Zum Inhalt springen

Being part of New York City

In diesem Sommer habe ich eine der schönsten Erfahrungen in meinem Leben gemacht. Nachdem ich mich im Frühjahr entschieden hatte mich für „Sprout“ zu bewerben, eine Organisation, welche in Manhatten Tagesausflüge und Kurzreisen für geistig behinderte Erwachsene anbietet, flog ich am 2. Juni nach New York City.
Name: Rebecca K. Alter: 26 Jahre Einsatzstelle: Being part of New York City Inhaltliche Ausrichtung: Social work

Dort angekommen wartete die Co-Chefin der Organisation  und einige andere Voluntäre bei einem Barbecue auf mich. Die Anreise vom Flughafen musste ich alleine bewältigen, was aber in New York überhaupt kein Problem ist, da die U-Bahn einfach zu verstehen ist.


HI New York

Das Hostel ist total riesig und hat alles was man benötigt. Einen wunderschönen Hinterhof/Garten/Terrasse in dem man sich Treffen kann zum Essen und Unterhalten oder einfach nur sich entspannen und ein Buch lesen. Es gibt eine große Küche und eine sehr stylische Essecke, in der ich mich jedoch nie aufhielt, da ich fast nie gekocht habe. Im Erdgeschoss gibt es einen großen Meetingraum, in dem es für alle Hostelbewohner umsonst Wifi gibt und PC's an welchen man Internetanschluss haben kann. Es gibt viele Automaten mit Essen und Trinken und ein Kiosk, das wirklich guten Kaffee, leckere Bagels, frisches Obst und vieles mehr verkauft.  Außerdem gibt es einen Kinoraum, in welchem Filme und typische New Yorker Serien gezeigt werden. Zusätzlich bietet das Hostel jeden Tag Programm an, wie bestimmte Sightseeingtouren durch New York, Parties oder man wird zu einer Veranstaltung wie z.B. Open Air Kino mitgenommen, als Gruppe natürlich. Diese Angebote sind alle sehr billig oder sogar umsonst und waren klasse! Dadurch habe ich am 4. Juli das „Independence Day“ Feuerwerk über dem Hudson River gesehen und den Film „Harold und Maude“ im Briant Park als Open Air Movie. Ich bekomm immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie toll das war!
Wir waren, wenn wir in New York waren, meist in 12er Zimmern untergebracht. Die Zimmer sind sauber und jeder hat einen Spint, in dem man seine Sachen einschließen kann. Nur mein riesiger Koffer hat da nicht reingepasst, aber ich nahm dann alles wertvolle heraus und schloss dies ein. Die Zimmer sind sauber und ich dachte es wäre schlimmer vier Wochen ohne Privatsphäre und aus dem Koffer zu leben, aber es hat mir tatsächlich nichts ausgemacht. Man ist auch nicht immer mit bekannten Gesichtern in einem Zimmer, da das Hostel die Zimmer so belegt, wie es für sie passt. Duschen und Toiletten sind auf dem Gang und sind auch immer sauber gewesen.

