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MTV in Thailand 2016/17

Nach dem Abitur wollte ich schon immer unbedingt ins Ausland um Abstand von meinem deutschen Alltage und dem Einfluss durch Familie und Freunde zu gewinnen. Ich wollte ein komplett anderes Leben in einer anderen Kultur führen und dabei aktiv am Alltag teilnehmen. Freiwilligenarbeit in Asien erschien mir eine gute Möglichkeit ...
Name: Leonie B. Alter: Einsatzstelle: DaLaa - Whitee tai, Cha-Uat Inhaltliche Ausrichtung: Alternative Erziehung, Leben in der Community, traditionelle Gesundheit von Körper und Geist

... um in ein neues Umfeld gelangen. Durch ijgd fand ich das perfekte Projekt und wurde optimal vorbereitet an die thailändische Organisation DaLaa vermittelt. Diese ließen mir ein sehr ausführliches Handbuch zukommen mit dem ich mich speziell auf Thailand und mein Projekt vorbereiten konnte. DaLaa antwortete immer zeitnah und ausführlich auf Mails und so war die kritische Visabeantragung und die Anreise kein Problem.

Als ich in Thailand ankam nahmen alle neuen Freiwilligen für die verschiedenen DaLaa Projekte erstmal an einem Vorbereitungsseminar mit Schwerpunkt auf Sprache und Verhalten teil. Allgemein wurden wir in das thailändische Leben mit der typischen Küche und den Lebensverhältnissen wie Duschen mit der Regentonne und schlafen auf Bambusmatten vertraut gemacht. Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz und so besuchten wir Nachtmärkte und Wasserfälle. Die DaLaa-Mitarbeiter waren unheimlich nett und so freuten wir uns auf ein baldiges Wiedersehen beim großen DaLaa-Gathering mit allen Freiwilligen aller Projekte.

Wir waren 4-5 Freiwillige, die jeweils in ihren eigenen Hütten rund um das Haus der Gastfamilie wohnten. Die Hütten waren einfach und natürlich voller Ungeziefer, aber man hatte seine Privatsphäre und konnte sich zurückziehen wenn einem danach war.

Unsere Arbeit in der Einsatzstelle war kein klassisches Volunteering in einer Grundschule, sondern mehr einfach am täglichen Leben der Community teilzunehmen und immer wieder Aktivitäten für das Learning-Center anzuleiten. Wir lebten also in einer großen Community, die wie eine große Familie war und alles teilt. Die Absicht der Community ist die Gesundheit von Körper und Geist im engen Zusammenleben mit der Natur, sowie eine nachhaltige Ausbildung der Kinder im eigenen Learning-Center. Die Philosophie der Community spiegelt sich auch im Alltag wieder. Jeden Morgen um 6 Uhr bei Sonnenaufgang trafen wir uns mit unserem Gastvater im offenen Wohnzimmer um entweder Yoga zu machen, spazieren zu gehen und Gemüse zu sammeln oder auf dem Markt in der Stadt einen Tee zu trinken und einzukaufen. Das Kochen war ein großer Bestandteil unseres Alltags. Wir kochten 2 mal täglich auf dem Feuer meist vegan mit vielen selbstgeernteten traditionellen Zutaten wie Kokosnuss, Bananenbaum, Morning Glory oder Früchten aus dem Garten. Die Gastmutter zeigte uns traditionelle Rezepte und ließ uns viel Freiheit beim Auswählen der Speisen. Immer wieder kochten wir auch europäische Gerichte wie Spaghetti mit frischer Tomatensoße oder Pfannkuchen. Wir haben z.B. auch unseren eigenen kleinen Ofen konstruiert um darin Kuchen zu backen. Die Zeit in der Küche mit allen Freiwilligen machte sehr viel Spaß und auch wenn das Kochen immer sehr zeit- und arbeitsintensiv war so bin ich sehr dankbar dafür die authentische thailändische Küche jetzt zu kennen und nachkochen zu können.

Am Vormittag konnten wir meist selbst entscheiden was wir machen wollten. Manchmal gingen wir mit den Kindern schwimmen oder bereiteten Spiele und Theaterstücke für die nächsten Meetings vor oder gingen gemeinsam in die Stadt. Oft schlug uns unser Gastvater vor, mit ihm aufs Reisfeld zu gehen oder wir entwickelten unsere eigenen Projekte. Wir haben z.B. ein Handbuch für künftige Volunteers verfasst und ein Memory aus Holz aufwändig hergestellt. Kein Tag war gleich und es war immer etwas los, aber es blieb immer noch genug Zeit für einen selbst.

