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MTV in Ecuador

Ich hatte schon eine längere Zeit lang vor, dass ich nach meinem Abitur einige Monate außerhalb von dem mir bekannten Umfeld leben möchte, um andere Menschen und Lebensweisen kennenzulernen. Ein Freiwilligendienst erschien mir die sinnvollste Art diesen Plan zu verwirklichen.
Name: Nils K. Alter: Einsatzstelle: INFIDIM - Schule für Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen, Quito Inhaltliche Ausrichtung: Social, Kids, Teaching

Weil ich von Bekannten, die selbst Freiwilligendienste in Lateinamerika geleistet hatten, sehr schöne Geschichten ihrer Erlebnisse gehört habe und da mein in der Schule erlerntes Spanisch gerade mal zum Brötchen holen taugte, fiel meine Wahl schnell auf das spanisch-sprachige Amerika. Nach Quito bin ich dann hauptsächlich wegen meines Projekts gegangen. Die Arbeit mit behinderten Kindern stellte ich mir als eine sehr lehrreiche und gleichzeitig zufriedenstellende Beschäftigung vor. Genauso und noch ein wenig besser lief meine Zeit im "INFIDIM" auch ab:

Untergebracht war ich in einer sehr netten Gastfamilie bei denen ich mich sehr heimisch gefühlt habe und mit denen ich auch Geburtstage oder Weihnachten im großen familiären Rahmen gefeiert habe, was alles super schöne Erlebnisse für mich waren.

Jeden Morgen nahm ich den Bus, der mich weiter in den Süden der Stadt brachte, zu meinem Projekt. Um 8 Uhr begann die Schule und ich half die Rolli-Fahrer und die Kinder, die nicht alleine Laufen konnten in ihre jeweiligen Klassen zu bringen. Danach half ich in meiner Aula, wo die relativ schwer eingeschränkten Kinder zwischen fünf und zehn Jahren waren, meiner super netten Kollegin Viky beim Betreuen und Fördern der Gruppe. Bis halb zwei haben die Kinder bei uns gesungen, mit Knete, Schaum, Creme oder auch Bananen rumgematscht, gespielt oder gelernt die Aufgaben des Alltags selbstständiger zu bewältigen. Dazu gehört das selbstständige Gehen/Krabbeln, Essen oder auf-Toilette-gehen.

Von Anfang an wurde ich sehr herzlich aufgenommen und mir wurden meine Aufgaben geduldig erklärt, auch wenn ich mit meinem Spanisch zu Beginn einige Verständnisschwierigkeiten hatte. Ich hatte sehr großen Spaß mit den Kindern und war zum Ende etwas traurig, weil ich die Kinder wie auch meine super netten Kollegen alle sehr lieb gewonnen hatte.

Doch auch nicht alles lief perfekt ab im Projekt. In der Regel habe ich Viky nur geholfen, doch wenn sie  auch mal über eine Stunde nicht da war, habe ich dann die alleinige Betreuung und Gestaltung der Zeit übernommen. Dieses hat mich vor allem im ersten Monat überfordert, weil insbesondere meine Spanischkenntnisse dazu nicht ausreichten. In den letzten Monaten habe ich es immer sehr gerne als Möglichkeit gesehen neue Herausforderungen zu meistern. Auch die Schicksale der teilweise stark eingeschränkten Fünf- bis Zehnjährigen mitzubekommen, war eine unschöne Erfahrung, die mich aber auch wie alles andere was ich erlebt habe, in meinen weiteren Leben verändern wird:

Unter anderem habe ich den Berufszweig, in dem ich mich jetzt bilden will (Therapie), in Ecuador in der Arbeit in meinem Projekt festgelegt. Aber auch in der Kommunikation mit Freunden sehe ich, dass mein Freiwilligendienst mich verändert hat. So bin ich zum Beispiel mit einigen Personen nicht mehr ganz auf einer Wellenlänge, weil ich zum Beispiel einige Themen, für die ich mich früher interessiert habe, jetzt belanglos und uninteressant finde.

Das MTV war eine riesen Erfahrung für mich und die beste Entscheidung, die ich in meinem zugegebenermaßen noch nicht so langen Leben getroffen habe.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.