Sprout

Sprout ist eine Non-Profit Organisation, die Menschen mit Behinderungen durch die therapeutische Wirkung von Spaß und Kontakte zu anderen Menschen dazu befähigt, über ihre Grenzen hinaus zu wachsen. Gegründet wurde die Organisation 1979 von Anthony di Salvo, der heute immer noch Chef der Organisation ist und den man auch  kennen lernt, wenn man für Sprout arbeitet. Die Organisation bietet innerhalb New York Citys Tagesausflüge zu öffentlichen Veranstaltungen und Reisen für Menschen mit geistiger Behinderung an.
Es gibt sechs fest angestellte Mitarbeiter im Büro, die sich fast 24 Stunden um alles kümmern und viele Freiwilligen aus der ganzen Welt, die bei den Tagesausflüge und Reisen die Menschen betreuen. Eine Gruppe besteht meist aus drei Betreuern auf elf Teilnehmer. Einer der Betreuer, genannt „Primory Leader“, hat schon viel Erfahrung mit Sproutgruppen und hilft den anderen beiden sich zurecht zu finden. Sprout legt jedoch viel Wert darauf, dass alle gleich verantwortlich für Entscheidungen sind und das Team sich gut abspricht. Wenn man als neuer Leader nach New York kommt, hat man in den ersten Tagen einen Einführungskurs und es wird wirklich jede vorstellbare Situation durch gesprochen und gemeinsam diskutiert, wie man damit umgehen könnte. So bekommt man schon viel Sicherheit und Handlungsanweisungen an die Hand, die einem später die Arbeit erleichtern. Außerdem wird das Fahren mit dem Van für 15 Personen durch Manhatten geübt.
Um für Sprout arbeiten zu können gibt es einige Voraussetzungen, die man erfüllen muss. Man muss mindestens 21 Jahre alt sein und einen Führerschein haben. Der ganz normale deutsche Führerschein reicht aus, um den Van fahren zu dürfen. Flüssiges Englisch ist außerdem sehr wichtig, da viele der Teilnehmer undeutlich sprechen und es nicht mögen, wenn man sie oft fragt, was sie gerade gesagt haben. Es ist sehr wichtig, die Menschen wie normale Erwachsene zu behandeln. Darum wird auf gutes Englisch besonderen Wert gelegt und man sollte dies nicht unterschätzen. Oft ist es einfacher ein Buch auf Englisch zu lesen oder einen Film auf Englisch zu schauen, als eine Konversation zu führen. Spätestens nach dem Telefoninterview mit einem der beiden Co-Direktorinnen weiß man dann allerdings, ob die Sprache ausreicht. Bei mir hat es das zum Glück und so kam ich also nach New York.

Alltag bei Sprout

Wenn man mal eine Zeit lang in einem fremden Land gearbeitet hat, merkt man erst, wie deutsch man doch ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich als überpünktlich und durchstrukturiert bezeichnet werde, jedoch ticken in anderen Ländern die Uhren anscheinend gemütlicher als in Deutschland.
Die Arbeit für Sprout ist so umfangreich, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Im Wesentlichen geht es darum Reisen mit geistig Behinderten zu begleiten. Wenn man also den Einführungskurs beendet hat und sich in New York aufhält, kommt man jeden Morgen ab 10:00 Uhr ins Büro von Sprout, welches sich im Hostel befindet, und fragt nach, was es zu tun gibt. Dann kommen drei Dinge in Frage. Entweder man wird am Folgetag mit auf einen Trip geschickt oder man macht am selben Tag einen Tagesausflug oder man muss etwas im Büro helfen. Sprout arbeitet mit vielen Freiwilligen zusammen und so kann es immer wieder passieren, dass bereits geplante Dinge umgestellt werden müssen, aufgrund von Krankheit ect. Darum kann man nicht zu Beginn des Workcamps schon einen vollständigen Überblick bekommen, wann man was machen wird.

Beeing on a Trip

Die wesentliche Arbeit für Sprout  ist die Reisebegleitung. Zur Vorbereitung auf den Trip bekommt man eine Broschüre aus der man alle wichtigen Informationen erfahren kann. Also z.B. alle wichtigen Details über die Teilnehmer, wie etwa Medikation, Allergien, Diäten und besondere Verhaltensweisen. Außerdem steht darin, wo es hingeht und eine Liste mit Aktivitäten, die man dort unternehmen kann. Am Tag der Abreise bekommt man dann das Budget überreicht und erklärt, wie man es verwalten muss.
Dann kommen auch schon die Teilnehmer und es geht los. Alle ab in den Bus und hinaus aus Manhatten. Über Brücken und durch den geschäftigen Verkehr von New York wird es langsam ruhiger, wenn man endlich aus der Stadt draussen und auf dem großen Highway ist. Doch im Van geht es dann erst richtig los. Die Musik wird aufgedreht und es wird gesungen und geklatscht, um die Reisezeit schneller herum zu bekommen. Man muss wirklich oft anhalten und Toilettenpausen einlegen, um einen „Unfall“ im Bus zu verhindern.