Wir waren sehr nah an der Familie dran und praktisch Teil von ihr. Wir kamen überall mit und wurden wir eigene Kinder behandelt. Was mir besonders gefiel war auf meinen 4 Monate alten Gastbruder aufzupassen und seine Entwicklung hautnah mitzuerleben. Allgemein genoss ich die Anwesenheit der vielen Kinder auf dem Gelände, blödelte oft mit ihnen herum und fuhr mit ihnen auf dem Fahrrad durch die Gegend.

So viel Alltag habe ich im Endeffekt gar nicht miterlebt, denn Anfang Januar kamen die größten Überschwemmungen seit 30 Jahren und auch unser Projekt war betroffen. Das Wasser war überall und so mussten wir in das befreundete alternative Gesundheitszentrum ziehen, wo wir uns mit anderen Community Mitgliedern in  der Hilfe der Flutopfer engagierten. Wir arbeiteten von früh bis spät, kochten und verpackten Essen, das mithilfe von Booten zu den Betroffenen in unseren Dörfern gebracht wurde. Wir erlebten in dieser eigentlich schrecklichen Zeit eine unheimliche Solidarität. Jeder half wo er kann, auch wenn er eigentlich selbst betroffen war. Und so wurde die schlimme Flut zu meinen ‚schönsten‘ Erlebnissen, die mein Leben sicherlich noch lange prägen werden.

Ich merkte wie sehr das Projekt zu meinem Zuhause geworden ist und wie ich die Kids aus dem Dorf vermisste. Ich lernte dennoch in der Zeit wunderbare Menschen kennen mit denen anfangs die Verständigung sehr schwer war, aber mit der Zeit immer besser wurde. Uns so wurde besonders ein Community Mitglied zu einem sehr wichtigen Menschen in meinem Leben. Sie ist im Alter meiner Mutter hat Kinder in meinem Alter und ist einfach der herzlichste und sensibelste Mensch, den ich jemals kennen gelernt habe.

DaLaa war besonders während der Flut sehr präsent und erkundigte sich immer wieder wie es uns ging und kam sogar persönlich vorbei um sich ein Bild von der Situation zu machen. Besonders wertvoll waren die Erfahrungen und Begegnungen beim großen Gathering. Wir hatten endlich die Möglichkeit das Überschwemmungsgebiet zu verlassen und in eine bequeme Parallelwelt einzutauchen. Wir lernten viele Gleichgesinnte kennen und konnten uns über unsere oft ähnlichen Probleme austauschen und nach Lösungen suchen. So konnten wir nach 4 tollen Tagen mit neuer Energie und Ideen ins Projekte zurückgehen und mit den Aufräumarbeiten beginnen, um dann Schritt für Schritt zurück in die Normalität zu kommen. Am Ende des Freiwilligendienstes besprachen wir nochmals mit unserem Projektkoordinator alle Einzelheiten und schon waren 3 wundervolle Monate im Projekt vorbei.

Da ich mich gerade auf 2 Monaten Reise nach dem Projekt befinde, kann ich noch nicht konkret sagen inwiefern das MTV sich auf mein Leben in Deutschland auswirken wird, aber ich weiß, dass ich hier viel fürs Leben gelernt habe. Ich habe vor allem gelernt entspannter zu sein, denn am Ende wird immer irgendwie alles gut. Man muss immer auf seine eigenen Stärken und die Gemeinschaft vertrauen und nie das Ziel aus den Augen verlieren. Unnötige Panik und Angst sind einfach ein schlechter Ratgeber. Ich habe gelernt selbständiger zu sein und auf mich selbst zu hören. Ich sollte das machen was mich glücklich macht und nicht nur was andere von mir erwarten. Aber ich habe vor allem eine neue Art zu leben kennen gelernt weit weg von gesellschaftlichen Normen im Einklang mit der Natur. Ich bin unheimlich dankbar für diese 3 Monate in dieser Community und ich weiß, dass ich hierher zurückkehren kann, wenn mein Leben aus den Fugen gerät. Ich habe hier ein Zuhause.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.