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Japan, Kyodogakusha Farm

3 Monate im Land der aufgehenden Sonne - mein Aufenthalt in Japan! Es war nicht immer einfach, doch ich habe viel über andere und vor allem auch viel über mich selber gelernt.
Name: Rebekka G. aus Deutschland Alter: 19 Jahre Einsatzstelle: Kyodogakusha Farm Inhaltliche Ausrichtung: Farmarbeit, Handarbeit, Restaurantarbeit



3 Monate im Land der aufgehenden Sonne

3 Monate ist es jetzt her, dass ich mir wackligen Beinen am Flughafen stand und eigentlich gar nicht mehr von daheim weg wollte. 3 Monate ist es her, dass ich mich überwunden habe und doch ins Flugzeug gestiegen bin. 3 Monate ist es her, dass ich damit eine sehr gute Entscheidung getroffen habe.

Zwischen Abitur und Studium wollte ich gerne etwas anderes machen und ganz weit weg von allem Bekannten sein. Somit haben mich die Projekte in Japan sehr interessiert, denn ich war vorher noch nie in Japan, wusste so gut wie nix über die japanische Kultur und konnte auch kein japanisch.

Arrival-Training am Fuji-san

Zu Beginn meines Aufenthalts in Japan, besuchte ich ein Arrival-Training mit verschiedenen Freiwilligen von der ganzen Welt. Dieses Einführungsseminar fand in einer Jugendherberge, ganz in der Nähe des Fuji-sans statt. Gemeinsam mit den ehemaligen Freiwilligen konnten wir über unsere Ängste und Erwartungen sprechen. Gleichzeitig erzählten die Ehemaligen von ihren Erfahrungen und Plänen für die Zukunft. Schnell wuchsen wir so zu einer Gruppe zusammen und meine erste Erwartung, Freunde überall auf der Welt zu finden, erfüllte sich so schon in den ersten drei Tagen.

Auf nach Hokkaido

Nach dem Einführungsseminar flog ich dann mit dem Flugzeug nach Hokkaido. Mein Projekt lag in Shintoku, einer Kleinstadt im Norden Japans. Die Kyodogakusha-Farm hat es sich zum Ziel gesetzt, dass Leute mit Behinderungen, mit psychischen Problemen oder denen das städtische Leben nicht mehr gefällt zusammen arbeiten und etwas ganz neues schaffen. So wird auf der Farm Gemüse angebaut, Käse produziert und Handarbeit gemacht.

Anfängliche Schwierigkeiten...

Die erste Zeit im Projekt war nicht immer einfach. Am schwierigsten war wohl der erste Tag, denn man hatte vergessen mich am Bahnhof abzuholen und die Begrüßung fiel nur sehr knapp aus. So kam ich mir so weit weg von daheim, doch sehr verloren vor. Leider konnten auch nicht so viele Bewohner Englisch sprechen und keiner fand Zeit mir zu erklären wie alles auf der Farm funktioniert. So wurde ich einfach ins „Gemüseteam“ gesteckt und während ich meine beiden erste Tage mit Unkraut vom Feld entfernen verbrachte, fragte ich mich wirklich, warum ich mir das angetan hatte. Mein einziger Trost war Charlie, ein Freiwilliger aus England, der schon 2 Monate da war. Er nahm mich immer in den Arm und versprach mir, dass ich mich an alles gewöhnen würde und die Zeit verfliegen würde.

Die Wandlung...

Und Charlie sollte Recht behalten. Nach einer Woche hatte ich mich ein kleines bisschen eingelebt und begann neben der Feldarbeit im Restaurant zu arbeiten und traute mich ein bisschen mehr auf die Leute zu zugehen. Mit meinen sehr geringen japanisch Kenntnissen versuchte ich, kleinere Konversationen zu betreiben. Das erste Highlight war dann, dass ich helfen konnte, die Schafe zu scheren. Auf der Farm wollte man ohne viele Maschinen auskommen und so benutzen wir zum Schafe scheren eine alte Schere. So war es ein ziemlicher Akt, weil wir alle Schafe mit 3 Mann festhalten musste, damit ein anderer sie scheren konnte. Auch wenn ich abends ziemlich fertig war, war ich doch glücklich eine solche neue Erfahrung gemacht zu haben.

