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MTV in Uganda 2013/14

Den Wunsch einen Auslandsaufenthalt in einem afrikanischen Land zu absolvieren, hatte ich bereits seit langer Zeit. Da ich mich nach dem Absolvieren meines Psychologie-Bachelors nicht direkt für den Master einschreiben wollte, entschied ich mich dazu ein MTV in Uganda abzuleisten.
Name: Daniela L. Alter: Einsatzstelle: Love Ministry in Katoke, Nabweru-Subcounty, Nahe Kawempe Inhaltliche Ausrichtung: Gesundheitliche Aufklärung/ Teaching/ HIV Support

Die Entscheidung für Uganda fiel rein zufällig und lag wohl an der Vielzahl der Einsatzstellen, die dort angeboten wurden. Diese Entscheidung bereute ich allerdings nicht. Uganda ist wirklich ein beeindruckendes und wunderschönes Land.
Anfang November saß ich also im Flieger nach Uganda. Am Flughafen in Entebbe angekommen, wurde ich von einem Mitarbeiter der ugandischen Organisation UPA, abgeholt und fühlte mich sogleich gut aufgehoben. Untergebracht wurde ich im UPA Guesthouse in Nansana, in der Nähe Kampalas. Dort wurde ich sofort herzlich von unserer Caretakerin in Empfang genommen, was die Ankunft um einiges einfacher machte.
Im Guesthouse selbst waren viele weitere internationale Freiwillige untergebracht. Mein Zimmer teilte ich mir mit einer weiteren deutschen Freiwilligen, die ich bereits bei dem ijgd Vorbereitungsseminar kennengelernt hatte und von der ich wusste, dass sie zur gleichen Zeit in Uganda sein würde. Während ich mich in der Anfangszeit an die wenig vorhandene Privatsphäre gewöhnen musste und dies durchaus als Herausforderung wahrnahm, habe ich es schnell zu schätzen gelernt, dass jeder Zeit Menschen um mich herum waren, wir die positiven und negativen Erfahrungen in einer unbekannten Kultur teilen konnten, gemeinsam kochten und gemeinsam in Kampala ausgingen. Das Guesthouse wurde mit der Zeit wie eine Art Zuhause für mich, auf das ich mich nach längerer Abwesenheit immer sehr gefreut habe.
Meine Einsatzstelle „Love Ministry“ befand sich in Katoke, was ich etwa mit einer 20-minütigen Fahrt mit dem Boda-Boda erreichen konnte. Schon nach kurzer Zeit hatte ich meinen persönlichen Boda-Fahrer Frank, der mich jeden Morgen in Nansana abholte, zu meinem Projekt brachte und mich nachmittags wieder zurück ins Guesthouse fuhr.                             
Bei „Love Ministry“ handelt es sich um ein Waisenheim mit angegliederter Schule. Zurzeit besuchen 75 Schüler die Klassen der Primary School. Der Großteil von diesen verbringt die Schulferien bei Verwandten, die keine Möglichkeit haben, die Kinder das ganze Jahr über zu versorgen. 13 Kinder leben dauerhaft in dem Waisenheim. Die Verständigung in der Einsatzstelle war in Ordnung. Mit den Mitarbeitern als auch den älteren Kindern der Schulte konnte ich mich auf Englisch unterhalten, mit den jüngeren Kindern war das zwar schwierig, dennoch funktionierte unsere Kommunikation immer irgendwie. Während ich den ersten Monat als einzige Freiwillige verbrachte, war von Dezember-Februar noch eine weitere deutsche Freiwillige in der Einsatzstelle, die ich ebenfalls bereits bei dem ijgd Vorbereitungsseminar kennengelernt hatte. Die Anfangszeit in der Einsatzstelle war davon geprägt, mit den Kindern zu spielen, zu tanzen, zu singen, beim Kochen und Aufräumen zu helfen – alles, was eben so im Alltag anfällt. Interessant war die Erfahrung, dass die Mitarbeiter und die Kinder im Projekt wirklich erstaunt waren, wenn ich, der „Mzungu“, half Matoke oder Cassava zu schälen oder in irgendeiner anderen Art und Weise körperlich arbeitete. Ich lernte einige der Vorurteile gegenüber „Weißen“ kennen und musste mich am Anfang an die relativ unerwarteten aber häufig stattfindenden Geldgespräche in der Einsatzstelle gewöhnen, die mir verdeutlichten, dass die weißte Hautfarbe häufig mit finanziellem Reichtum verknüpft wurde. Während