Im Motel angekommen werden die Zimmer verteilt und das Abendessen geplant. Manchmal isst man bereits unterwegs an einer Raststätte, wenn absehbar ist, dass es spät wird. Die Betreuer teilen sich zu dritt ein Zimmer, was wirklich eine Erholung zu dem Hostel in New York ist. Die Motels sind bekannte Ketten und sind meist luxuriöser als das Hostel. Die Teilnehmer sind entweder alleine oder zu zweit in einem Zimmer.
Auf einem Trip ist man 24 Stunden in der Verantwortung für alle. Man muss manchmal helfen beim Duschen, Kleider heraus suchen, Zähne putzen und immer wieder an den Toilettengang erinnern. In der Regel achtet Sprout darauf, dass die Teilnehmer selbstständig sind. Jedoch kann es vorkommen, dass in der unbekannten Umgebung einige doch auf leichte Hilfe angewiesen sind. Ich habe z.B. beim Duschen geholfen, beim Zähne putzen und musste einmal beim Windeln wechseln helfen, weil nicht bekannt war, dass der Teilnehmer Windeln trägt und nicht in der Lage war diese selbstständig zu wechseln. Er hätte wahrscheinlich nicht mit kommen dürfen, da nur Teilnehmer mit dürfen, die leichte Hilfen benötigen.
Viel wichtiger ist jedoch, dass man ganz tolle Dinge und verschiedenste Aktivitäten erlebt. Ich habe durch die Trips Dinge gemacht, wie z.B. Rodeo mit Barbecue, ein Ausflug nach Marthas Vineyard, Bowling, Kino, eine Bootsfahrt auf einem Dampfer und vieles mehr. Die Betreuer haben die Aufgabe den Teilnehmern einen tollen Urlaub mit viel Spaß, Erholung und Unterhaltung zu bieten. Und das hatten wir auch und zusätzlich habe ich wundervolle Menschen und ihre Lebensgeschichte kennen gelernt.

Sproutstock

Im Sommer bietet Sprout für seine Teilnehmer zwei große Festivals an, zum einen „Sproutstock“ und zum anderen „Club Sprout“. Beide finden in einem großen Hotelresort statt und bieten einiges an Unterhaltung. Als Betreuer ist man gemeinsam mit zwei anderen wieder für eine Gruppe zuständig. Ich fragte immer die anderen Leader, was wir denn bei Sproutstock machen müssen und wie das ist und die sagten immer:“ Spaß haben, tanzen, lachen und singen!“ Ich fand das komisch, denn ich dachte mir, man müsste doch noch mehr Aufgaben haben. Vielleicht an einem Stand etwas anbieten oder sich um eine bestimmte Veranstaltung kümmern. Aber tatsächlich war es so, dass nach jeder Mahlzeit eine Band spielte und alle tanzen wollten und die Lieder mitsangen. Am zweiten Tag gab es dann noch einen Zauberer und verschiedene Angebote wie Karaoke, Yoga oder Bingo für alle Teilnehmer. Die Betreuer haben die Gruppen begleitet, alle beisammen gehalten, beim Essen geholfen, am Abend alle ins Bett gebracht und ganz viel getanzt, gesungen und gelacht. Dieses Erlebnis war eins der schönsten Dinge, die ich bis jetzt in meinem Leben gemacht habe. Ich hatte so oft Gänsehaut, weil es so schön war mit diesen Menschen Spaß zu haben und jede Sekunde zu genießen. Das kann man gar nicht beschreiben, da muss man mal dabei gewesen sein!
„Club Sprout“ habe ich leider nicht mitmachen können, da es nach meiner Abreise stattfand.

