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MTV in Tansania 2016

Ich denke, meine Hauptmotivation für einen Freiwilligendienst war die Aussicht auf die Möglichkeit, neue Einblicke zu gewinnen; Menschen, Kultur und Land auf eine Weise kennenzulernen, die einem als Tourist häufig verwehrt bleibt.
Name: Lydia B. Alter: Einsatzstelle: UVIKIUTA Adult Education in Chamazi, Tansania Inhaltliche Ausrichtung: Erwachsenenbildung

Zudem hatte ich im Rahmen einiger internationaler workcamps bereits zuvor erfahren, wieviel Freude es mir macht, für eine gute Idee bzw. ein sinnvolles Projekt zu arbeiten. Für das 3- monatige MTV in Tansania entschied ich mich zum einen, weil mich einige Freunde mit ihren Reiseberichten neugierig auf Ostafrika gemacht hatten, zum anderen hat mich das von UVIKIUTA ausgeschriebene Projekt, ein 3- monatiger Englischkurs für Erwachsene, auf Anhieb interessiert.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich aus dem Flugzeug ausstieg und mir die tropisch- heiße Luft entgegenschlug, die unbekannten Gerüche und Geräusche, die mir das Gefühl gaben: Wow, jetzt beginnt wirklich etwas Neues.

Ich war in einer Gastfamilie im „eco- village“ untergebracht, in dem überwiegend Mitarbeiter*innen von UVIKIUTA mit ihrem Familien leben. Ich habe mich sehr wohl und willkommen gefühlt bei meinen Gasteltern und den beiden Kindern und auch das eco- village selbst mit seinen großen Häusern und Gärten in schöner Natur habe ich wie eine Ruhe- Oase im Vergleich zu umliegenden Dörfern und Gegenden empfunden. Einige Dinge waren zu Beginn sehr neu für mich, wie zum Beispiel das Duschen mit Wassereimer oder die traditionelle Kochweise über Feuer, aber ich hatte nie das Gefühl, dass es mir an etwas mangelt und das abendliche Kochen mit Mama hat mir total Spaß gemacht... nicht zu vergessen natürlich das leckere Essen! In der Regel sind Freiwillige, die für eine etwas längere Zeit bleiben nicht im UVIKIUTA- Center, sondern in Gastfamilien untergebracht, sodass es in der „Freiwilligenhochsaison“ im Juli mehrere internationale Freiwillige im eco- village gab, mit denen man sich austauschen und etwas unternehmen konnte. Die ersten zwei Monate meines MTVs waren recht wenige volunteers dort; ich teilte mir jedoch ein Zimmer mit einer anderen Freiwilligen, welche auch im gleichen Programm wie ich arbeitete.

Zu zweit starteten wir also unsere Arbeit als Englischlehrerinnen. Der kostenlose Englischkurs wurde angeboten für Erwachsene älter als 15 Jahre aus der Community. Da sich viele Leute angemeldet hatten deren Level teils sehr unterschiedlich war, teilten wir zunächst in Gruppen auf; meine „Kollegin“ übernahm die Anfängerkurse und ich unterrichtete die etwas Fortgeschritteneren mit Englischgrundkenntnissen. In das Unterrichten musste ich mich zunächst etwas einfinden, da wir kaum Anleitung hatten und ich war froh, dass ich mir einige Englischbücher aus Deutschland mitgebracht hatte. Über diese Freiheit in der Unterrichtsgestaltung war ich letztlich jedoch sehr dankbar, weil ich sowohl meine eigenen Ideen als auch die meiner Schüler*innen flexibel und kreativ einbauen konnte. Meine Arbeit hat mir einfach superviel Spaß gemacht, was vor allem an den Leuten in meinen Kursen lag, die ich innerhalb kürzester Zeit ins Herz geschlossen hatte. Die meisten davon waren sehr motiviert, Englisch zu lernen, haben mit Freude am Kurs teilgenommen und die Gruppen sind schnell zusammengewachsen. Viele sind noch nach Unterrichtsende geblieben zum Quatschen und nach einer Weile wurde ich nach Hause eingeladen oder wir haben zusammen etwas unternommen... Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich mich nicht für eine Arbeit mit Kindern sondern mit Gleichaltrigen entschieden habe, weil eine ganz andere Form des Austauschs möglich war und zum Teil echte Freundschaften entstanden sind.

Von der Organisation UVIKIUTA fühlte ich mich stets gut aufgehoben mit Fragen oder Problemen. Die Mitarbeiter*innen sind allesamt total nett und geben einem das Gefühl, Teil des Teams zu sein. Mit unserem direkten Ansprechpartner und Betreuer des Projektes gab es ab und an Missverständnisse; was ich jedoch sehr schätze ist, dass UVIKIUTA ein offenes Ohr für Kritik hat und man ernst genommen wird wenn man bei einem Problem nach Rat sucht.

In einigen Situationen musste ich zurückdenken an das Vorbereitungsseminar der ijgd, aus dem ich einige gute Denkanstöße mit in mein MTV genommen habe. Ich fand es sehr gut, dass dort zu einer kritischen Auseinandersetzung mit unserer Rolle und Motivation als volunteers angeregt sowie gegenüber Themen wie Rassismus und Europa- Afrika- Bilder sensibilisiert wurde.

Alles in allem hatte ich eine sehr glückliche, spannende und erfahrungsreiche Zeit in Tansania, welche mir immer in Erinnerung bleiben wird. Die vielen neuen Eindrücke und Einblicke empfand ich zwar manchmal als Überforderung, wenn ich beispielsweise im völlig überfüllten Minibus („Daladala“) stand oder von Kindern auf der Straße als Europäerin („Mzungu“) bestürmt wurde, aber es war interessant zu merken, wie schnell auch dies zum Alltag wird.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.