ich dies in der Anfangszeit als belastend wahrnahm, konnte ich nach kurzer Zeit relativ gut damit umgehen. Nach einer Eingewöhnungsphase fing ich an Kontakte zu lokalen Zeitungen in Deutschland aufzunehmen und eine Spendenaktion ins Leben zu rufen. Die Tatsache, dass wir bald zwei Freiwillige in der Einsatzstelle waren, bewerte ich als sehr positiv. In Absprache mit der Leiterin des Waisenheims  erstellten wir eine Prioritätenliste mit Dingen, die wohl am dringendsten erledigt werden müssten und die wir zu allererst mit den Spendengeldern realisieren wollten. Die Entscheidung fiel darauf, Toiletten zu bauen. Diese waren dringend notwendig, da die bisher genutzten überfüllt waren, kein Land zu Verfügung stand, um die Exkremente als Dünger zu verwenden und die Kinder bereits anfingen, die Toiletten der Nachbarn zu nutzen. Der teils „chaotische“ Ablauf unseres Toilettenbaus war eine interessante Erfahrung. Neben dem Toilettenbau strichen wir Gebäude der Schule, erstellten eine Homepage für das Love Ministry und verfolgten weiterhin die Spendensammlung, um ein angrenzendes Land zum Gemüsebau kaufen zu können. Den Plan des Gemüsegartens verfolgen wir auch weiterhin aus Deutschland heraus. Damit verfolgen wir das Ziel die Ernährung der Kinder im Heim und in der Schule unabhängiger von den finanziellen Mitteln der Einsatzstelle werden zu lassen und die Nahrung ebenfalls etwas gesünder zu gestalten. Auf Grund der finanziellen Lage gibt es dort nämlich fast täglich „Posho and Beans“ zu Mittag.  Während wir mit den meisten Lehrern vor Ort nicht wirklich in engem Kontakt standen, war die Leiterin jeder Zeit zu Unterstützung bereit und vernetzte uns mit den verschiedenen Leuten, die wir während der verschiedenen Bauprozesse benötigten.  Dies war auf jeden Fall sehr hilfreich.
Ich bewerte es als sehr positiv, dass wir jeder Zeit mit Fragen und Sorgen (vor allem im Rahmen unseres Bauprozesses) zu der Leiterin unserer Einsatzstelle aber auch zu den Mitarbeitern UPAs kommen konnten, deren Office direkt Tür an Tür zu unserem Guesthouse war. Dort konnten wir uns eigentlich jeder Zeit hilfreiche Tipps und Unterstützung einholen.
Die Zeit in Uganda war alles in allem eine sehr intensive Zeit, die ich wohl jeder Zeit wiederholen würde. Die Zeit um Weihachten und Silvester herum als auch die Wochenenden nutzen wir Freiwillige häufig zum Reisen. Dabei lernte ich die wunderschöne, vielseitige und vom Tourismus noch so unberührte Natur, die Tierwelt und vielleicht auch regionale Unterschiede im Verhalten der Menschen kennen. Neben den beeindruckenden Landschaften hat auch Kampala seine Eindrücke hinterlassen. Das einzige Wort, das ich für mich gefunden habe, das diese Stadt beschreibt, ist meiner Meinung nach „verrückt“. Dieser Eindruck liegt wohl an den enormen Menschenmengen im Zentrum Kampalas, die versuchen sich irgendwie durch die ebenfalls große Menge an Taxibussen und Bodas zu kämpfen. Fliegende Händler, die versuchen ihre Waren an den Mann und die Frau zu bekommen und Prediger, die sich teils aggressiv die frohe Botschaft aus der Seele brüllen, sind dort wohl allgegenwärtig. Ich bin immer noch beeindruckt und fasziniert von dieser Stadt und werde vielleicht auch zum Unverständnis mancher Menschen den Trubel und das Gewusel der vielen Menschen, Bodas, Taxis vermissen. Ich hoffe, ich kann mir die Gelassenheit vieler Menschen auch in Deutschland bewahren. Dass ich viele Dinge, wie beispielsweise unsere Schulbildung, unser Gesundheitssystem und auch hin und wieder die Regeln im Straßenverkehr, eher zu schätzen weiß, denke ich auch. Uganda wird mir auf jeden Fall als wundervoll grünes Land mit sehr vielen gelassenen, offenen und herzlichen Menschen in Erinnerung bleiben, in das ich nach Möglichkeit so schnell wie möglich zurückkehren möchte.

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