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Japan 2013

Als ich mich dazu entschloss, nach Japan zu gehen, war mein Ziel, die wahre Kultur und Mentalität der Japaner kennenzulernen. Also bewarb ich mich und zack - war ich dabei, meine Reise zu organisieren.
Und ehe ich mich versah, war ich schon an Bord eines Flugzeuges, das mich über den Kontinent trug.
Name: Christin Löwendorf Alter: 19 Jahre Einsatzstelle: MINAMATA (KUMAMOTO) 2013 Inhaltliche Ausrichtung: Environmental

Ich weiß noch, wie aufgeregt ich nach der Landung war. Schließlich musste ich als erstes zum On arrival Training kommen. Mit meinem doch sehr einfachen japanischen Wortschatz und Englisch kämpfte ich mich durch zum richtigen Bahnhof.


Am ersten Tag

machte ich schon die Bekanntschaft mit der Freundlichkeit der Japaner: als ich nicht wusste, welche Fahrkarte ich nehmen musste, bat ich einen Mann um Hilfe, der mir die richtige Karte zeigte und, weil ich das Geld nicht schnell genug zur Hand hatte, sie auch noch bezahlte. Als ich ihm kurz darauf das geschuldete Geld zurückgeben wollte, lehnte er das lachend ab. Ich war so verblüfft, mit sowas rechnet man schließlich nicht, nicht am ersten Tag. Dank der Hilfe vieler Fremder fand ich den Treffpunkt spielend.

Das Einführungsseminar

wurde von der japanischen Organisation Nice ausgerichtet. Es war wunderbar. Wir hatten Zeit, uns mit anderen Freiwilligen über die Arbeit auszutauschen, zu lachen, zu feiern. In diesen 3 Tagen konnten mir auch viele meiner Ängste genommen und Sorgenfalten gemildert werden. Danach trennten sich unsere Wege, mit einem Russen namens Alex reiste ich zusammen nach Minamata, wir waren also im gleichen Projekt. Minamata liegt auf der Insel Kyuushu in der Präfektur Kumamoto. Dort wurden wir von Junpei-san abgeholt. Er ist der Leiter der Organisation Shokubutsu Shigen no Chikara.

Er brachte uns zu sich nach Hause und schnell lernte ich alle Menschen kennen, die mir ans Herz wachsen sollten: Junpei-sans Frau Hiroku und ihre beiden Söhne; Kaoru, eine hübsche Japanerin, die im Eco-House in Minamata arbeitete und Tom, den letzten Freiwilligen.

Ganz wichtig waren auch die Nachbarn, die sich sehr über uns Freiwillige freuten.

Tom, Kaoru, Alex und ich bewohnten ein altes japanisches Haus am Fuße der Berge, schlicht, aber schön. Einziges Manko: es ist schweinekalt im Winter. Obwohl Minamata schon in der subtropischen Klimazone liegt und wir deshalb am Tage bis zu 20°C (im Februar, wohlgemerkt!) hatten, hielt das Haus die Wärme nicht. Alex schlief sogar mit Mütze und Handschuhen, weil er die Kälte nicht ertrug.

Morgens radelten - pardon - schoben wir unsere Fahrräder die Berge hoch zu Junpei-sans Grundstück. Dort arbeiteten wir, bis es Mittagessen gab, danach wieder Arbeit, gegen  3:00 Uhr Kaffeepause, dann arbeiten bis um 5:00. Abends rasten wir die Berge im Licht der untergehenden Sonne wieder herunter.

Junpei-san hat eine Mission: Minamata soll Ökohauptstadt des Landes werden. Und ich wurde Teil dieser Mission. Der Großteil unserer Arbeit war auf Junpei-sans Grundstück zu erledigen. Wir zerhackten den Bambus, aus dem wir Kohle herstellen wollten, was oftmals sehr anstrengend und schweißtreibend war. Manchmal mussten wir den Bambus dafür nur aus den Gärten der Nachbarn holen, manchmal fällten wir die Bäume selbst.

