Zum Inhalt springen

MTV in Ecuador

Nicht dabei sein sondern Teilsein ist alles. Es war eine Art Herrausforderung an mich selbst mich in ein mir völlig unbekanntes Umfeld zu begeben und mich dort einzubringen.
Nach dem Abschluss meines Abitures, wollte ich unbedingt über einen längeren Zeitraum ins Ausland. Ich wollte nach Ecuador...
Name: Lucie H Alter: Einsatzstelle: Work with children and teenagers - Cuenca Inhaltliche Ausrichtung: Soziale Arbeit, Bildung

...um dort das Land, die Menschen und die Kultur kennenzulernen und zu unterstützen. Auf Ecuador bin ich durch eine Freundin gekommen, die dort ein Schuljahr verbracht hat und seitdem fast jedes Jahr hinreist.

Die Erzählungen vor allen Dingen auch von den Menschen die an viele Wörter ein „chen“ anhängen, machten mir dieses Land unheimlich sympathisch.

Da ich schon länger überlegt habe später mit Kindern zu arbeiten, habe ich mich für das Marktkinderprojekt in Cuenca entschieden, was mich auch durch die besonders schöne Stadt angezogen hat. Nach dem Projekt wollte ich noch genügend Zeit für meine Unibewerbungen haben und so schien mir ein MTV als die perfekte Lösung, da ich die Länge somit selbstbestimmten konnte. Bei meiner Vorberietung hat mir das Vorbereitungsseminar der ijgd sehr geholfen vor allen Dingen hinsichtlich meiner Packliste. Sehr wichtig ist auch das Gespäch mit Rückkommern aus Ecuador gewesen.

Nach meiner Ankunft wurde ich von einem Mitglied der Partnerorganisation empfangen und wurde zu meiner ersten Unterkunft gebracht.

Während meiner ersten zwei Wochen, habe ich an einem Anfangsseminar der Partnerorganisation Teilgenommen, wobei ich über 22 weitere Freiwillige kennenlernte und somit gleich ein paar Freunde hatte.*

Am Ende des Seminares ging es für uns alle los und ich fuhr nach Cuenca. Dort wurde ich von meiner sehr netten Gastmutter abgeholt. An diesem Abend lernte ich meine Familie kennen und fühlte mich gleich wie zuhause.

Gewohnt habe ich bei meiner Gastmutter mit einer Gastschwester und einer von zwei Mitfreiwilligen. Die Gasttante hat im Apartment nebenan mit ihrem Sohn gelebt. Meine Gastfamilie war sehr groß und unter unseren Gast-cousins und -cousinen haben wir gleich freunde gefunden.

Ich kann mir Vorstellen, dass manche von euch angst haben sich Einsam zu fühlen doch in dieser Familie ist das so gut wie nicht möglich. Ich persönlich hatte kein einziges mal Heimweh.

Die Betreuung von der Fundación Proyecto Chiriboga, der Partnerorganisation, war sehr gut. Sie haben einem das Gefühl vermittelt immer anrufen zu können, wenn man Probleme haben sollte. Es gab insgesamt drei Seminare. Ich war nur auf Zweien von ihnen, da ich früher abgereist bin als die Weltwärtsleute. Zwischendurch hat mich eine der Leiterinnen besucht und sich meinen Alltag angeschaut und mit allen Leuten gesprochen, ob ich mich benehme und auch mich gefragt, ob es mir dort gut geht. Ich habe mich sehr behütet gefühlt.

Nun zu meiner Arbeit. Die Fundación „El Arenal“ hat sich zur Aufgabe gemacht den Kinder der MarktarbeiterInnen die Möglichkeit zu geben die Schule zu besuchen und sie vom Markt fern zu halten. Trotz des Kinderarbeitsverbotes arbeiten sehr viele Kinder in Ecuador.

Meine Aufgaben bestanden darin mit den Kindern Hausaufgaben zu machen, Essen auszuteilen, auf sie aufzupassen, sie zum Zahnarzt zu begleiten und natürlich mit ihnen zu spielen.

Die festangestellten Erzieher waren sehr freundlich.

Ein Typischer Tag fing um 8h an. Um diese Uhrzeit kamen die Jugendlichen, denen wir dann bei den Hausaufgaben halfen. Um ca. 10h haben wir ein zweites Frühstück für sie gemacht. 11:30 gab es Mittagessen. Danach hatte ich bis 14h frei. 14h fingen die Jüngeren mit ihren Hausaufgaben an und wir unterstützten sie und erklärte ihnen den Unterrichtsstoff, den sie im Unterricht nicht verstanden hatten. Um 16h gab es dann erneut eine Zwischenmahlzeit, bei der wir das Essen ausgeteilt und die Teller auf Sauber- und Trockenheit überprüft haben. Danach fing die Beschäftigungszeit an. Es gibt verschieden Beschäftigungsschwerpunkte. Der eine Kurs ist auf Kunst, ein weiterer auf Kommunikation und der dritte auf Mathematisches Verständnis ausgelegt. Die Gruppen werden nach dem Alter eingeteilt und wechseln jede Woche. Am Donnerstag haben wir 3-4 Kinder zum Zahnarzt gebracht und waren als Zahnarzthelfer tätig. Am Freitag haben wir immer einen Ausflug gemacht.

Die Verständigung mit den Erziehern lief immer sehr gut. Die anfänglichen Sprachschwierigkeiten waren kein Hindernis und die Kinder reden zwar etwas undeutlich benutzen aber eine recht einfache Sprache, sodass man auch sie verstehen kann. Wichtig bei der Arbeit mit den kleinen ist, dass man ihre Namen kennt, um eine Nähe zu schaffen und Durchsetzungsvermögen zu erlangen.

Ich kann mir vorstellen, dass manche sich etwas Sorgen, dass die kleinen sehr frech sind und sie sind auch frech aber ich denke, dass nach einer gewissen Eingewöhnungszeit Jeder mit ihnen klar kommt. Sie sind wirklich Lustig und auch sehr Liebes bedürftig. Es ist also eine sehr Dankbare wenn auch anstrengende Arbeit. Ich habe jedes einzelne von ihnen schätzen und lieben gelernt.

Die Arbeit hat mir sehr gefallen und überlege sogar noch einmal für ein ganzes Jahr in dieses Projekt zu gehen.

Ich denke nicht das ich eine komplett andere Sicht auf die Dinge habe doch verändert hat sie sich schon. Was sich auf jeden fall verändert hat ist mein Blick auf Ecuador selbst. Ich denke nichtmehr, dass es Arm ist und ich bin mir sicher, dass wir mehr aus Ecuador mitnehmen als wir geben können.

Ich habe neue, sehr gute Freunde gefunden und das Gefühl noch ein Zuhause auf der anderen Seite der Welt zu haben.

Durch die Kinder habe ich gelernt was es heißt sich für jemanden Verantwortlich zu fühlen und sich wirklich jeden Tag mit ihnen zu Beschäftigen. Hinsichtlich meines Berufswunsches bin ich leider nicht sehr viel weiter gekommen. Ich weiß nur, dass ich die Arbeit mit Kindern sehr mag.


* Anmerkung ijgd: Im Bericht erwähnt Lucie diverse Seminare. An denen konnte sie nur teilnehmen, weil sie in Quito gelebt hat und während ihrer Anwesenheit die weltwärts-Seminare stattgefunden haben. Seminare (auch Orientierungsseminare) sind kein Standard beim MTV in Ecuador.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.