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MTV in Kamerun 2013

Einmal für eine Zeit lang in Afrika leben, das war schon immer ein großer Traum von mir. Nach dem Abitur bot sich für mich dann endlich eine Gelegenheit. Ich habe lange nach einer Organisation gesucht, die zu meinen Wünschen passte.
Name: Mia S. Alter: Einsatzstelle: BERUDA - Teaching Assistant in Njinikom, Kamerun Inhaltliche Ausrichtung: Bildung

Viele Organisationen schreckten mich mit Werbesprüchen wie “Zauber einem schwarzen Kind ein Lächeln aufs Gesicht” ab und ich hatte das Gefühl, Freiwilligendienste wurden gerade zu einem Trend, bei dem es mehr um den Titel als um die Intention dahinter ging.


Die ijgd waren für mich die perfekte Lösung- ich wollte gerne ein Stück weit auf das große Abenteuer vorbereitet werden und Ansprechpartner haben, aber mir war vor allem auch wichtig, das Land und das Leben dort so zu erleben, wie es für die große Mehrheit der Menschen Realität ist. Nach dem Vorbereitungsseminar ging dann alles ziemlich schnell- die Zusage für Kamerun war da und nun galt es alles mögliche zu organisieren, angefangen von Impfungen über ein Visum bis hin zu Flügen und Gastgeschenken. Und dann, schneller als ich es realisieren konnte, saß ich im Flugzeug nach Douala. Ich fühlte eine Mischung aus höllischer Angst und riesiger Vorfreude. Angekommen am Flughafen war ich dann erst einmal vollkommen überwältigt von allem: Der Hitze, den vielen schwarzen Menschen die auf mich einredeten und an meinen Sachen zerrten, den vielen Papieren die es zu unterschreiben galt und überhaupt der Tatsache, dass ich nun wirklich da war. So war ich froh schon bald Godwin zu erblicken, den Sohn des Direktors von Beruda, der mich abholen sollte. Nach einer Nacht im Hotel ging am nächsten Morgen dann die lange Reise in den Nordwesten Kameruns los, in ein kleines Dorf namens Njinikom, in dem ich die nächsten Monate verbringen sollte.

Die erste Woche in Kamerun war für mich sehr schwierig und viel viel härter, als ich es erwartet habe. Obwohl ich theoretisch wusste was mich erwartete, war es in der Realität noch einmal etwas ganz anderes. Aber so hart diese ersten Tage auch waren- danach muss ich sagen ging die Anpassung an das Leben relativ schnell und ich war sehr überrascht, wie anpassungsfähig man dann doch ist.. 

Schnell wurde es für mich normal, dass es kein fließendes Wasser, keine Toilette nach europäischem Standard und einen Eimer mit Wasser statt einer Dusche gab und man nachts oft Besuch von Mäusen und zahlreichen Krabbeltierchen bekam. Es wurde schnell normal, weite Strecken zu Fuß zu laufen, mit 8 Leuten in einem kleinen Auto zusammengequetscht zu sitzen (was jedes Mal aufs Neue eine lustige Erfahrung war), und auch an das doch andere Essen und die vielen Magenprobleme gewöhnte ich mich. Und so seltsam es sich anhört, auch die “Armut” bzw. der  niedrige Lebensstandard wird irgendwie normal, weil es für die Menschen dort einfach normal ist, und so fängt man an das Leben dort so zu nehmen wie es ist, man gliedert sich irgendwie ein und lernt es sogar in einer gewissen Form zu lieben.