Wir ernteten Zwiebeln auf den Feldern der Nachbarn (für mich der schönste Teil der Arbeit, weil die Bewohner von Minamata einfach wunderbare Menschen sind). Wir halfen auf Veranstaltungen, im Ökohaus, einmal ernteten wir Wakame-Algen (man war das eine schleimige Angelegenheit!) oder auch Bambussprösslinge, ich war einmal Dolmetscherin und Führerin für einen deutschen Künstler und seine Begleitung.

Zwischendurch hatten wir ein 2 wöchiges Workcamp,

in dem nochmal viele japanische und ausländische Freiwillige eintrafen und wir ein neues Bambustor für das Eco-House bauten. In dieser kurzen Zeit fand ich so viele neue Freunde, es war einfach unglaublich. Mit der anderen Deutschen, die in unserem Team war, verstand ich mich so gut, dass ich kurzer Hand mit ihr nach Osaka fuhr. Eine andere japanische Freundin besuchten ich und Alex an einem anderen Wochenende. Und mit den meisten Leuten von dort stehe ich immer noch in Kontakt. Wir schicken uns Briefe und Päckchen, mit den Europäern habe ich mich letzten Sommer schon einmal getroffen und auch dieses Jahr planen wir wieder eine Zusammenkunft. Ich bin jedes mal aufs neue neidisch, wenn ich Fotos sehe, wie sich diese tollen Leute wieder in Tokio getroffen haben und ich nicht dabei sein kann.

Ich liebe Japan.

Anders kann ich es nicht sagen. Die Menschen dort haben mir so vieles ermöglicht, meine ganze Dankbarkeit könnte ich niemals in Worte fassen. Die Nachbarn schenkten uns selbstgeerntetes Gemüse oder brachten uns selbstgeschossenes Wild. Man ludt uns zu Kochabenden ein, wir tranken zusammen guten Sake und Wein. Oder wir fuhren mit ihnen einfach irgendwohin, z.B. zum Picknick unter den Kirschblüten.

Das größte Kompliment für mich war, als mich einige Japaner als ihre Freundin vorstellten. Ich war keine einfache Bekanntschaft mehr, sondern jemand, mit dem man sich nicht nur aus Neugierde trifft. Das ich die Wochenenden frei hatte, war sowieso perfekt. Dadurch konnte ich die Gegend erkunden, wie ich es wollte. Mit Tom war ich im Onsen oder wandern. Mit Kaoru saß ich auf unserem Balkon in der Sonne und frühstückte.

Am Osterwochende fuhr ich nach Kagoshima und spazierte auf der Vulkaninsel Sakurajima herum. Ich trampte zum ersten Mal in meinem Leben, etwas, das ich mich in Deutschland nie, nie, nie getraut hätte.

Es gab nur drei Dinge, die ich in der Zeit nicht gut fand.

Wir Freiwilligen hatten einmal einen ziemlich heftigen Streit um unser Essen, das war wirklich scheiße. Tom reiste einen Monat früher ab, als ich und Alex und kurz vorher hatten er und Junpei-san einen sehr schlimmen Streit, das war noch viel größere scheiße. (entschuldigung für die Wortwahl) Aber am alleraller Schlimmsten waren die Spinnen! Sie waren riesig und damit meine ich riiiiiiiiiesig, also so groß wie meine Hände. Und sie waren überall. Bäh!

Okay, genug gefaselt. Hier kommt mein Fazit.

Geht nach Japan, ihr könnt nichts falsch machen. Diese Menschen sind großherzig und liebevoll. Ich habe einen Heidenrespekt vor diesen über 80 Jahre alten Leuten, die immer noch auf den Feldern hucken und Zwiebeln pflücken, Tag für Tag. Ich sage es nochmal, ich kann mich niemals genug bei ihnen bedanken, für alles, was sie mir gegeben haben. Seid offen für ihre Kultur, sie werden euch begeistern.

Und das Land ist einfach schön. Es war definitiv nicht mein letzter Besuch in Japan.

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.