Endlich angekommen

Nach etwa einem Monat kam Nurse, eine neue Freiwillige aus Thailand auf die Farm, mit der ich nun auch das Zimmer teilte. Zum Glück verstanden wir uns super und hatten keinerlei Probleme 24 h am Tag zusammen zu sein. Ich denke, dass war auch die Zeit in der es mir wirklich gelang in Japan anzukommen. Ich begann nur noch weniger ins Internet zu gehen, machte mehr verschieden Arbeiten auf der Farm ( Handarbeit, Käse verpacken etc. ) und versuchte immer mehr auf die Bewohner der Farm einzugehen.Das war manchmal nicht einfach, denn die Japaner sind oft schüchtern und zurückhaltend und die Sprache stellte natürlich auch noch eine Barriere dar.

Trotzdem versuchte ich es immer wieder und schließlich konnte ich so jeden Montag mit einem Japaner zum Schwimmkurs gehen, backte mit Nurse und einer jungen Japanerin fast jede Woche Kuchen und eine ältere Japanerin begann mir Reitunterricht zu geben.  Außerdem machte ich mit den anderen Freiwilligen einen Ausflug nach Sapporo, wir verkauften Käse auf einem japanischen Bierfestival, konnten umsonst mit zu einem japanischen Tromelkonzert kommen, klettern mit einigen Japanern zusammen auf einen hohen Berg und verliebten uns in japanisches Essen und Onsen (traditionell heiße Bäder mit Quellwasser). Ein weiterer Höhepunkt für mich war, dass mir eine Japanerin beigebracht hat die geschorenen Schafswolle zu normaler Wolle zu verarbeiten. So habe ich die Wolle sortiert, gewaschen, gesponnen und bin somit nun stolze Besitzerin von 200 g japanischer Schafswolle.

 

Aller Abschied ist schwer

Am Ende meiner 3 Monate hatte ich mich entschieden noch 2 Wochen durch Japan zu reisen. Auch wenn ich mich die ganze Zeit total auf die Reise gefreut hatte, hatte ich am Morgen meiner Abreise erneut das Gefühl ein Zuhause zu verlassen und wollte eigentlich gar nicht mehr weg. Nachdem ich es dann doch geschafft hatte konnte ich noch ein paar wundervolle Tage in Kyoto und Tokyo verbringen bevor ich dann am Schluss erneut das Seminar besuchte. Die letzten 3 Tage bei diesem Seminar waren dann wieder ein Highlight, denn es war ein wunderbares Gefühl, nun neuen Freiwilligen seine Erfahrungen mit auf den Weg zu geben und wieder habe ich so viele tollen neuen Leute kennen gelernt.

Ein Blick zurück

Wenn ich nun zurück blicke auf diese Zeit, bleiben mir viele wunderbaren Erinnerungen und hoffentlich viele lang haltende Freundschaften. Die japanische Kultur ist so anders als unsere, man ist so ordentlich, zurückhaltend, aber auch einfach unglaublich freundlich. Japan ist ein sehr sicheres Land und egal wo man ist, versucht einem jeder zu helfen. Für uns ist es oft ungewohnt sich nicht zu umarmen sondern zu verbeugen, 3 mal täglich Reis zu essen oder immer seine Schuhe vor dem Haus in Hausschuhe, vor der Toilette in Toilettenschuhe zu wechseln. Doch gerade weil diese Kultur so anders ist als unsere, rate ich jedem eine Weile in Japan zu verbringen. Ich selbst würde den Freiwilligendienst jederzeit wieder machen. Es war nicht immer einfach, doch ich habe viel über andere und vor allem auch viel über mich selber gelernt.

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.