Ich hatte wahnsinniges Glück mit meiner tollen Gastfamilie- Meine Gastmutter und die neun Kinder die bei ihr wohnten haben mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und diese Familie ist mir sehr ans Herz gewachsen.  Gearbeitet habe ich während meines Aufenthalts in einer dörflichen Grundschule sowie in einer Nursery School. Die Stelle, die mir zugeschrieben wurde, hieß eigentlich Teaching Assistant. Aber spätestens als ich dann vor einer Klasse mit 80 Kindern stand, oft keine Bücher oder Ähnliches als Material zur Verfügung standen an denen man sich orientieren hätte können und ein Hauptutensil des Lehrers der Schlagstock war, wurde mir  bewusst, dass das alles nicht so einfach war wie ich es mir vorgestellt hatte. Richtig alleine unterrichtet habe ich deshalb nur manchmal, und dann war das auch wirklich immer nicht einfach.

Eine Struktur, was ich genau machen sollte und was meine Aufgabe war, gab es generell nicht. Hier war also viel Eigeninitiative gefragt, was mir am Anfang schwer gefallen ist, aber irgendwann wurde ich dann auch einfach selbstständig und habe mir meine Aufgaben selber gesucht. Ich war meistens in den Schulen und habe den Kindern versucht zu helfen oder einzelne Dinge selber unterrichtet. Manchmal war ich auch in einem Waisenheim und habe mir Spiele für die Kinder ausgedacht oder ihnen geholfen zu waschen und zu kochen. Abends war ich oft mit meiner Gastmutter im Dorf unterwegs und habe die Daten von Waisenkindern aufgenommen, um sie in das Waisenkinderprojekt  von Beruda mit aufzunehmen. Ansonsten war ich auch viel im Hauptoffice von Beruda und habe mich mit den Leuten dort unterhalten und über zukünftige Ideen gesprochen. Ich bin eigentlich auch, unter anderem, mit dem großen Ziel nach Kamerun gegangen aktiv etwas zu tun, zu bewegen, zu helfen. Dass sich dieses Ziel für mich nicht richtig umsetzen ließ fand ich zuerst sehr sehr schade, aber als ich erst einmal in dem Leben und der Kultur in Kamerun angekommen war wirbelten viele meiner Gedanken, Erwartungen und Dinge, die ich als selbstverständlich annahm durcheinander und ich fragte mich, ob ich vor Ort denn überhaupt noch etwas verändern oder bewegen möchte. Ich stellte plötzlich Dinge in Frage, die für mich vorher selbstverständlich waren und damit meine ich nicht nur materielle Dinge, sondern vor allem europäische Ansichten und Gegebenheiten. So stelle ich beispielsweise bis heute Freiwilligendienste und Entwicklungshilfe im Allgemeinen in Frage und bin sehr dankbar für die verschiedenen Blickwinkel, die ich erfahren durfte.

Zu der Arbeit im Allgemeinen muss ich sagen, man hatte abgesehen von ihr (typisch kamerunisch) wirklich noch viel freie Zeit, was ich am Anfang durch mein Heimweh und meinen Tatendrang nicht besonders toll fand, aber irgendwann wurde auch ich aktive Deutsche dann gelassener!

Mit mir waren noch 3 andere Freiwillige dort in einem Nachbardorf, die alle sehr nett waren, ich persönlich habe es aber vorgezogen meine Zeit in Kamerun mit Einheimischen zu verbringen, und so habe ich die Chance gehabt viele tolle Menschen kennenzulernen, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind. Die Verständigung war durch den Lokaldialekt teils etwas schwierig aber nie ein großes Problem, man schaffte es immer irgendwie sich zu verständigen.  

Zusammenfassend habe ich viele harte Situationen erlebt in Kamerun, Dinge, mit denen ich schlecht umgehen konnte, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben und es noch tun. Vielmehr aber gab es die positiven und wunderschönen Momente, die ich für nichts in der Welt hergeben würde und die diese Zeit für mich zu einer der schönsten in meinem Leben machten.
Dadurch, dass Kamerun noch kaum von ausländischen Firmen und Freiwilligenorganisationen erschlossen ist, hat man in diesem wunderschönen Land die Möglichkeit, das ursprünglich kamerunische Leben dort kennenzulernen. Mit seinen Vorteilen, mit seinen Nachteilen, und mit seiner vollen Authenzität!

 

 

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