: Anna Lotta L. Alter: Einsatzstelle: Our Lady of Grace Hospital Breman Asikuma Inhaltliche Ausrichtung: Health Care

Dass es am Ende nach Ghana ging, war mehr oder weniger Zufall, aber die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich hatte mein eigenes Zimmer im großen Haus einer Missionarsfamilie. Der Vater war Pastor der „Deeper Life Church“. Zusammen mit seiner Frau und vier Kindern lebten wir zusammen in einer kleinen Stadt namens „Breman Asikuma“. Mit sieben Leuten zusammen zu wohnen ist eine schöne Sache. Fast immer ist jemand da und es wird nur morgens etwas chaotischer, wenn jeder versucht in die Dusche zu huschen. Durch das Leben in der Gastfamilie habe ich die ghanaische Küche sehr gut kennengelernt, wobei meine Familie auch Rückwicht darauf nahm, wenn ich bestimmte Gerichte nicht essen wollte.

Nur zehn Minuten von unserem Haus entfernt lag das Krankenhaus, in dem ich fünf Monate lang arbeitete. Je nach dem wie viele Menschen mit mir reden wollten, hat der Weg auch mal doppelt so lang gedauert. Im Krankenhaus wechselte ich jeden Monat die Station, sodass ich am Ende auf der Frauenstation, auf der Kinderstation, im Labor, in der Notaufnahme und auf der Entbindungsstation gewesen bin. Auf jeder Station konnte ich was Neues lernen. Stück für Stück lernte ich das Krankenhaus besser kennen. Wann genau ich auf 
welche Station wechseln wollte war mir ziemlich freigestellt, sodass ich selber nach meinen Interessen handeln konnte. So konnte ich mir auch aussuchen, dass ich immer Frühschicht haben wollte. Meine Aufgaben hingen sehr davon ab, wie viel Eigenengagement ich mitbrachte. Ich habe gelernt nicht darauf zu warten, dass mir jemand eine Aufgabe gibt, sondern meine Hilfe anzubieten oder einfach die Aufgabe zu machen. Ich habe Betten gemacht und die Station geputzt aber auch die Visiten der Doktoren begleitet und Buch geführt. Ich lernte wie man die Patientenakten zu führen hat und wie man aus ihnen abliest, welche Medikamente der oder die Patient_In wann kriegt. Im Labor konnte ich am Ende die einfachen Tests alle auf eigene Faust durchführen und dokumentieren. Ansonsten bin ich auch einfach nur für Kollegen zur Verwaltung gegangen, habe Wäsche weggebracht oder Patient_Innen im Krankenhaus zur nächsten Station geleitet. An manchen Tagen gab es aber auch weniger zu tun, sodass ich meine Kollegen näher kennenlernen konnte oder die Zeit anders totschlug. Solche Tage waren aber eher selten, da ich mich gerne beschäftigt hielt.

Weil mir der Tagesrythmus mit der Frühschicht am besten gefiel, habe ich nur morgens gearbeitet. Morgens eroberte ich irgendwie die Dusche, ohne sie meinem Gastvater wegzuschnappen. Danach stand schon immer mein Frühstück auf dem Wohnzimmertisch bereit. Meistens saß mein Gastvater da auch und ich musste beim Essen „Prayer TV“ oder Gospel anschauen. Man gewöhnt sich aber an alles. Danach holte ich einen anderen Freiwilligen ab, der auf dem Weg zum Krankenhaus wohnte. Meistens konnte ich mit seiner Gastmutter oder –Schwester reden, während ich auf ihn wartete. Zusammen gingen wir zum Krankenhaus und freuten uns daran, dass mit der Zeit immer mehr Menschen uns bei unseren Namen riefen und eben nicht „Obruni“, was „weiße Person“ heißt. Im Krankenhaus trennten sich unsere Wege, allerdings hatten wir manchmal zur gleichen Zeit Schluss, sodass wir zusammen wieder nach Hause gingen. Um die Zeit stand die Sonne hoch am Himmel und da eh alle aus dem Haus waren, konnte ich Mittagspause machen. Nach dem Mittagessen wusch ich meine Kleidung oder ging in die Nachbarschaft, um mit Freunden Karten zu spielen oder mit dem Freiwilligen Eis zu kaufen und ein bisschen zu spazieren. Abends ging ich früh zu Bett, da meine Gastfamilie immer eine Serie im Fernsehen schaute, die ich nicht leiden konnte. Also flüchtete ich einfach schon ins Zimmer. An den Wochenenden verreiste ich meistens.

Schon in der Schule wird nur auf Englisch unterrichtet, sodass jüngere Menschen oft besser Englisch konnten, als ältere. Eigentlich wird in öffentlichen Gebäuden auch nur Englisch gesprochen, allerdings wurde im Krankenhaus viel Twi oder Fante gesprochen, da manche Patienten auf Englisch nicht so gut beschreiben konnten, was für Beschwerden sie hatten. Ein ghanaischer Freund hat uns die Basics des Twi beigebracht und die Kantinenfrau des Krankenhauses sorgte früh dafür, dass wir auf Twi einkaufen konnten. So lernte ich Stück für Stück die Basics des Twi, was mir viele Freunde brachte und vielen Menschen ein erstauntes Lächeln ins Gesicht zauberte. Einer Obruni, die die lokale Sprache erlernen will, waren viele Menschen zugetan. Außerdem machte es Spaß sich von allmöglichen Leuten neue Wörter und Sätze beibringen zu lassen. Mit Englisch und einem kleinen bisschen Twi lief die Verständigung immer problemlos ab und wenn dann doch mal einer vor einem stand, mit dem beides nicht hingehauen hat, so war schnell ein weiterer Übersetzer gefunden, der gerne aushalf.

Vor dem ganzen Freiwilligendienst standen zwei Seminare. Zum einen das Vorbereitungsseminar vom IJGD und zum anderen ein Vorbereitungsseminar der Organisation im Einsatzland. Der IJGD bereitete allgemein darauf vor ein Freiwilliger/ eine Freiwillige zu sein, indem er über Kolonialismus, Rassismus und Kultur aufklärte und genau unter die Lupe nahm, was ein Freiwilligendienst mit Entwicklungshilfe zu tun hat und wie wir in dieses Gefüge passen. Das Vorbereitungsseminar vor Ort drehte sich speziell um die Kultur in dem jeweiligen Land. Erste sprachliche Hilfen wurden gegeben und potenzielle Fettnäpfchen im Umgang mit Einheimischen aufgedeckt.

Während des Aufenthalts gab es immer wieder Treffen mit der Partnerorganisation vor Ort und den anderen Freiwilligen. Es gab Mentoren, die für die Freiwilligen zuständig waren und sich oft über WhatsApp nach ihrem Befinden erkundigten. Auch wenn wir Fragen zu gewissen Reiserouten hatten, konnten wir uns immer an unsere Mentoren wenden. Mit der Zeit wurden solche Fragen aber seltener.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.