Back in New York

In New York tröpfelt einem das Geld nur so aus der Tasche. Jedes Mal wenn ich in New York war, wünschte ich mich auf einen Trip, um Geld zu sparen und jedes Mal wenn ich auf einem Trip war wollte ich zurück, um die Stadt zu erleben.
Wenn man von einem Trip zurück kommt muss man neu einchecken, die Wäsche machen und einen Report über den Trip schreiben. Am nächsten Tag kommt man dann um 10:00 Uhr ins Büro und fragt nach, was es zu tun gibt. Manchmal wird man auf einen Tagesausflug geschickt. Dazu bekommt man eine Liste der Teilnehmer, die sich für den Ausflug angemeldet haben und eine Wegbeschreibung, wie man dort hinkommt. Ich habe bei schönen Ausflügen teilnehmen können, z.B. ein Baseballgame der Staten Island Yankees, ein Open Air Konzert der New Yorker Philharmonie im Prospect Park in Brooklyn, ein Besuch eines chinesischen Teehauses und einmal gab es im Hostel einen Bastelnachmittag mit Milchshakes. Die Tagestrips sind wirklich eine tolle Idee, denn die Teilnehmer kommen selbstständig zu der Veranstaltung und können in einem geschützten Rahmen am öffentliche Leben in New York City teilnehmen. Wir waren hier dafür zuständig allen Spaß zu vermitteln, zu schauen, dass die Leute sich untereinander unterhalten, wir kümmerten uns um die Verpflegung und zeigten, wo die Toiletten sind. Als Leader hat es den großen Vorteil, dass man selbst natürlich auch sehr viel von New York kennen lernt.

Sightseeing, Relaxing and Party

Wenn es im Büro nichts zu tun gibt oder man lange auf einem Reisetrip war, hat man einen Tag frei und kann die Stadt erkunden. Dazu helfen einem die Mitarbeiter von Sprout sehr viel. Sie haben gute Ideen und geben Tips, was man gerade machen sollte. Außerdem kann man in seiner Freizeit an den Touren im Hostel teilnehmen oder sich einfach mal entspannt in den Garten zurück ziehen. Das Hostel ist wirklich so toll, dass wir uns manchmal gegenseitig erwischten, wie wir den halben Tag dort herum saßen und uns entspannten und uns aber immer wieder vorsagten: „ Wir sind in New York, wir sollten uns etwas anschauen...!“ Aber auch in Manhatten braucht man mal seine Ruhe.
Man hat wirklich viele Möglichkeiten dort seine Zeit zu verbringen. Oft gingen wir in Gruppen los und schauten uns die Stadt an. New York ist so einfach zu erkunden, da das U-Bahn Netz sehr gut und einfach zu verstehen ist. Außerdem entdeckt man so viele tolle Restaurants, Imbisse, Vintage-Stores, Bars und Cafes, wenn man mal außerhalb der Touriebereiche los zieht. Und die Stadt empfängt einem mit offenen Armen. Man steht nie lange alleine herum, sondern wird sofort von Locals angesprochen, ob man Hilfe braucht und bekommt Tips, was man unbedingt noch machen sollte. So viele Plätze kennt man aus Filmen, das man das Gefühl hat nach zwei Tagen schon zu Hause zu sein. Wenn man mal dort war, will man einfach nicht mehr weg!
Und am Abend kann man auch so viel Spaß haben. Bei Sprout ist es üblich, dass die Leader, die gerade in New York sind gemeinsam weggehen. Um Party zu machen, Karaoke zu singen, gemeinsam Essen zu gehen oder einfach nur mal ein Bier trinken. So lernt man sich schnell kennen und kann Abstand gewinnen zu der zum Teil doch anstrengenden Arbeit. Die Mitarbeiter aus dem Büro machen Vorschläge und gehen auch immer mal wieder mit.
Durch Sprout habe ich Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt, habe unverzichtbare und vor allem wundervolle Erfahrungen gemacht und hatte eine unvergessliche Zeit in New York City! Ich kann nur jedem empfehlen dies auch zu tun, denn im Moment frage ich mich wirklich, warum ich so etwas nicht schon viel früher gemacht habe.

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.