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MTV in Kenia 2016

Von Oktober bis Dezember 2016 war ich über ijgd in Kenia, das in Ostafrika liegt. Schon während meines Studiums habe ich es bereut, dass ich gleich nach dem Abi begonnen habe, zu studieren und nicht eine Zeit lang ins Ausland gegangen bin. Da leider auch kein Auslandssemester zustande kam, habe ich mich entschieden...
Name: Nikola R. Alter: Einsatzstelle: St. Michaels Day Care Center, Ukunda Inhaltliche Ausrichtung: Kinderbetreuung

... die Chance nach meinem Studium zu nutzen, bevor ich mir eine feste Arbeitsstelle suche. Dass ich nach Afrika möchte, war für mich gleich klar, weil es schon immer ein Traum von mir war. Für Kenia habe ich mich dann nach dem Vorbereitungsseminar von ijgd entschieden, bei dem mehrere Freiwillige von ihren verschiedenen Erfahrungen in Kenia berichtet haben. Als Einsatzstelle habe ich mir das St. Michaels Day Care Center ausgesucht, eine kleine Einrichtung vergleichbar mit einer Kinderkrippe. Die Einrichtung liegt in Ukunda, in Kwale County, direkt an der Küste des indischen Ozeans.

Als Anfang Oktober endlich der Tag meiner Abreise gekommen war, war ich wahnsinnig aufgeregt, weil ich keine Ahnung hatte, was mich in Kenia erwartete. Mein Flug ging nach Nairobi, wo ich vom Flughafen abgeholt und zu meiner sehr freundlichen Gastmutter Angela in Nairobi gebracht wurde. Bei Angela wohnte ich in meinen drei Orientierungstagen, die CIVS für mich gestaltete. Dann fuhr ich mit dem Bus 14h an die Küste nach Ukunda, wo meine Gastmutter und eine italienische Freiwillige, die zu Beginn mit mir im Projekt arbeitete, mich abholten. In dem Projekt werden, wie sich herausstellte, nicht nur Kinder tagsüber betreut, sondern es leben auch sechs Mädchen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren im Haus, die von meiner Gastmutter finanziell unterstützt werden, damit sie die Schule besuchen können.

Am Anfang brauchte ich etwas Zeit, um mich einzugewöhnen. Zwar hatte ich mich innerlich auf einen niedrigen Lebensstandard vorbereitet, aber es war doch schwerer als gedacht. Dass die italienische Freiwillige in meinen ersten zwei Wochen mit mir im Projekt war, war mir bei der Eingewöhnung eine große Hilfe. Mein Tagesablauf sah in etwa so aus: Da ich direkt im Projekt wohnte, musste ich erst um acht Uhr aufstehen. Einige von den Kindern waren um die Zeit schon da. Dann gab es Frühstück und anschließend habe ich mich zu den Kindern gesetzt und mit ihnen gespielt und auf sie aufgepasst. Wenn meine Gastmutter Einkäufe oder andere Dinge zu erledigen hatte, hat sie mich meistens mitgenommen, sodass ich auch sehr viel vom Leben der Leute vor Ort mitbekommen habe und es nie langweilig wurde. 

Am Abend nach dem Abendessen, wenn dann die meisten Kinder abgeholt waren und die älteren Mädels von der Schule heimgekommen sind, habe ich ihnen bei Bedarf noch bei den Hausaufgaben geholfen. Das Day Care Center hat von Montag bis Samstag geöffnet, aber wenn ich mal einen freien Tag benötigt habe, um die Umgebung zu erkunden, war das auch kein Problem. Der Diani Beach und der Kisite Marine National Park sind wirklich sehenswert. Mit der Verständigung ging es ganz gut, mit den meisten Leuten konnte ich auf Englisch reden, nur untereinander haben die Leute immer Kiswahili geredet, sodass ich davon nichts verstanden habe. Was mir aus der Zeit an der Küste mit Sicherheit in Erinnerung bleiben wird, ist die unglaubliche Gastfreundlichkeit der Leute, die ich immer wieder erfahren durfte.

Meinen letzten Monat habe ich dann auf Anraten von CIVS hin in einem Workcamp in der Nähe von Kisumu im Westen von Kenia verbracht, da in den Schulferien in meinem Projekt nicht so viel Arbeit anfällt. Für das Workcamp gab es in Nairobi wieder eine eintägige Orientierung, diesmal mit anderen Freiwilligen zusammen. Wir waren eine Tschechin, eine Polin, fünf Kenianer und sieben Deutsche. Das Workcamp war bei einer baptistischen Kirchengemeinschaft in einem kleinen Ort namens Boyani in Vihiga County angesiedelt. In der ersten Woche hatten wir leider nicht besonders viel Arbeit und haben nur verschiedene Projekte besichtigt, die von der Kirchengemeinschaft unterstützt werden. Ab der zweiten Woche hat sich das nach mehreren Gesprächen glücklicherweise gebessert, sodass wir zum Beispiel Steine aus einer Art Lehm geformt haben, mit denen dann nach einigen Wochen des Trocknens Häuser gebaut werden können. An anderen Tagen haben wir Mais ausgepackt oder Steine transportiert. In Gemeinschaft mit anderen Freiwilligen haben diese Arbeiten teilweise richtig Spaß gemacht und ich habe es sehr genossen, mich mit Gleichgesinnten austauschen zu können, was mir in den ersten zwei Monaten etwas gefehlt hat.

Wenn ich jetzt zurückdenke an die drei Monate in Kenia, dann verging die Zeit wahnsinnig schnell. Als ich zum Flughafen gefahren wurde, hatte ich das Gefühl, dass ich doch gerade erst angekommen bin und es war sehr komisch zu gehen, weil Kenia für mich fast zu einem zweiten Zuhause geworden ist und ich so viele tolle Leute kennengelernt habe. Die ijgd-Vorbereitung war rückblickend gut, jedoch glaube ich nicht, dass irgendetwas einen ausreichend auf so einen Freiwilligendienst vorbereiten kann, weil am Ende sowieso vieles anders kommt. Ich habe in den drei Monaten viele schockierende Dinge, aber auch viele schöne Momente erlebt und einmalige Erfahrungen gesammelt. Was ich aus dieser Zeit mitnehme, ist auf jeden Fall ein großes Interesse an anderen Ländern und Kulturen, aber auch das Bewusstsein dafür, wie mein eigener kultureller Hintergrund mich prägt. Mit Sicherheit werden diese Erfahrungen auch auf meine Lebenseinstellung hier Auswirkungen haben.


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